Heizkosten-Schock: Ein Mieter soll 231.000 Euro nachzahlen!
Die Mieter einer Neubausiedlung in Pinneberg sind absurd hohe Heizkostenabrechnungen inzwischen gewohnt: Schon vor einem Jahr berichtete die MOPO über Zahlungsaufforderungen in Höhe von 7000 oder gar 12.000 Euro. Doch jetzt fischte einer der Anwohner einen neuen „Rekord“ aus dem Briefkasten: Über 231.000 Euro soll er für Fernwärme nachzahlen. Wie erklärt der Energieversorger diese horrende Summe? Gleichzeitig steht bald ein wichtiger Termin vor Gericht bevor.
„Ich konnte das einfach nicht glauben, als ich die Zahlen schwarz auf weiß gesehen habe“, erinnert sich Mieter Thilo Kelm (32) an den Moment, als er Anfang August die Rechnung seines Energieversorgers Getec öffnete. „Und dann haben wir nur noch darüber gelacht.“
Mieter bekam Rechnung für Fernwärme in absurder Höhe
Für das Jahr 2023 soll er bis Anfang September insgesamt 231.154,65 Euro an Fernwärme-Kosten für seine 68 Quadratmeter große Wohnung überweisen. „Ihre neue monatliche Abschlagszahlung beträgt 19.360 Euro“, heißt es weiterhin in dem Brief. Ernst konnte Kelm das alles allerdings nicht nehmen. „Man kennt den Laden ja inzwischen schon und weiß, dass das alles nicht für voll zu nehmen ist“, sagt er.
Schon mehrmals berichtete die MOPO im vergangenen Jahr über die absurd hoch erscheinenden Heizkosten der Mieter am Nienkamp/Grotenkamp – damals noch über die Zahlungsaufforderungen für das Jahr 2022. Diese lagen zwischen 1800 und 7000 Euro, in einem extremen Fall waren es sogar 12.000 Euro für eine 130-Quadratmeter-Wohnung. Auch bei Kelm betrug die Summe für die Jahre 2021 und 2022 zusammengerechnet mehr als 2500 Euro. Er legte, wie viele seiner Nachbarn auch, Einspruch ein.
Laut Getec ergaben sich die Heizkostenrechnungen für 2022 aus den sehr hohen Energiekosten in diesem Jahr. Aufgrund sogenannter Preisänderungsklauseln in den Lieferverträgen können Versorger die Preiserhöhungen des Marktes direkt an die Mieter weitergeben.
So erklärt Getec die hohe Fernwärme-Abrechnung
In diesem speziellen Fall von über 231.000 Euro liegt allerdings eindeutig ein Fehler vor, heißt es jetzt auf MOPO-Nachfrage. Bei der Erstellung der Abrechnungen für die gesamte Liegenschaft ist diese einzelne Abrechnung bedauerlicherweise nicht sofort aufgefallen, sagt eine Sprecherin. „Die falsche, viel zu hohe Zahl verursacht natürlich einen großen Schreck. Dafür bitten wir vielmals um Entschuldigung. Als Wiedergutmachung haben wir eine kleine Aufmerksamkeit in Form eines Präsentkorbes versendet.“ Man wolle die richtige Abrechnung so schnell wie möglich erstellen.
Bleibt allerdings die ungelöste Frage, was mit den Zahlungen für das Jahr 2022 passiert. Die Soka-Bau, die die Neubausiedlung in Pinneberg verwaltet, hatte bereits eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, die Getec-Abrechnungen überprüfen zu lassen. Laut Sprecher Torge Middendorf kam diese zu dem Ergebnis, dass nicht nur die Preisänderungsklausel unwirksam sei, sondern auch die Jahresabrechnungen nicht den gesetzlichen Anforderungen genügten. Die Getec bezeichnete dieses Gutachten wiederum als „unzureichende rechtliche Bewertung“. Die Preisänderungsklausel erfülle sehr wohl sämtliche gesetzliche Anforderungen.
Das wollte die Soka-Bau nicht auf sich sitzen lassen und reichte schließlich im August 2024 Klage ein. Bis heute konnte der Streit zwischen den Parteien nicht gelöst werden – deshalb sehen sie sich bald vor Gericht wieder: Das Landgericht Hamburg hat den Termin für den 15. Oktober angesetzt.