Als Helmut Kohl Wahlkampf in Hamburg machte: Eier flogen, es gab Krawall
Die Beliebtheit von CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz in Hamburg hält sich in Grenzen. Zehntausende demonstrierten mehrfach in den vergangenen Wochen gegen seine Politik. Vor 47 Jahren gab es hier schon einmal Proteste gegen einen konservativen Kanzlerkandidaten. Sein Name: Helmut Kohl. Und auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz ging es hoch her …
Im Mai 1978 befand sich in der Hansestadt der Bürgerschafts-Wahlkampf auf seinem Höhepunkt. Für die CDU trat der Auschwitz-Überlebende Erik Blumenfeld (1915-1997) an.
Und am 30. Mai 1978 bekam der Hamburger Unternehmer gewichtige Unterstützung: Der 48-jährige Helmut Kohl, damals CDU-Oppositionsführer im Bundestag, sprach auf einer CDU-Kundgebung auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz.
Helmut Kohl in Hamburg von seinen Anhängern gefeiert
Der damals noch vergleichsweise schlanke Pfälzer hatte 1976 die Kanzlerschaft knapp verfehlt, erst nach der Bundestagswahl 1982 wurde er als Nachfolger von Helmut Schmidt (SPD) Regierungschef in Bonn.
Nun stand Kohl also auf der Rednertribüne und wurde von fast 2000 jubelnden Anhängern gefeiert. Huldvoll winkte der CDU-Politiker in die Menge, neben ihm befand sich ein Plakat mit dem CDU-Wahlslogan: „Den Linken jetzt die Rote Karte zeigen …“
Kohl war bei seinem Auftritt umringt von Polizisten in Zivil. Einige trugen Schutzschilde, um Wurfgeschosse abzuwehren. Politik war für mich jungen Polizeireporter eigentlich kein Thema, aber solche Wahlkampf-Auftritte endeten eben oft mit Krawall und Polizeieinsatz, und so postierte ich mich mit meinen Pentax-Kameras gleich neben der Rednertribüne.
Radikale Kommunisten störten die Kohl-Kundgebung
Es sollte nicht vergebens sein. Gegendemonstranten der radikalen Linken störten die Wahlkundgebung. Sie standen an der Mönckebergstraße und entrollten rote Spruchbänder mit Parolen wie: „Nieder mit Imperialismus und Reaktion. Es lebe die proletarische Weltrevolution.“
Willkommen in der kruden Welt des „Kommunistischen Bundes Westdeutschland” (KBW). Die 1973 gegründete sogenannte „K-Gruppe“ vertrat eine maoistische Weltanschauung, war straff organisiert, extrem radikal und oft auch gewalttätig.
So auch an diesem Dienstag. Eier flogen, und Kohls Rede wurde immer wieder durch Sprechchöre der Kommunisten übertönt. Kohl konterte routiniert und nannte die Gegendemonstranten „kommunistische Rattenfänger“.
Die Polizei machte sich bereit, die wohl rund 150 KBWler einzukreisen und abzudrängen. Vorher holten Zivilfahnder einzelne „Störer“ aus der Menschenmenge und zerrten die Protestler zum Gefangenentransportwagen, genannt „Grüne Minna“.
Polizisten setzten Gummiknüppel ein
Unter Einsatz von Gummiknüppeln wurden die Kommunisten schließlich Richtung Karstadt getrieben, und Helmut Kohl konnte seine Rede beenden.
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Doch seine Unterstützung brachte dem Hamburger CDU-Kandidaten nicht genug Wählerstimmen. Mit 51,5 Prozent holte die SPD am 4. Juni 1978 die absolute Mehrheit in der Hamburgischen Bürgerschaft, und der beliebte Hans-Ulrich Klose (1937-2023) blieb Erster Bürgermeister.
Erik Blumenfeld erreichte damals immerhin 37,6 Prozent. Ein Ergebnis, das für die heutige Hamburger CDU ziemlich sensationell wäre.