Hilferuf des Präsidenten: Die Uni hat kein Geld mehr!

Die Uni Hamburg (Archivbild).
Die Uni Hamburg (Archivbild).

Die Kassen sind leer, Forschung und Lehre in Gefahr: Hamburgs Uni-Präsident hat einen Hilferuf an Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) gerichtet. Ohne Unterstützung drohten schon im kommenden Jahr „irreversible Strukturschäden“.

Der Brief an die Senatorin, der der MOPO vorliegt, ist fünf Seiten lang. Darin schildern Prof. Hauke Heekeren und Dr. Martin Hecht als Kanzler und Mitunterzeichner die Zustände an der mit rund 44.000 Studenten größten Wissenschaftseinrichtung der Hansestadt.

Geschlossene Bibliotheken, immer weniger Promotionen, zu wenige Betreuer für zu viele Studenten

So habe die Universität in den vergangenen Jahren alles getan, um Geld zu sparen, und dabei sämtliche Rücklagen aufgebraucht. Nun sei nichts mehr da, um die durch gestiegene Gehälter, Energiekosten, Digitalisierungs- und Informationssicherheitsbedarfe sowie einen Kaufkraftverlust durch Inflation entstandene Notlage zu kompensieren. Wenn nichts geschehe, drohe eine Schwächung des Wissenschaftsstandorts Hamburg.

Hauke Heekeren
Uni-Präsident Prof. Dr. Hauke Heekeren

Die schlimmsten Baustellen aus Sicht der Verfasser:

  • In den Lehramtsstudiengängen und anderen beliebten Fächern gebe es bereits Einschränkungen im Lehrangebot. Besonders betroffen sei dabei auch die Lehrkräfteausbildung in sensiblen Bereichen wie der Sonderpädagogik oder Psychotherapeutenausbildung. Schon ab dem Sommersemester 2026 könnten die vereinbarten Studienplätze „nicht mehr in der vorgesehenen Qualität gewährleistet werden“.
  • Die Qualität der Lehre würde insgesamt immer mehr in Mitleidenschaft gezogen, weil die immer größer werdende Gruppe von Studierenden immer weniger gut betreut werden könnte. So hätten die jungen Leute immer mehr Schwierigkeiten, Betreuungspersonen für ihre Abschlussarbeiten zu finden. In Laborfächern seien die Übungsgruppen teilweise schon doppelt so groß wie eigentlich vorgesehen.
  • Auch die Bibliotheken seien betroffen: Einige müssten zwischenzeitlich schließen oder ihre Öffnungszeiten reduzieren. Publikationen und Datenbanken wurden abbestellt, E-Medien-Lizenzen eingespart.
  • Es gibt immer weniger wissenschaftliche Qualifikationsstellen und Promotionen.
  • Mangels Personal komme es zu Verzögerungen bei Förderanträgen. Folge: Die Drittmittelakquise leidet und damit auch der Wettbewerb um wissenschaftliche Talente.
  • Wegen der Einsparungen auch beim Verwaltungspersonal müssten diese Aufgaben zunehmend von den Wissenschaftlern selbst übernommen werden, denen dann die Zeit für Forschung und Lehre fehlt.
  • Weil das Geld fehle, könnten Wissenschaftler oft nicht zu Konferenzen reisen, was den Austausch reduziere.
  • Baumaßnahmen z.B. für Labore und Hochschulambulanzen lägen brach.
  • Zahlreiche internationale Programme lägen auf Eis.
  • Die unsicheren Arbeitsbedingungen führen dazu, dass hochqualifizierte Mitarbeiter abgeworben werden bzw. um ihre Jobs fürchten.
  • Es hätten sich viele Überstunden angesammelt, der Krankenstand sei hoch, Überlastungsanzeigen nähmen zu.
  • Der Beratungsbedarf von Studierenden könne kaum noch bedient werden, insbesondere die psychologische Unterstützung könne nicht mehr angemessen erfolgen.

Uni-Präsident bittet Senat um finanzielle Unterstützung

Heekeren und Hecht weisen darauf hin, dass es nicht so weit hätte kommen müssen: „Die Universität hat die Wissenschaftspolitik frühzeitig und transparent auf diese Entwicklungen hingewiesen und diese Risiken in den Gremien sowie im Hochschulrat eingehend beraten“, heißt es in dem Schreiben.

Zwar habe es Gespräche gegeben und man sei sich auch der „erheblichen finanziellen Herausforderungen“ bewusst, vor denen die Stadt Hamburg stehe. Allerdings: „Wissenschaft und Hochschulen sind keine Kostenstellen, sondern Zukunftsinvestitionen.“ Wenn Hamburg als Wissenschaftsmetropole weiterhin national und international sichtbar und handlungsfähig bleiben wolle, dann brauche es eine „tragfähige Grundfinanzierung“, mahnen die Autoren. Und: „Wir benötigen umgehend eine politische Richtungsentscheidung, um irreversible Strukturschäden abzuwehren.“

Die Wissenschaftsbehörde weist die in dem Schreiben implizit erhobenen Vorwürfe zurück. „Wie bei allen Hamburger Hochschulen wurde auch für die Universität Hamburg das Globalbudget angehoben“, heißt es in einer Stellungnahme. Dieses Geld sei dazu da, Personal- und Energiekosten aufzufangen. Und: „Im Rahmen der Hochschulautonomie verwaltet die Universität Hamburg dieses wachsende Budget selbst.“ Mit anderen Worten: Wie die Uni ihr Budget verwalte, liege in deren eigenem Ermessen.

Darüber hinaus zeigte sich die Behörde überrascht über den „formellen Brief“. Man stehe eigentlich in einem „kontinuierlichen und vertrauensvollen“ Austausch miteinander. Eine solche Kommunikation sei daher unüblich. Als Reaktion auf den Brief habe es bereits ein erneutes persönliches Gespräch gegeben, in dem man „erfreulicherweise an den bis dahin produktiven Dialog“ anknüpfen habe können.

CDU-Fraktion fordert Bürgermeister auf, die Finanzen der Uni zur „Chefsache“ zu machen

Die CDU wertet den Brief von Heekeren und Hecht als „Brandbrief“. „Bürgermeister Tschentscher hält in Sonntagsreden gerne große Vorträge über Hamburg als Wissenschaftsmetropole und die Bedeutung von Forschung und Lehre für unsere Stadt“, so Dennis Thering. „Gleichzeitig lässt der Senat die Hochschulen finanziell ausbluten, das ist blanker Widerspruch.“

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Thering und seine Fraktionskollegin Anna von Treuenfels-Frowein fordern den Bürgermeister dazu auf, die Lage der Uni zur „Chefsache zu machen und die Universität finanziell abzusichern, damit Hamburg als Wissenschaftsmetropole keinen Schaden nimmt“. (ng)