Hamburgs Wirtschaft im Check: Wo es brummt – und wo es knirscht

Flugzeuge beim Airbus-Werk in Finkenwerder.
Flugzeuge beim Airbus-Werk in Finkenwerder.

Mehr als 8700 Flugzeuge im Auftragsbuch, Rekordgewinne in Barmbek und ein Aktienplus von fast 200 Prozent – Hamburg hat wirtschaftliche Lichtblicke. Doch gleichzeitig sinken Gewinne in der Schifffahrt, Werke werden geschlossen und Hunderte Jobs stehen auf der Kippe. Die MOPO zeigt, wie es um Hamburgs Wirtschaft steht – und was das für Arbeitsplätze in der Stadt bedeutet.

Volle Fahrt voraus: Diese Hamburger Firmen boomen

Im Höhenflug mit Airbus

Höhenflug beim weltgrößten Flugzeugbauer: Der Industrie-Riese Airbus hatte Ende Dezember mit mehr als 8700 Bestellungen so volle Auftragsbücher wie nie. Auch hier ruckelt es zwar hier und da: In der Rüstungs- und Raumfahrtsparte baute Airbus Stellen ab, beim Wasserstoff-Flugzeug dauert’s doch noch viel länger als erwartet und wegen technischer Probleme konnten 2025 weniger Flugzeuge ausgeliefert werden.

Trotzdem boomt das Kerngeschäft mit den Verkehrsflugzeugen, das für Hamburg so entscheidend ist, denn Airlines brauchen neue, sparsame Flugzeuge. Die Endmontage und Ausstattung der A320-Familie in Finkenwerder ist auf Jahre hinaus ausgelastet. Mehr als 20.000 Beschäftigte hat der Flugzeugbauer mittlerweile in Hamburg – und zusätzlich hängen noch zahlreiche Jobs von Zulieferern dran.

„Die Luftfahrtbranche in Hamburg wächst stark, mit rund 300 Unternehmen und 50.000 Beschäftigten am Standort Hamburg bildet sie den weltweit drittgrößten Standort der zivilen Luftfahrt“, so der Sprecher der Handelskammer, Peter Feder, zur MOPO.

Die WochenMOPO – ab Donnerstag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche als extradicke Feiertags-Ausgabe – u.a. mit diesen Themen:

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  • Wolfs-Alarm: Das passiert jetzt mit dem Raubtier vom Jungfernstieg

  • Verkehr: Tempo 30 bald auf viel mehr Straßen

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche

  • 16 Seiten Sport: HSV-Legende lobt Überflieger Vuskovic & warum St. Paulis Ex-Scout an den Klassenerhalt glaubt

  • 28 Seiten Plan 7: Spektakel für die ganze Familie im Schauspielhaus & jede Menge Oster-Ausflugstipps

Fielmann hat Durchblick

Bei Fielmann geht es sehr profitabel zu. Der Optiker hat gerade ein Rekordjahr hinter sich: 205 Millionen Euro Gewinn fuhr das Unternehmen mit Zentrale in Barmbek-Nord und rund 2500 Mitarbeitern in Hamburg ein. Das ist mehr als ein Drittel mehr als noch 2024. Auch der Umsatz stieg um mehr als sieben Prozent – und das, obwohl der Handel insgesamt eigentlich schwächelt.

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Das merkt auch Fielmann, denn der Umsatz in Deutschland hielt sich in Grenzen. Dass viele Menschen mit dem Kauf einer Brille trotzdem nicht lange zögern, mag helfen, trotzdem eine stabile Nachfrage zu sichern. Besonders lukrativ ist aber vor allem der US-Markt: In den vergangenen Jahren hatte Fielmann dort mehrere Optiker-Ketten aufgekauft und steigerte den Gewinn um fast die Hälfte.

Rückenwind bei Nordex

Der Windrad-Hersteller mit Zentrale in Hamburg hat gerade ordentlich Schub – und erreichte 2025 einen neuen Auftragsrekord. Kein Wunder, denn Windenergie wird ausgebaut. So ist Nordex nach einigen kriselnden Jahren wieder auf Kurs. Prompt legte die Aktie in zwölf Monaten um mehr als 190 Prozent zu. Rund 1550 Menschen beschäftigt der Konzern derzeit in Hamburg, Tendenz steigend.

„Erneuerbare Energien sind zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden“, sagt Feder. „Mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland wird mittlerweile von Sonne, Wind, Wasser und Co. erzeugt.“ Nach den Plänen der Politik soll dieser Anteil noch weiter steigen – das führe in der Branche insgesamt zu vielen vollen Auftragsbüchern.

Hier knirscht es in Hamburgs Wirtschaft

Wellengang bei Hapag Lloyd

Keine Frage, Hapag-Lloyd ist als fünftgrößte Reederei der Welt ein Schwergewicht. Die vorläufigen Zahlen für 2025 zeigen aber, dass es wirtschaftlich knirscht: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) fällt auf rund 1 Milliarde Euro – 2023 und 2024 waren es noch 2,6 Milliarden. Dabei hat die Reederei sogar mehr Container transportiert. Das Problem: Die Transportpreise sind gesunken, so bleibt pro Container weniger hängen. Das schlägt sofort durch, denn der Aufwand bleibt und die Kosten laufen weiter. Immerhin hat Hapag-Lloyd ein hohes Eigenkapital aus den enormen Gewinnen während der Corona-Pandemie. Einen Stellenabbau für 2026 hat das Unternehmen somit nicht angekündigt. Hapag-Lloyd hat rund 7000 Mitarbeiter, mehr als 2200 davon in Hamburg.

Und Hamburgs Hafen insgesamt? „Während der Containerumschlag in den letzten 20 Jahren weltweit um 70 Prozent zugelegt hat – in Antwerpen, einem unserer wichtigsten Wettbewerber, immerhin um 40 Prozent –, ist der Umschlag in Hamburg um rund 20 Prozent zurückgegangen“, so Feder. Die jüngsten Umschlagzahlen ließen zwar hoffen, dass der MSC-Deal Früchte trage. „Aber zur Wahrheit gehört auch: Ein signifikanter Teil des Wachstums beruht auf ausgehenden Leercontainern und auf umgeleiteten Waren, die aufgrund der Handelspolitik zwischen den USA und China über Hamburg liefen.“

Jungheinrich stapelt weniger

Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich hat weltweit rund 21.000 Mitarbeiter – etwa 3800 davon in Hamburg. Seine wirtschaftlichen Probleme spürt man so auch direkt in der Nähe: Das Werk in Lüneburg soll Ende 2027 schließen, 160 Beschäftigte verlieren ihren Job. Das ist Teil eines Sparprogramms, das das Unternehmen im Sommer angekündigt hatte: Weltweit sollen sogar 1000 Stellen abgebaut und die Kosten um 100 Millionen Euro im Jahr gesenkt werden. Warum? Jungheinrich leidet nach eigenen Angaben unter der kränkelnden Konjunktur in Deutschland – und wenn Industriekunden Investitionen schieben, trifft es auch Stapler- und Logistiktechnik.

Otto-Group baut ab

Die Otto Group hatte es in den vergangenen Jahren bekanntlich schwer, verbuchte sogar Verluste von 412 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr März 2024 bis März 2025 ging es wieder bergauf: Der Gewinn stieg, die neue Chefin sprach von einem „Turnaround“ – besonders die Onlineplattform otto.de entwickelte sich gut. Überwunden sind die Herausforderungen aber noch nicht, vor allem weil die Deutschen nicht so recht in Kauflust sind. Deshalb will der Konzern weiter Kosten senken. Die Zahl der weltweit Beschäftigten sank zuletzt auf 36.304 Menschen. Geschäftszahlen für das laufende Jahr sind noch nicht veröffentlicht, doch für den Standort in Hamburg gab es jüngst die Hiobs-Botschaft: Knapp 460 Vollzeitstellen werden abgebaut.

Und wie geht es Aurubis?

Nach deutlich weniger Gewinnen in 2024/2025 und Konkurrenzdruck aus China kann Europas größter Kupferproduzent aktuell von steigenden Metallpreisen und starker Nachfrage nach Kupfer profitieren – und hat seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr Anfang Februar prompt angehoben. Wie es am Kern-Standort hier in Hamburg mit mehr als 2800 Mitarbeitern weitergeht, hängt aber vor allem von den Rahmenbedingungen ab. Laut Aurubis könnte das neue Klimaziel 2040 hier langfristig Arbeitsplätze kosten. Für 2026 kündigte das Unternehmen hier aber keinen Stellenabbau an.

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„Insgesamt entwickelt sich die Industrie in Hamburg im gesamtdeutschen Vergleich relativ robust. Wegen anhaltender Unsicherheiten in Bezug auf Energiepreisentwicklung, das neue Klimaschutzgesetz und Bürokratiebelastung sind Investitionsentscheidungen am Standort Hamburg allerdings unsicher”, sagt Feder.

Mehr als 8700 Flugzeuge im Auftragsbuch, Rekordgewinne in Barmbek und ein Aktienplus von fast 200 Prozent – Hamburg hat wirtschaftliche Lichtblicke. Doch gleichzeitig sinken Gewinne in der Schifffahrt, Werke werden geschlossen und Hunderte Jobs stehen auf der Kippe. Die MOPO zeigt, wie es um Hamburgs Wirtschaft steht – und was das für Arbeitsplätze in der Stadt bedeutet.