Hamburgs schönste Prachtstraße führt ein Schattendasein
Säulengänge und Gründerzeitfassaden – die Colonnaden zwischen Jungfernstieg und Stephansplatz gehören seit 1880 mit ihren prächtigen Gebäuden zu den sehenswertesten Straßen in der Stadt. Einige Traditionsgeschäfte gibt es hier schon seit mehr als 100 Jahren. Trotzdem ist hier meistens wenig los. Jetzt soll die Straße mit dem venezianischen Flair, bereits seit 1974 Fußgängerzone, endlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden.
Eine gemeinsame Initiative von Grundeigentümern und Stadt will die Colonnaden mit neuer Beleuchtung, ansprechenderem Stadtmobiliar und mehr Grün als Flanier- und Shoppingmeile aufwerten. Die Colonnaden sollen über reines Einkaufen und Einkehren hinaus auch zu einem Ort der Begegnung, Kultur und Gastronomie werden. Die Umsetzung der Pläne soll voraussichtlich ab dem Jahr 2029 durch das Hamburger Planungsbüro Treibhaus erfolgen.
Shoppen mit Stil
An den Colonnaden finden Besucher einige besondere Geschäfte, die zum Teil eine lange Geschichte haben. Das älteste ist Pfeifen Tesch, gegründet 1880 und ein Familienunternehmen in vierter Generation. Neben Zigarren aus Kuba, Costa Rica und Ecuador, Pfeifen und Raucherzubehör bekommt man hier auch Rum und Whiskey. Maßgeschneiderte Hemden und Anzüge gibt es bei Cove. Hier nimmt man sich viel Zeit für Kunden, die nach individuell angefertigter Kleidung suchen.
Kulinarische Pause
Vietnamesisch, japanisch oder italienisch – an Restaurants und Cafés aller Art herrscht kein Mangel an den Colonnaden. Tipp: Mittagspause im „Delikatessen des Meeres“ einlegen und eines der Fischgerichte bestellen. Restaurantinhaber Romeo Placiduccio feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum und serviert sein Essen zu klassischer Musik. „Die Gäste lieben das“, sagt er.
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Mit seinem Restaurant setzt er eine Traditionsgeschichte fort. In den Colonnaden 104 gab es schon seit 1895 ein Fischgeschäft, wie auf dem Schild über dem Eingang zu lesen ist. Mit dem „Gewerbe-Anmeldungs-Schein No. 1555“ erhielt Carl Eduard Ludwig Benedict Stapelfeld 1895 die Erlaubnis, Handel mit „Speisen und Conserven“ zu treiben. „Das war Hamburgs ältestes Fischgeschäft“, sagt Placiduccio.
Historische Relikte
Nicht nur die Säulengänge sind beeindruckend und erinnern an venezianische Architektur, auch die Hausfassaden mit ihren aufwendigen Verzierungen lohnen einen Blick nach oben. Im Eingang des Hauses Nr. 19 aus dem Jahr 1885 neben der Eisdiele „Eisige Liebe“ ist ein Wandkunstwerk in Form einer Jugendstil-Blumenranke zu sehen.
Fast schon zu den historischen Kunstwerken gehört auch der Kiosk, der seit den 1970er Jahren an der Kreuzung Colonnaden/Büschstraße steht und mit seinen verstaubten Auslagen ein trauriges Bild abgibt, weil er dauerhaft geschlossen ist. Der Kiosk soll im Zuge der Straßenverschönerung abgebaut werden. Hoffentlich findet er ein neues Zuhause.