Herrscher über Supermarkt-Imperium: „Gastarbeiter“ verrät Geheimnis seines Erfolgs

Mann mit buntem Schal lehnt an einer Wursttheke
Vincenzo Andronaco: Der gebürtige Sizilianer baute von Hamburg aus ein Supermarkt-Imperium auf.

Vor 70 Jahren, am 20. Dezember 1955, unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland ihr erstes Anwerbeabkommen – mit Italien. Es folgten ähnliche Verträge mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal und Jugoslawien. Millionen Menschen kamen, um zu arbeiten, viele blieben. Vincenzo Andronaco (74) ist einer von ihnen – und mit seiner Kette von italienischen Lebensmittelmärkten einer der erfolgreichsten.

Was ist aus den ehemaligen sogenannten „Gastarbeitern“ geworden? Fünf von ihnen bzw. deren Nachkommen erzählen in der MOPO aus ihrem Leben. Geschichten, die von Trennung und Aufbruch handeln, von Diskriminierung und Aufstieg, von verlorener Kindheit und neu gefundener Heimat.

Ehemaliger „Gastarbeiter“: „Aufgeben kam nicht infrage“

Geboren wurde Vincenzo Andronaco auf Sizilien. Schon als Junge hatte er „Flausen“ im Kopf, träumte davon, etwas aus sich zu machen, in die Welt hinauszugehen. „Auf jeden Fall wollte ich nicht mein Leben lang auf den Feldern meiner Eltern Zitronen und Mandarinen pflücken.“

1970 – er war gerade 18 Jahre alt – schlich er sich nachts von zu Hause weg, stieg in den Zug und erhielt Unterschlupf bei einem Freund, der aus seinem Dorf stammte und in Pinneberg lebte. „Es war Winter, überall lag Schnee, es war minus 20 Grad – und ich hatte nur Mokassins und eine dünne Jacke“, erinnert sich Andronaco.

In Deutschland Fuß zu fassen, sei ihm anfangs nicht leichtgefallen. „Ich konnte kein Wort Deutsch, hatte kein Geld, und das Wetter war unerträglich. Aber aufgeben kam nicht infrage. Ich nahm mir vor, in mein Dorf erst dann zurückzukehren, wenn ich ein gemachter Mann bin.“

Das Geheimnis seines Erfolgs? „Dass ich mich immer versucht habe, mich anzupassen, mich zu integrieren“, sagt Andronaco. Auf diese Weise erwarb er sich den Respekt seiner Kollegen in der Baufirma, für die er als Eisenbieger arbeitete. „Am Ende war ich Vorarbeiter, hatte eine Kolonne von 12, 13 Mann unter mir und habe gar nicht so schlecht verdient.“ Sogar beim Bau des Elbtunnels und der Köhlbrandbrücke war er beteiligt.

Kein Eigenkapital – und den Kredit trotzdem bekommen

Dann hörte Andronaco eines Tages davon, dass am Ausgang des U- und S-Bahnhofs Barmbek ein Platz für einen Gemüsestand vakant war. Vier Quadratmeter, 150 Mark Miete. Andronaco übernahm die Fläche, machte sich selbstständig – und damit begann eine verblüffende Erfolgsgeschichte.

Nach vier Jahren wechselte er in den Hamburger Großmarkt, hatte dort zunächst nur einen Stand, bald einen ganzen Gang: den „Gang Andronaco“, wie alle sagten. In großem Stil importierte er italienisches Gemüse – und rühmt sich heute, der Erste gewesen zu sein, der Mangold, Auberginen & Co. in Norddeutschland einführte.

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Im Jahr 2000 heckte Andronaco den Plan aus, eine alte Spedition im Industriegebiet Billbrook in einen Supermarkt für italienische Produkte umzubauen. Die Haspa fragte: „Wie viel Eigenkapital haben Sie?“ „Ich habe ihnen meine leeren Hände entgegengestreckt“, erzählt Andronaco lachend. „Aber ich habe den Kredit trotzdem bekommen.“ Das Risiko hat sich ausgezahlt. Heute, ein Vierteljahrhundert später, gehören zum Andronaco-Imperium neun Märkte – von Köln bis Eckernförde. Eine fast filmreife Erfolgsgeschichte.