Hauskauf in Hamburg unbezahlbar? Zahlen beweisen: Boomer hatten es deutlich leichter
Was die Eltern in sieben Jahren schafften, dauert heute 14 Jahre – und in Hamburg sogar noch länger. Eine neue Studie zeigt: Millennials brauchen für einen Immobilienkauf deutlich mehr Eigenkapital als frühere Generationen. Der Traum vom Eigenheim wird für viele unerreichbar.
Wer von einem Eigenheim träumt, hat es bei den hohen Immobilienpreisen schwer. Schnell werfen Millennials neidvolle Blicke auf die Boomer-Generation: Hatten es die Eltern leichter? Während die entnervt sagen, Jüngere müssten eben strikter sparen, haben Forscher für den German Real Estate Index (GREIX) genau diese Frage untersucht. Ihr Ergebnis: Millennials haben es heute tatsächlich schwerer als frühere Generationen – und zwar deutlich. In Hamburg ist die Lage besonders deprimierend für alle, die nach Wohneigentum streben.
Eigenheim: Daran scheitern junge Käufer
Wer sich eine Immobilie leisten will, muss zwei Dinge stemmen: den Anteil des Haushaltseinkommens, der für Zins- und Tilgungszahlungen draufgeht, und das nötige Eigenkapital für den Teil des Kaufpreises, der nicht durch einen Kredit finanziert wird. Da kaum eine Bank den vollen Preis vorstreckt und auch Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer oder Notargebühren aus Ersparnissen bezahlt werden, liegt genau hier das größte Problem für junge Käufer. Das ist ein Ergebnis der Studie, eines Gemeinschaftsprojekts der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, Econtribute und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Demnach mussten Babyboomer der Jahrgänge 1955 bis 1964 in den 1980er-Jahren im Bundesschnitt für den Kauf einer Eigentumswohnung etwa das 1,7-Fache ihres Jahreseinkommens als Eigenkapital aufbringen, für ein Einfamilienhaus rund das 3,6-Fache. Bei Millennials (Jahrgänge 1980 bis 1995) ist es deutlich mehr: Sie brauchen heute mehr als drei Jahreseinkommen für eine Wohnung und mehr als fünf für ein Haus.
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Geht man wie die Forscher von einer Sparrate von rund 20 Prozent des Einkommens aus, heißt das: Boomer sparten für das Eigenkapital für eine Eigentumswohnung in den 1980er Jahren rund sieben Jahre. Millennials müssen heute sogar 14 Jahre sparen – doppelt so lange.
Hamburg: So lange müssen Hamburger sparen
Die MOPO fragt nach, wie es in Hamburg aussieht. Unsere Stadt ist bekanntlich ein teures Pflaster und ja, auch hier liegt die Hansestadt über dem Bundesschnitt. Das nötige Eigenkapital ist hier noch stärker gestiegen. Für Eigentumswohnungen müssen Hamburger mehr als das 4,2-Fache ihres Jahreseinkommens als Eigenkapital aufbringen, erklärt Studienleiter Jonas Zdrzalek der MOPO. Damit liegt Hamburg an der Spitze – vor Frankfurt am Main und München.
Auch bei Einfamilienhäusern gehört Hamburg zur Spitzengruppe: Mit dem 6,5-Fachen des Jahreseinkommens liegt die Hansestadt auf Platz vier. Am teuersten ist es in Potsdam, wo Käufer fast das 8,4-Fache ihres Jahreseinkommens benötigen.
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Zdrzalek rechnet der MOPO vor: Für eine Eigentumswohnung müssen Hamburger bei einer Sparquote von 20 Prozent rund 17,4 Jahre sparen – deutlich länger als im Bundesschnitt. Auch Boomer hatten es hier schwerer, lagen mit 7,7 Jahren aber nur leicht über dem Bundesschnitt von sieben Jahren.
Immobilienkauf: Hier liegt die Gefahr in diesem Trend
Bei der laufenden Belastung durch Hypotheken ist das anders. Hamburger Haushalte liegen bei der Finanzierung von Eigentumswohnungen aktuell zwar etwas darüber, aber noch nahe am Bundesdurchschnitt. Auch zwischen den Generationen gibt es kaum Unterschiede: Babyboomer wendeten beim Kauf zwischen 1980 und 1990 rund 20 Prozent ihres Einkommens für Wohnungen und etwa 46 Prozent für Häuser auf. Bei Millennials lagen die Werte zwischen 2015 und 2024 bei rund 25 beziehungsweise 42 Prozent. Niedrige Zinsen federten den Preisanstieg also weitgehend ab, so die Forscher.
Ob sich der Eigenheim-Traum erfüllt, liegt damit nicht an der monatlichen Rate, sondern am Einstieg. „Ob ein Haushalt heute den Sprung ins Eigentum schafft, hängt zunehmend davon ab, ob familiäre Unterstützung verfügbar ist”, sagt Zdrzalek. Das sei ein Risiko für soziale Mobilität und Generationengerechtigkeit. „Statt die Zinslasten zu senken, müssen wir die Einstiegshürden angehen. Eine deutlich geringere Grunderwerbsteuer würde jungen und vermögensschwachen Haushalten spürbar helfen.“