Hamburgs schönster Tunnel: Diesen Blick im Inneren gibt es sonst nie

Blick von unten auf die Kuppel des Alten Elbtunnels
Kein Stahlträger, kein Netz: Im Alten Elbtunnel gab es am Donnerstag einen freien Blick von unten auf die Kuppel.

Seit mehr als einer Woche ist der Alte Elbtunnel gesperrt. Im Zuge der seit Jahren laufenden Sanierungsarbeiten müssen große Stahlteile ausgebaut und per Kran aus dem Schachtgebäude gehoben werden. Die MOPO konnte einen Blick in den Tunnel werfen – und erlebte dabei einen Anblick, den es sonst nie gibt.

Ein dichtes Netz hängt zum Schutz von Spaziergängern oder Radfahrern normalerweise im Schacht, der entweder per Fahrstuhl oder Treppe hinunter führt zum Tunnel. Schließlich könnte ja immer mal jemandem etwas aus der Hand fallen und unten einen Passanten verletzten.

Alter Elbtunnel in Hamburg: 360.000 Fliesen wurden ausgetauscht

Am Donnerstag war das Netz weg – und es bot sich ein freier Blick auf die Kuppel, für deren Sanierung vor mehr als 15 Jahren dicke Stahlträger eingebaut worden waren. Auch die sind jetzt weg. Unten ist es deutlich heller und luftiger.

Eine weiße Plastikplane versperrt noch den Blick in die Weströhre, in der die Handwerker fleißig arbeiten, damit auch dieser Teil des Tunnels bis zum kommenden Jahr fertig gestellt wird und die Sanierung endgültig zum Abschluss kommt.

Fliesenleger am Werk im Alten Elbtunnel
Fliesenleger am Werk im Alten Elbtunnel

Was passiert ist, ist beachtlich: Ganze 360.000 Fliesen sind ausgetauscht worden. Die hellen weißen an der Decke der beiden Röhren. Aber auch die gräulichen an den Wänden, die nun ein bisschen heller sind und einen leichten Grün-Stich in sieben verschiedenen Nuancen haben. „Das ist Absicht und ist der Imperfektion der historischen Fliesen nachempfunden“, erklärt Nele Tewis, Projektleiterin Bausanierung bei der HPA.

Hergestellt wurden die Fliesen von einer Manufaktur in Ostdeutschland, der Boizenburg Solarceramics. Das Besondere: Um den richtigen Farbton zu erlangen, wurden ausrangierte Fernsehröhren zerbröselt und den Zutaten beigemischt.

Museum zeigt alte Fundstücke aus der Bauzeit des Alten Elbtunnels

Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD), die die Tunnelarbeiten ebenfalls am Donnerstag inspizierte, begeisterte sich für die vielen Fundstücke, die unter der alten Fahrbahn entdeckt worden sind: Über hundert Jahre altes Werkzeug, Scherben, Glasböden von Flaschen – Sachen, die aus der Entstehungszeit des Elbtunnels zwischen 1907 und 1911 stammen. Sie sind nun in einem kleinen Museum im HPA-Betriebsgebäude auf der Südseite des Tunnels ausgestellt. Wer das Museum besuchen will, muss sich anmelden. Entweder unter Tel. (040) 428 47 48 02 oder per E-Mail unter st-pauli-elbtunnel@hpa.hamburg.de.

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Am Freitagabend wird der Alte Elbtunnel wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Die Arbeiten gehen trotzdem weiter. Dort, wo sich einst jahrzehntelang eine Rolltreppe befand, wird wieder eine Treppe eingebaut. Die Schachtsohlen werden erneuert, die Weströhre endgültig hübsch gemacht. In einem Jahr soll dann alles fertig sein. Die Kosten des Projekts, die ursprünglich mit 16 Millionen Euro beziffert wurden, werden dann voraussichtlich mindestens 131 Millionen betragen.