Handyverbot an Schulen: Online-Petition knackt wichtige Marke
Das Christianeum geht voran: An dem Gymnasium in Othmarschen gilt seit diesem Schuljahr ein Handyverbot – und der Schulleiter spricht von einer „völlig veränderten Atmosphäre“. Seitdem wird das Thema auch an vielen anderen Schulen diskutiert. Eine Hamburger Initiative hat nun eine Online-Petition gestartet, um das Verbot deutschlandweit an Schulen durchzusetzen.
Es ist ein Thema, das brennt. Zahlreiche Eltern wünschen sich, dass die Smartphones ihrer Kinder während der Unterrichtszeit weggesperrt werden. Sie haben sich an die Schulleitungen, Lehrer, Elternräte gewandt, um eine ähnliche Regelung wie am Christianeum durchzusetzen. Doch viele Verantwortliche scheuen sich, Verbote zu erlassen.
Handyverbot an Schulen: Schon 20.000 Menschen haben eine Online-Petition unterschrieben
Um den Druck zu erhöhen, wurde daher Anfang Dezember bei change.org eine an die Kultusminister der Länder gerichtete Online-Petition gestartet. „Smartphonefreie Schulen! Jetzt!“ hat binnen zwei Wochen einen enormen Zulauf erlebt und schon 20.000 Unterschriften erzielt.
Verena Holler vom Hamburger Verein „Smarter Start ab 14“, die zu den Initiatoren der Petition gehört, wundert sich nicht über den großen Zulauf. „Alle Eltern kennen diese Geschichten: ein Mitschüler des eigenen Kindes hat unterm Tisch gezockt oder KI benutzt, um einen Test auszufüllen. Es werden heimlich Fotos während des Unterrichts gemacht, um sie später auf Social Media zu teilen und jemanden zu mobben“, so die Rechtsanwältin, die selbst drei Kinder hat.
Das sorge an den Schulen für viel Zündstoff. Die Kinder leiden. Die Lehrkräfte leiden, weil sie ständig „Handypolizei“ spielen müssen. „Alle Eltern haben ein Unbehagen, was die Smartphone-Nutzung an Schulen angeht“, ist Holler überzeugt.
Wissenschaftler: Handys sorgen für Ablenkung, Vandalismus und Cybermobbbing
Die Wissenschaft hat die Gefahren längst evaluiert: Smartphones sorgen im Unterricht für permanente Ablenkung – selbst wenn sie ausgeschaltet in der Schultasche stecken. Sie stören den Unterricht, falls sie nicht ausgeschaltet sind und Nachrichten eingehen. Sie befördern Vandalismus in den Schulgebäuden durch sogenannte „Challenges“. Sie können bei Kindern eine Mediensucht auslösen. Sie verhindern die soziale Interaktion in den Pausen und bergen die Gefahr von Cybermobbing. Die Hamburger Kinderärztin Claudia Haupt hatte kürzlich im MOPO-Interview berichtet, warum der Entwicklungsstand von Kindern aufgrund des Handy-Konsums immer weiter zurückgeht.
Einige Kultusminister haben das Problem erkannt. Der hessische CDU-Minister Armin Schwarz hat kürzlich erklärt, dass er sich bei seinen Länderkollegen für ein bundesweit einheitliches Handyverbot an Schulen einsetzen will. Auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) steht dem aufgeschlossen gegenüber.
Genau darauf zielt auch die Online-Petition. „Wir wollen bis zur nächsten Kultusministerkonferenz im März mindestens 100.000 Stimmen sammeln“, erklärt Verena Holler. Ziel sei es, der Politik zu zeigen, dass eine breite Öffentlichkeit für ein Handy-Verbot an Schulen ist und dass es keinen besonderen Mut braucht, um das durchzusetzen.
Christianeum in Hamburg: Handyverbot wurde von Lehrkräften, Eltern und Schülern gemeinsam beschlossen
Schulleiter Stefan Prigge vom Christianeum hatte berichtet, dass das auf der Schulkonferenz von Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam beschlossene Handy-Verbot auf keinerlei Widerspruch gestoßen war. Im Gegenteil! Viele Schüler bedanken sich für die smartphonefreie Zeit.
Auch in den Kommentaren zu der Online-Petition finden sich solche Bewertungen. „Dass es an unserer Schule schon umgesetzt wurde, war die beste Entscheidung der letzten Jahre“, schreibt eine Schülerin namens Lotte Laube. Eine Schülerin namens Sarai Vogt findet: „In meiner Klasse sind auch immer alle am Handy. Das stört sehr den Unterricht. Und der Lehrerin kann ich es nicht sagen, weil ich dann von allen ausgeschlossen werde.“
Auffällig ist auch, wie viele Lehrerinnen und Lehrer die Petition unterzeichnet haben und von ihren direkten Erfahrungen aus dem Unterricht berichten. Mehrere Ärzte warnen vor den Suchtgefahren. Eltern und Großeltern erinnern daran, dass Schule neben dem inhaltlichen auch vor allem ein sozialer Lernort ist.
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Verena Holler weist noch einmal eventuelle Einwände zurück, ein solches Verbot käme einem digitalen Rückschritt gleich. „Ein Handy ist kein Arbeitsgerät“, so Holler.
Schon allein die Größe des Apparates stelle für die Augen der Kinder eine Gesundheitsgefahr dar. „Ein Smartphone ist ein privates Freizeitgerät, das mit den darauf gespeicherten Apps und Internetzugängen für Ablenkung sorgt“, betont Holler. Schließlich würde ja auch niemand auf die Idee kommen, dem Kind eine Playstation, Nintendo oder gar ein Pornomagazin in den Schulranzen zu packen.