„Heute keine Sprechstunde“: Hamburger Medizin-Imperium zerfällt

Sekander Scherzai, Miamedes-Geschäftsführer
Sekander Scherzai ist Geschäftsführer von Miamedes.

Der Skandal um das in Zahlungsschwierigkeiten geratene Hamburger Gesundheitsunternehmen Miamedes mit seinen Tochterfirmen Hämatologisch-Onkologische Allianz Stormarn (HOA) und Geriatrikum weitet sich aus. Die Arztpraxen in Barmbek und Jenfeld waren diese Woche dicht und der Geschäftsführer macht sich bei der Behörde nicht gerade beliebt.

Die Miamedes-Praxis für Allgemeinmedizin und Neurologie in Barmbek liegt im 7. Stock eines Hochhauses an der Fuhlsbüttler Straße. Doch dort, wo normalerweise die Patienten Schlange stehen, herrscht gähnende Leere.

Miamedes-Praxis verwaist – auf unbestimmte Zeit

Der Empfangstresen – verwaist. Das Wartezimmer – leer. Das Licht – aus. An der Eingangstür zur Praxis hängen Zettel: „!!!! Achtung !!!! Leider findet bis auf Weiteres keine hausärztliche Sprechstunde statt.“ Auf einem weiteren Schild ist zu lesen: „!!Achtung!! Liebe Patientinnen, liebe Patienten, leider ist die hausärztliche und neurologische Sprechstunde auf unbestimmte Zeit geschlossen.“

„Das ist schon länger so“, sagt eine Mitarbeiterin einer anderen Praxis zur MOPO.

Ein Schild im Treppenhaus vor der Miamedes-Praxis Barmbek
„Keine Sprechstunde bis auf Weiteres“: Ein Schild im Treppenhaus vor der Miamedes-Praxis Barmbek.

Ähnlich ist die Situation in der Miamedes Hausarztpraxis Jenfeld. Auch hier sind die Türen geschlossen. Die Patienten rütteln verzweifelt an der Klinke. „Was soll ich denn jetzt machen?“, sagt eine Frau. Thomas Mientki, der gekommen war, um lebenswichtige Rezepte für seine alten Eltern abzuholen, ärgert sich. „Ich bin genauso irritiert wie die meisten hier“, sagt der 52-Jährige. Seine Eltern könnten sich nur noch mit dem Rollator fortbewegen.

Miamedes: Gläubiger warten seit Monaten auf ihr Geld

Ein Schild an der Praxistür verweist die Besucher an die Praxen in Steilshoop und Horn. Auch eine Begründung wird genannt: „Aufgrund eines größeren Systemausfalls der Computer bleibt unsere Praxis diese Woche geschlossen. Leider können wir nicht sagen, wann unsere Computersysteme wieder voll einsatzfähig sind.“

Erst in der vergangenen Woche hatte die MOPO von den Zahlungsrückständen von Miamedes berichtet. Nicht nur eine große Zahl der Mitarbeiter, auch Vermieter und Dienstleister warten seit Monaten auf ihr Geld und drohen mit der Kündigung von Verträgen und Räumlichkeiten. Ein Software-Unternehmer berichtete von Rückständen im fünfstelligen Bereich.

Ein Patient steht vor der verschlossenen Tür der Miamedes-Hausarztpraxis in Jenfeld.
Ein Patient steht vor der verschlossenen Tür der Miamedes-Hausarztpraxis in Jenfeld.

Geschäftsführer Sekander Scherzai versicherte gegenüber der MOPO immer wieder, die Gesundheitsversorgung sei davon nicht betroffen. Doch nach MOPO-Informationen ist auch die Krebs-Praxis Ahrensburg der HOA von den Problemen betroffen. In einer Stellungnahme dazu ließ Scherzai über seinen Anwalt mitteilen: „Vor dem Hintergrund, dass eine personelle Zusammenlegung mehrerer Praxisstandorte mit dem steten Ziel der weiteren Verbesserung der Patientenversorgung kurzfristig nicht möglich ist, sind derzeit keine Veränderung des Praxisbetriebs, der Tätigkeit von Frau Dr. W. oder eine Schließung der Standorte beabsichtigt.“ Die Onkologin Dr. Anne W. ist Inhaberin des Kassensitzes für Ahrensburg.

Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung will sich mit Verweis auf den Datenschutz nicht äußern.

Miamedes-Geschäftsführer ließ Behörden-Termin platzen

Miamedes-Geschäftsführer Sekander Scherzai steht nach dem MOPO-Artikel unter großem Druck. Der 35-Jährige sollte am Mittwoch an einem von der Gesundheitsbehörde anberaumten Termin in Steilshoop teilnehmen. Dort sollte es um die Situation der Versorgung in dem sozial schwachen Stadtteil gehen. Wie die MOPO erfuhr, hat Scherzai nicht an dem Termin teilgenommen. Er sagte kurzfristig ab.

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Christin Christ (CDU): „Wenn sich konkrete Hinweise auf eine drohende gesundheitliche Versorgungslücke in Stadtteilen wie Billstedt, Jenfeld oder Barmbek verdichten, muss der Senat umgehend handeln.“