Grausam hingerichtet: Der Altonaer Arzt, der ungekrönter König Dänemarks war
Es ist der 28. April 1772. Vor den Toren Kopenhagens, auf dem Richtplatz Øster Fælled, hat sich eine riesige Menschenmenge versammelt. 30.000 sind gekommen, um der Hinrichtung eines Mannes beizuwohnen, der einst so viel Macht besaß wie ein König, ohne je gekrönt worden zu sein. Es handelt sich um den früheren Kabinettsminister Johann Friedrich Struensee. Er hat seine letzte Nacht in Ketten verbracht. Jetzt schreitet er durch ein Spalier schweigender Soldaten. Als er den Richtplatz betritt, weicht das Murmeln der Menge gespenstischer Stille. Struensee bleibt aufrecht bis zuletzt. Dann wird sein Oberkörper auf den Richtblock gezwungen. Die Zuschauer sehen, wie ihm zunächst die rechte Hand abgeschlagen wird – das Werkzeug seiner „Verbrechen“. Struensee bäumt sich auf, wird abermals mit Gewalt nach unten gedrückt, dann fällt unter dem Raunen der Menge erneut das Beil – und wieder und wieder. Erst beim dritten Versuch gelingt es Scharfrichter Gottschalk Mühlhausen, den Kopf vom Rumpf zu trennen. „Dänemark hat eine Szene aufgeführt, dass man nur schaudern kann“, schreibt danach der französische Philosoph Voltaire angewidert.
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