„Meisterstück“ von Montblanc wird 100 Jahre: Legenden ranken sich um diesen Füller

Montblanc
Blick in die Produktionshallen von Montblanc. Aufnahme aus dem Jahr 1910

Montblanc ist eine Weltmarke aus Hamburg und ähnlich wertvoll wie Dior, Cartier, Rolex oder Porsche. In diesem Jahr feiert das Unternehmen ein Jubiläum: Das legendäre „Meisterstück“, das wohl berühmteste Schreibgerät der Welt, das aussieht wie eine Zigarre und mit drei goldenen Ringen verziert ist, wird 100 Jahre alt. Ob James Bond, Yoko Ono, John F. Kennedy oder Barack Obama – sie haben nicht mit irgendeinem Stift unterschrieben, sondern mit einem „Meisterstück“, erkennbar auch an den vier eingravierten Zahlen auf der Goldfeder: 4810.

Der Füllfederhalter – heute, im Zeitalter des Computers, ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Anfang des 20. Jahrhunderts dagegen ist er ein Renner, eine Erfindung, die das Schreiben revolutioniert wie die Dampfmaschine die Produktionsprozesse.

Meisterstück
Eines der berühmtesten Schreibwerkzeuge der Welt: das Meisterstück Modell 149.

1906 erkennen der Hamburger Bankier Alfred Nehemias und der Ingenieur August Eberstein die Zeichen der Zeit und gründen in der Berliner Friedrichstraße eine Werkstatt, in der sie „Simplizissimus Füllhalter“ produzieren. Montblanc betrachtet dies als Beginn der Firmengeschichte.

So richtig los geht’s aber erst 1908, als der Hamburger Claus Johannes Voß und der Banker Max Koch in die Firma einsteigen und den Sitz nach Hamburg verlegen. „Simplo Filler Pen Co.“, so heißt das Unternehmen zunächst.

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Wie es zum Markennamen Montblanc gekommen ist, dazu gibt es mehrere Geschichten. Die wahrscheinlichste Version geht so: Während einer fröhlichen Skatrunde hat Kommerzienrat Carl Schalk den Geistesblitz. Mit einem Mal blinzelt er über seinen Nasenkneifer und fragt: „Warum nennt ihr ihn nicht einfach ,Montblanc‘? Der ist doch unten auch schwarz und oben weiß, und er ist der größte seinesgleichen! So, wie der gleichnamige Berg zwischen Italien und Frankreich.“

Meisterstück
In den Händen seiner berühmten Nutzer schrieb das Montblanc-Meisterstück Geschichte: Hier trägt sich US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) ins Goldene Buch der Stadt Köln ein.

Damit ist der Name schon mal gefunden, nun muss nur noch ein Logo her. Und auch da gibt‘s eine Geschichte: Eines Tages sitzen die drei Firmengründer am Ostseestrand und vertreiben sich die Zeit mit einem Kartenspiel. Als sie sich erheben, sehen sie, dass ihre rückwärtigen Rundungen jenen sechsflügeligen Stern im Sand hinterlassen haben. Sie interpretieren ihn spontan als ein Bergmassiv mit sechs Schluchten aus der Vogelperspektive. Der Montblanc-Stern ist erfunden!

Wagenkolonnen und Doppeldecker machen den Namen „Montblanc“ berühmt

Nach dem Ersten Weltkrieg steckt die Firma viel Geld in Werbung, um Montblanc als König der Füllfederhalter in den Köpfen zu verankern. Eine Kolonne von Autos wird mit überdimensionalen Füllern auf dem Dach auf Deutschlandtour geschickt. Spektakulär auch der Einsatz zweisitziger Doppeldecker, die den Firmenschriftzug Montblanc in den Himmel tragen.

Meisterstück
In den 20er Jahren investiert Montblanc viel Geld in Werbung: Eine Flotte von Autos mit dem Montblanc-Schriftzug ist im ganzen Land unterwegs.

1924 dann der Marketingtrick, der den Produkten von Montblanc endgültig das Image verleiht, von erstklassiger Qualität zu sein: Das „Meisterstück“ wird geboren. Auf jeden Schreiber, der diesen Schriftzug trägt, gibt das Unternehmen eine lebenslange Garantie. So etwas hat kein Konkurrent zu bieten.

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Die „Meisterstück“-Füller sehen anfangs noch völlig anders aus als heute. Beispielsweise werden die typischen Ringe auf der Kappe erst 1928 eingeführt – anfangs sind es zwei, ab 1937 drei. Seit 1930 ist auf der Goldfeder die Höhe des Montblanc-Bergmassivs eingraviert: 4810. So viele Meter sind es bis zum Gipfel.

Ohne „Meisterstück“ wäre Roger Moore in „Octopussy“ wohl im Knast verschimmelt

Roger Moore bekommt im James-Bond-Film „Octopussy“ 1983 von „Q“, dem Waffenmeister des britischen Geheimdienstes MI6, nicht irgendeinen Füllfederhalter überreicht. Es handelt sich um ein „Meisterstück“ von Montblanc, das eine ganz besondere Fähigkeit hat: Der Füller ist außer mit Tinte auch noch mit einer Mischung aus hochkonzentrierter Salpeter- und Salzsäure gefüllt. Das erweist sich als sehr nützlich, denn der Agent Ihrer Majestät kann damit Gitterstäbe auflösen und so aus seiner Zelle fliehen.

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Das „Meisterstück“ rettet Roger Moore alias James Bond: Der Agent Ihrer Majestät kann sich mit Hilfe des Stiftes aus einer misslichen Lage befreien.

Das „Meisterstück“ – es hat Geschichte geschrieben in den Händen von James Bond, Königin Elizabeth II., John F. Kennedy, Yoko Ono, Nelson Mandela und Barack Obama, um nur ein paar der zahllosen Berühmtheiten zu nennen, die einen solchen Stift verwendeten bzw. es immer noch tun. Friedensverträge, Kriegserklärungen und Milliardenaufträge wurden und werden mit einem „Meisterstück“ unterzeichnet und am 25. Dezember 1991 unterschrieb der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow auch seine Rücktrittsurkunde damit.

Nicht nur das Design der Füllfederhalter hat sich im Laufe der Jahre verändert, auch das Material: Die ersten Modelle werden noch aus Ebonit gefertigt, einem sehr harten Gummi. In der Nachkriegszeit wird dann Zelluloid verwendet. Heute besteht das Meisterstück aus spritzgegossenem Edelharz, das bis auf 280 Grad erhitzt und mit dem tausendfachen Druck eines Autoreifens in speziell angefertigte Metallformen gepresst wird.

„Robust genug, um in eine Männerhand zu passen und ihrem Griff standzuhalten“

Meisterstück
Das alte Montblanc-Haus im Schanzenviertel. Heute wird das Jugendstilgebäude von der VHS genutzt.

1952 ist ein wichtiges Jahr in der Geschichte des „Meisterstücks“, denn da präsentiert das Hamburger Unternehmen das neue Modell, das groß, fast übergroß wirkt und zum Schreibgerät von Staatsoberhäuptern, Politikern und Diplomaten avanciert: das Modell 149. „Robust genug, um in eine Männerhand zu passen und ihrem Griff standzuhalten“, so steht es damals in einem Montblanc-Katalog.

In den späten 50er Jahren gestaltet Montblanc das „Meisterstück“ zwar noch einmal um und folgt dabei der stromlinienförmigen, aerodynamischen Ästhetik, die zur Mitte des 20. Jahrhunderts eigentlich en vogue sind, doch durchsetzen kann sich das neue Modell nicht. Die Kundschaft verlangt die Rückkehr zum Original.

Meisterstück
Werbung für den Montblanc-Sicherheitsfüller: Endlich keine Tintenklekse mehr!

„Ein kulturelles Totem für erfolgreiche Geschäftsleute“, so nannt die „New York Times“ einmal das Modell 149. Dieser Füllfederhalter ist zur Ikone geworden. Und hat mitgeholfen, dass Montblanc heute neben Hermès, Dior, Cartier, Rolex und Porsche zu den großen Luxusmarken der Welt gehört.