Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs: US-Bomber über Hamburg abgeschossen

Dean B. Strain (oben links) und seine Truppe kamen bei dem Absturz mit der 42-51481 ums Leben. (Archivbild)
Dean B. Strain (oben links) und seine Truppe kamen bei dem Absturz mit der 42-51481 ums Leben. (Archivbild)

Als Captain Dean B. Strain am 17. Januar 1945 in ein Flugzeug stieg, das Harburg in Schutt und Asche legen sollte, war von Hamburg bereits nicht mehr viel übrig. Es war schon der 27. Einsatz, den der gerade einmal 24-jährige Amerikaner mit seiner B-24 „Liberator“ über deutschem Boden flog. Doch wenige Monate vor Kriegsende sollte es auch sein letzter sein. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem jungen Mann.

Die Maschine mit der Seriennummer 42-51481 startete am Morgen eines bewölkten Tages in Großbritannien in Richtung Hamburg. Das Ziel: Das Industriegebiet rund um den Harburger Bahnhof. Hier befanden sich unter anderem die Phoenix-Werke, die Reifen für die Wehrmacht herstellten, aber auch eine Ölraffinerie, die der Pilot Dean B. Strain und seine Crew an diesem Tag bombardieren sollten.

Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg über Seevetal

Sie waren mit einem sogenannten Pathfinder unterwegs, der Ziele für die anderen Bomber mit Brand- oder Leuchtbomben markieren sollte. Nach Jahren der Luftangriffe war Hamburg größtenteils zerstört und dunkel. Allein die „Operation Gomorrha“ hatte die Stadtteile Hohenfelde, Hamm, Billbrook, Borgfelde, Rothenburgsort, Hammerbrook und das östliche St. Georg zerstört und zu einem Feuersturm geführt – fast 40.000 Menschen verloren ihr Leben, darunter 7000 Kinder.

Die Briten hatten die Angriffstechnik in jahrelangen Untersuchungen perfektioniert: Sprengbomben rissen Löcher in Wände und Mauern und machten die Wege für die Brandbomben frei, die die Stadt dem Erdboden gleichmachten.

Heute ist die Absturzstelle und damit das Grab zwölf junger Menschen nur noch ein unscheinbares Feld in Niedersachsen.
Heute ist die Absturzstelle und damit das Grab zwölf junger Menschen nur noch ein unscheinbares Feld in Niedersachsen.

Doch die Maschine 42-51481 sollte an diesem Januarmorgen kein Glück haben. Der erste Treffer auf die Ölraffinerie nahe des Harburger Bahnhofes gelang, doch nach dem anschließenden Wendemanöver traf eine deutsche Flak-Granate die Maschine zwischen dem dritten und dem vierten Motor, eine Tragfläche brach ab. Ehe der 24-jährige Dean B. Strain und seine Crew sich versahen, befanden sie sich im Sturzflug.

Ein anderer Bomber machte Aufnahmen von dem Absturz. Ein deutsches Flak-Geschütz traf die Maschine zwischen dem dritten und vierten Flügel.
Ein anderer Bomber machte Aufnahmen von dem Absturz. Ein deutsches Flak-Geschütz traf die Maschine zwischen dem dritten und vierten Triebwerk.

Einer der Insassen versuchte noch, sich mit einem Fallschirm zu retten, doch es war zu spät. Metertief grub sich das Flugzeug in den weichen Marschboden Meckelfelds (Seevetal), alle zwölf jungen Militärs starben. Ein anderer Bomber machte Aufnahmen des Absturzes. „Kapitän Dean B. Strain war einer der letzten Piloten, der noch Missionen flog“, steht auf einem der Bilder vermerkt.

Das Stadtmuseum Harburg zitiert zudem einen Augenzeugen, der das Geschehen vom Boden aus beobachtete: „Es dauerte wieder nur einige Sekunden und die Maschine ging in den Sturzflug über und kam nun mit großer Geschwindigkeit direkt auf uns zu gerast. Wir bekamen einen riesengroßen Schreck, da die Maschine von Sekunde zu Sekunde immer größer wurde.“

Museumsmitarbeiter Ole Uecker zeigt einen gefundenen Sauerstofftank.
Museumsmitarbeiter Ole Uecker zeigt einen gefundenen Sauerstofftank.

Die Wehrmacht barg größere Teile des Wracks nach dem Absturz. Die Amerikaner holten ihre Toten nach Kriegsende vom Feld und begruben sie in der Heimat.

Doch die Archäologen konnten noch einige Überreste im Meckelfelder Boden finden – unter anderem Sauerstofftanks, Fluchtkartenfragmente und Fallschirmclips, die gemeinsam mit den Aufnahmen des anderen Bombers bei der Rekonstruktion des Geschehens halfen.

Die Archäologen fanden unzählige Zeugnisse des Absturzes.
Die Archäologen fanden unzählige Zeugnisse des Absturzes.

Insgesamt 40 Luftangriffe wurden auf Harburg geflogen, 7500 Bomben abgeworfen. Insgesamt 700 Menschen starben, 23.000 wurden obdachlos. Knapp vier Monate nach dem Absturz der Maschine von Dean B. Strain kapitulierte Nazi-Deutschland, der Krieg in Europa endete.

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Vor einigen Wochen stellten die Seevetaler eine Informationstafel an dem Absturzort auf, die an das Unglück erinnern soll, das die jungen Männer in den Tod riss. Heute ist hier nur noch ein grünes Feld mit vielen Bäumen.

„Das Schicksal der zwölfköpfigen Besatzung, die bei dem Flugzeugabsturz den Tod fand, steht stellvertretend für die unzähligen Gefallenen und Opfer des Zweiten Weltkrieges, die nicht vergessen werden sollen“, so die Museumsmacher.