Afghanen prügeln sich an der Mensa: Polizist holt bei Krawall Maschinenpistole raus
Krawall mit Ansage – das gab es für mich am 30. Juni 1979 auf dem Uni-Campus Schlüterstraße. Dort gingen verfeindete afghanische Gruppen brutal aufeinander los. Die Polizei war völlig überrascht, in Panik zog ein Beamter seine Maschinenpistole. Ich ging in Deckung.
Um die gewalttätigen Auseinandersetzungen zu verstehen, muss man sich zunächst die komplizierte Situation in Afghanistan in den 1970er Jahren vergegenwärtigen. 1973 wurde Zahir Shah, der letzte König, gestürzt. 1975 regierte Daoud Khan und 1978 putschten Armeeoffiziere und ließen den Regierungschef samt Familie ermorden. Eine kommunistische Regierung übernahm die Macht in Afghanistan und rief die Demokratische Republik Afghanistan aus. Das Regime versuchte mit brutalen Mitteln eine revolutionäre Umgestaltung vor allem in der Landwirtschaft, was 1979 zu Aufständen gegen die Kommunisten führte.
Uni-Schlägerei um die Zukunft Afghanistans
Hamburg hatte unter anderem durch den Teppichhandel in der Speicherstadt eine große afghanische Gemeinde und die Unruhe war natürlich groß. In dieser angespannten Situation kündigten nun deutsche Kommunisten und afghanische Kommunisten eine Veranstaltung in der Uni-Mensa an, und die MOPO bekam einen Anruf: „Schickt einen Reporter hin, das wird heute richtig abgehen.“
Der Hinweis klang glaubwürdig und neugierig fuhr ich mit meinem 40 PS starken VW Polo hin. Die Veranstaltung lief schon, auf der Straße war es ruhig. Ich setzte mich auf eine Mauer vor einem Vorgarten und wartete. So konnte ich beobachten, wie sich immer mehr Afghanen vor der Mensa versammelten und dann brach die Hölle los. Die Gegner des kommunistischen Regimes versuchten, die Mensa zu stürmen. Mit Knüppeln, Holzlatten und Steinen griffen sie die Ordner am Eingang an. Die Türscheiben zersplitterten. Verzweifelt wehrten sich die Ordner mit Feuerlöschern. Sie wollten um jeden Preis verhindern, dass die aggressiven Regimegegner die Veranstaltung sprengten.
Ich fotografierte eifrig und wunderte mich, dass keine Polizei vor Ort war. Wie sich später herausstellte, hatte auch der Staatsschutz der Polizei den Hinweis auf mögliche Ausschreitungen erhalten, ihn aber nicht ernst genommen.
Jungpolizisten gegen Jungrevolutionäre – dann wurde die MP gezogen
Natürlich riefen Anwohner den Notruf 110, ein einsamer Streifenwagen mit zwei ziemlich jungen und unerfahrenen Polizisten erschien. Die Schlägerei ging unvermindert weiter, Pulvernebel aus Feuerlöschern hüllte die Schlüterstraße ein. Statt sich nun zurückzuziehen und auf Verstärkung zu warten, stürzten sich die beiden Beamten ins Getümmel. Einer hatte seine Maschinenpistole gezogen und entsichert. Jetzt wurde mir mulmig und ich trat ein paar Schritte zurück. Was wäre passiert, wenn die beiden jungen Polizisten von den Randalierern angegriffen worden wären?
Das könnte Sie auch interessieren: Amok-Fahrt im Panzer durch die City – weil ein Soldat heim zu Mama wollte
Glücklicherweise ging ein besonnener Passant auf die Beamten zu und forderte sie auf, sich zurückzuziehen. Wenig später trafen weitere Streifenwagen ein und die Polizei bekam die Situation unter Kontrolle. Ein halbes Jahr später marschierten sowjetische Truppen in Afghanistan ein und errichteten ein moskautreues Regime.