Hatschi! Darum sind in Hamburg gerade so viele Menschen krank
Ob in der Bahn, auf der Arbeit oder im Supermarkt – überall hustet und schnäuzt es in Hamburg. „Im Moment haben wir richtig viel zu tun“, sagt Hausarzt Kai-Uwe Helmers. Die MOPO hat mit ihm darüber gesprochen, welche Infekte derzeit umgehen, ob im Winter alles noch schlimmer wird und wie man einer Ansteckung vorbeugen kann.
Die Infektionswelle beginnt früh dieses Jahr: „Sonst häuften sich die Infektionen meist erst im November und Dezember“, sagt Helmers. Eben habe er einen Abstrich genommen, bei dem ein Patient drei Infekte gleichzeitig hatte. Ein „bunter Misch von allem” ist aktuell laut des Allgemeinmediziners mit Praxis in Altona unterwegs.
Schuld daran ist nach seiner Einschätzung auch Corona. Nach einer Covid-Infektion würden oft weitere Erkrankungen folgen, weil das Immunsystem stark geschwächt wird. „Familien mit Kindern, gerade Grundschulkindern, sind besonders gefährdet“, sagt Helmers.
Hamburg: Diese Infektionskrankheiten gehen jetzt um
Neben Corona, Grippe und kleineren Schnüpfchen gehen zwei weitere Infektionskrankheiten um: Die sogenannten Mykoplasmen verbreiten sich in diesem Jahr stärker. Das sind besonders kleine Bakterien, die Rachenentzündungen, Bronchitis oder Lungenentzündungen auslösen können. Das kennt auch Helmers aus seiner Praxis.
Zusätzlich hat der Arzt Patienten, die berichteten, dass gerade Keuchhusten umgehe. Die Erkrankung ist meldepflichtig, sehr ansteckend und erfährt in diesem Jahr einen extremen Anstieg. 343 Fälle wurden laut des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt in diesem Jahr in der Stadt registriert. Zum Vergleich: 2023 waren es im gesamten Jahr 71 Fälle.
Gegen Keuchhusten, fachlich „Pertussis“ genannt, gibt es zwar eine Impfung, doch die fehlt offenbar bei vielen. Helmers vermutet, dass die Impfsekpsis seit der Corona-Pandemie größer geworden ist.
Corona, Grippe und Husten: Was kommt noch auf uns zu?
Beim Thema Impfen weist der Mediziner auf die Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Corona- und Grippeimpfung hin: Eine Auffrischung wird empfohlen für Menschen über 60 Jahren mit relevanten Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeheimen sowie deren Angehörige und medizinisches Personal.
Was hilft sonst noch zur Stärkung des Immunsystems? „Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, frische Luft und Bewegung“ sagt Helmers. In letzter Zeit sieht man in Bussen und Bahnen auch wieder häufiger Menschen mit Masken. Hilft das, Infektionskrankheiten einzudämmen? „Wo es sozial angemessen erscheint, kann man auch noch Maske tragen“, sagt Helmers. Insbesondere diejenigen, die bereits eine Erkrankung haben, würden damit helfen, ihre Umwelt zu schützen.
Das könnte Sie auch interessieren: Das passiert bei einer Panikattacke wirklich im Körper – jeder Dritte betroffen
Um herauszufinden, was im Winter noch auf uns zukommen kann, schauen Infektiologen auf die andere Seite des Erdballs: nach Australien. Hier ist die kalte Jahreszeit schon vorüber. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass die Anzahl der Grippefälle im Vergleich zum Vorjahr in Australien deutlich stieg.
Für die kommenden Wochen rechnet Helmers auch in Hamburg mit einer weiteren Zunahme des Infektionsgeschehens. Denn die Hauptsaison fängt gerade erst an.