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Nach der Katastrophe von Notre Dame: Vor 113 Jahren stand auch der Michel in Flammen

Die Bilder von der brennenden Pariser Kathedrale Notre-Dame haben Erinnerungen wachgerufen: Daran, dass Hamburg vor 113 Jahren eine ganz ähnliche Katastrophe erlebt hat. Hamburgs Wahrzeichen, der Michel, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Und auch damals waren Handwerker schuld.

Am 3. Juli 1906 befinden sich ungewöhnlich viele Menschen im und am Turm der berühmtesten Hamburger Kirche: Da hantiert zum Beispiel ein Uhrmacher am Räderwerk der Uhr. Gleichzeitig sind Dachdecker damit beschäftigt, das Kupferdach auszubessern. Mit einer Benzinlötlampe weichen sie dazu das alte Kupfer auf.

Carl Beurle, der sogenannte „Türmer“, überlebte das Feuer nicht.

Carl Beurle, der sogenannte „Türmer“, überlebte das Feuer nicht.

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St. Michaelis Kirchengemeinde hf

Die Dachdecker merken zunächst nicht, dass glühendes Metall auf die Dachpappe tropft und diese in Brand gerät. Der Uhrmacher nimmt als Erstes den Rauch wahr. „Hier riecht’s brenzlig“, findet er und alarmiert Carl Beurle, dessen Arbeitsplatz ein kleines Zimmer unterhalb der Turmuhr ist. Als Angestellter der Feuerwehr ist Beurle dazu da, die Stadt zu beobachten und zu melden, wenn sich irgendwo der „Rote Hahn“ niederlässt. Und nun ist es ausgerechnet sein Arbeitsplatz, der lichterloh zu brennen beginnt!

Während der Uhrmacher und die Dachdecker in Panik davonrennen, stürzt Beurle zu seinem Maschinentelegrafen und hämmert auf die Tasten: „Hier im Turm Großfeuer!“ Als er danach die Flucht ergreifen will, haben ihm die Flammen schon den Weg abgeschnitten.

Tausende Bürger schauten entsetzt zu, als erst der Turm einstürzte und dann auch noch das Kirchenschiff in sich zusammenfiel.

Tausende Bürger schauten entsetzt zu, als erst der Turm einstürzte und dann auch noch das Kirchenschiff in sich zusammenfiel.

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hfr

Als die Feuerwehr eintrifft, quillt aus dem Turm bereits dicker schwarzer Rauch. Brennendes Holz und geschmolzenes Metall stürzen herab. Der Klöppel der Turmglocke fällt krachend bis in den Turmeingang. Die Feuerwehrmänner, die dabei sind, den Brand zu bekämpfen, entkommen mit knapper Not dem Tod.

Am 3. Juli 1906 geriet der Michel in Brand. Schuld daran waren Dachdecker, die mit einer Lötlampe das Kupferdach bearbeiteten.

Am 3. Juli 1906 geriet der Michel in Brand. Schuld daran waren Dachdecker, die mit einer Lötlampe das Kupferdach bearbeiteten.

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hfr

Gegen 14.45 Uhr stürzen die Zeiger der Uhr hinunter. Um 15.07 Uhr knickt der Turm seitlich weg und fällt auf die Häuser an der Englischen Planke. Ein Heizer, der gerade in einem Keller arbeitet, wird von Trümmerteilen verschüttet und stirbt.

Funken fliegen und schon bald brennt es in der Mühlenstraße, am Schaarmarkt und am Krayenkamp. Zwölf Häuser werden zerstört. Gegen 16 Uhr stürzt auch das Kirchenschiff in sich zusammen.

Feuerwehrleute und Würdenträger in der ausgebrannten Michel-Ruine.

Feuerwehrleute und Würdenträger in der ausgebrannten Michel-Ruine.

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hfr

Sechs Jahre dauert es, bis der Wiederaufbau in der alten Form, allerdings mit einer feuerfesteren Konstruktion, abgeschlossen ist. Statt Holz werden Stahl und Beton verbaut. Zur Einweihung am 19. Oktober 1912 kommt sogar Kaiser Wilhelm II. Die Bürger sind glücklich: Der neue Michel sieht genauso schön aus wie der alte.