Hamburgs teurer Irrsinn mit dem möblierten Wohnen – neues Gutachten gibt Hoffnung

Dieses WG-Zimmer in Bramfeld soll laut der Annonce 670 Euro kosten.
Dieses WG-Zimmer in Bramfeld soll laut der Annonce 670 Euro im Monat kosten.

Ein Bett, ein Schreibtisch, ein kleiner Schrank – und fertig möbliert ist das Zimmer. Wer bietet am meisten? 600 Euro? 900 Euro? 1200 Euro? Alles kein Problem. Der überteuerte Wahnsinn mit möblierten Zimmern und Wohnungen wird in Hamburg täglich absurder – und die Zahl der Angebote nimmt weiter zu. Ein Schlupfloch im Gesetz hat den Senat bislang daran gehindert, dieser Entwicklung Einhalt gebieten zu können. Doch jetzt könnte ein neues Gutachten Bewegung in die Sache bringen.

Wer sich in Hamburg Hoffnung macht, zumindest in einer WG ein bezahlbares Wohnangebot zu finden, der muss inzwischen fast schon unverschämtes Glück haben. Längst haben professionelle Firmen dieses lukrative Geschäft für sich entdeckt und überbieten sich gegenseitig mit ihren Mondpreisen.

Möbliertes Wohnen in Hamburg: 1250 Euro für ein Zimmer

Für ein elf Quadratmeter großes Zimmer in Heimfeld werden da schon mal 569 Euro fällig. Noch zu billig? In Bramfeld gäbe es da ein freies Zimmer mit Klapptisch für 670 Euro. Noch dreister wird es bei einem Zehn-Quadratmeter-Zimmer für monatlich 849 Euro in Eilbek oder einem Zimmer in einer Fünfer-WG in Eimsbüttel für unglaubliche 1250 Euro.

WG-Zimmer für 1250 Euro
Diese WG-Anzeige bietet ein Zimmer in Eimsbüttel für 1250 Euro monatlich. Die Zimmergröße ist nicht angegeben.

„Dieser Vermieter akzeptiert keine Studenten“, steht bei letzterem Angebot im Anzeigentext – dabei müsste es sich ja auch um solche mit einem besonders dicken Portemonnaie handeln. Aber keine Sorge: Auch für die findet sich was (Teures): Immerhin entstehen bis Oktober um die 700 möblierte Wohnungen an der Wendenstraße in Hammerbrook: Dort gehen die Studenten-Angebote zwischen 16 und 23 Quadratmetern bei 1007 Euro monatlich los. Bei anderen Apartments an der Kieler Straße in Altona-Nord oder im Münzviertel ergibt sich ein ähnliches Bild.

Möglich macht all das ein Schlupfloch im Gesetz: Denn sobald in einem Zimmer oder einer Wohnung ein Bett steht, kann der Vermieter den sogenannten „Möblierungszuschlag“ verlangen. Dieser muss nicht extra aufgeführt werden, sodass im Dunkeln bleibt, wie hoch die eigentliche Miete ohne Möbel ist. Die Anbieter auf Plattformen wie „WG-Gesucht“ sind zudem oft schwer zu fassen, verstecken sich hinter Symbolbildern oder reagieren nicht auf Anfragen.

Möblierte Luxusapartments: Was kann die Stadt unternehmen?

Bausenatorin Karen Pein (SPD) forderte schon mehrmals, diese Umgehung der Mietpreisbremse zu unterbinden. Einen entsprechenden Hamburger Gesetzentwurf, der Vermieter dazu verpflichtet, den „Möblierungszuschlag“ offenzulegen, beschloss der Bundesrat bereits im Juni 2023. Passiert ist seitdem – nichts. Der Entwurf liegt immer noch bei Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Ein Sprecher des Ministeriums verwies die MOPO auf ein Statement vom Juli 2023, wonach man sich „vertieft mit den Vorschlägen des Bundesrates“ auseinandersetze und „weitere Handlungsbedarfe“ prüfe. Heißt übersetzt: Da passiert so schnell nichts.

„Dieser Geschäftemacherei mit der Wohnungsnot muss ein Riegel vorgeschoben werden“, fordert Heike Sudmann, Wohnungsexpertin der Hamburger Linken. In einem neuen Antrag an die Bürgerschaft fordert ihre Partei, dass die Stadt jetzt selbst aktiv wird. So soll die Umwandlung von normalen Wohnungen in möblierte oder nur kurzfristig anzumietende Wohnungen in Gebieten mit sozialer Erhaltungsverordnung für Vermieter genehmigungspflichtig werden – wie es bei „Air BnB“ zum Beispiel bereits der Fall ist.

Könnten möblierte Wohnungen genehmigungspflichtig werden?

Sudmann stützt sich dabei auf ein rechtliches Gutachten, das vom Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in Auftrag gegeben wurde. Dieses besagt, dass die Umwandlung einer Wohnung eine sogenannte „Nutzungsänderung“ darstelle – und daher in Milieuschutzgebieten eine Genehmigung brauche. Der Bezirk preschte schon mal vor, untersagt künftig bei Neuvermietungen das möblierte Wohnen auf Zeit.

Doch in Hamburg bleibt man vorsichtig. „Die Rechtslage ist derzeit in Ermangelung entsprechender Rechtssprechung nicht so eindeutig“, heißt es aus der Baubehörde. Man wolle die Entwicklung verfolgen und einschreiten, wenn dies rechtssicher möglich sei. Auch Martina Koeppen, Wohnungsexpertin der Hamburger SPD, bezeichnet lokale Initiativen zwar als „begrüßenswert“ – das Hauptziel bleibe allerdings das neue Gesetz. „Es wird Zeit, dass der Bundesjustizminister seine Blockadehaltung aufgibt. Auch wenn es die FDP schmerzen mag, diese Themen müssen endlich bewegt werden.“

Sylvia Sonnemann, Vorsitzende von „Mieter helfen Mietern“, kann da nur den Kopf schütteln. Sie wünscht sich, dass Hamburg dieses Mal mutiger wäre. „Die Idee mit der Genehmigungspflicht ist einfach großartig. Es würde in den Ballungszentren ein Zeichen gegen diese möblierte Praxis setzen – und vielleicht merkt dann auch endlich die Bundesregierung, wie dringend dieses Thema ist.“