Johannes Oerding

Musiker Johannes Oerding wird bei „Silvester in Concert“ in Hamburg dabei sein (Archivbild). Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Johannes Oerding: „Plötzlich warf jemand ein Bündel Geld auf die Bühne“

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Johannes Oerding ist so was wie Hamburgs Pop-Superstar. Und ein echtes Weihnachtskind ist er auch noch – am 26.12. wird er 44 Jahre alt. Fünf Tage später tritt er bei der ZDF-Silvestersause in der HafenCity auf. Die MOPO sprach mit dem Sänger über gute Vorsätze, sein bevorstehendes Konzert und den Hamburger Fußball.

MOPO: Bleigießen, Raketen abfeuern oder Berliner essen – welche Silvester-Rituale haben Sie?

Johannes Oerding: Ehrlich gesagt, bin ich keiner, der selbst Raketen abschießt. Ich schaue aber gerne dabei zu. Das einzige Ritual, das ich seit etwa 20 Jahren habe, ist, dass ich Silvester meinen Kalender rausnehme und einfach alle Tage des alten Jahres durchgehe. Man verliert so oft den zeitlichen Bezug zu Ereignissen in seinem Leben, darum lasse ich das Jahr so Revue passieren.

Zum Jahreswechsel treten Sie diesmal bei „Silvester in Concert“ in der HafenCity auf. Haben Sie in Ihrem Leben schon mal ein Konzert zu Silvester gespielt?

Nicht hier in Deutschland. Als 19-Jähriger habe ich in einer Soul-Band gesungen, um meine Kröten zu verdienen, da sind wir für Silvester nach Dubai geflogen worden und haben dort gespielt. Es war das Absurdeste, was ich in meinem Leben gemacht habe. Aber es wollte kein anderer Silvester arbeiten – ich war jung und brauchte das Geld. 

Wer hat Sie denn da eingeflogen, ein Scheich für seine private Silvesterfeier? 

Ich glaube, wir hatten für ein Hotel gespielt, und da saßen dann die Fußballmannschaft von Manchester United und noch irgendwelche reichen Menschen. Wir haben für die Herrschaften Songs von Stevie Wonder, Michael Jackson und Prince gespielt.

Das klingt abgefahren. 

Als wir nach etwa vier Stunden aufhören wollten, weil wir nicht mehr konnten, kam irgendjemand und schmiss einfach ein Bündel Geld auf die Bühne – da hab ich gesagt: O.k., wir spielen noch eine halbe Stunde.

Popsänger Johannes Oerding steht regelmäßig gemeinsam mit anderen großen Künstlern auf der Bühne - wie hier mit Peter Maffay (Archivbild). picture alliance / Geisler-Fotopress | Matthias Wehnert/Geisler-Fotopre
Johannes Oerding und Peter Maffay
Popsänger Johannes Oerding steht regelmäßig gemeinsam mit anderen großen Künstlern auf der Bühne – wie hier mit Peter Maffay (Archivbild).

Kommen wir zurück zu Silvester in Hamburg: Ende März erscheint Ihr neues Album „Hotel“ – zwei Songs daraus sind schon erschienen. Wird es auf der großen Silvesterparty einen weiteren geben?

Ich habe mich ehrlich gesagt noch nicht festgelegt. Aber neben Klassikern wie „Alles brennt“ werden Songs aus dem neuen Album dabei sein, womöglich auch ein ganz neuer.

Warum trägt das neue Album denn den Titel „Hotel“?

Es geht nicht um die Tatsache, dass ich in vielen Hotels unterwegs bin. Ich habe das Gefühl, dass mein Musikerleben sich wie ein Hotelbesuch anfühlt, man ist viel unterwegs. Das Album hätte nicht heißen können „Villa an der Alster“. Erstens, weil ich keine habe. Zweitens, weil mir das einfach zu fest und zu endgültig klingen würde. Hotel steht für in Bewegung bleiben und neue Menschen treffen.

Hätten Sie ein Hotel, wer dürfte da mal mietfrei wohnen? 

Ich bin ein Familienmensch, das heißt, alle in meiner Familie sind immer herzlich willkommen. Ansonsten bin ich auch ein Freund von Menschen, die eine spannende Biografie haben. Mein Hotel wäre auch ein Safe Space, um sich zu öffnen – eine Art Therapie-Hotelzimmer.

Nächstes Jahr sind Sie wieder mächtig auf Achse: allein 24 Konzerte bei der Arena Tour, dazu noch mehrere Open Airs. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Jetzt im Winter beginnt die Phase. Da achte ich wieder darauf, dass ich ordentlich Sport treibe, um fit zu sein, wenn es an die Proben geht ab Januar. Auf der letzten Tour habe ich vier Kilo zugenommen – bei so einem kleinen Menschen wie mir merkt man das schon.

Und das jetzt, wo es Weihnachtskekse gibt?

Zu Weihnachten lege ich Cheat-Days ein. Ich kann auch meine Mutter nicht enttäuschen, wenn sie sich so viel Mühe mit dem Essen macht. 

In Hamburg spielen Sie nächstes Jahr sogar ein Konzert im Volksparkstadion, für das es nur noch Restkarten gibt. Wie werden Sie das als bekennender St. Pauli-Fan verkraften?

Wenn man im Millerntor Konzerte machen dürfte, dann wäre ich natürlich ins Millerntor gegangen. Das ist einfach mein Viertel und mein Verein. Jetzt geht es ins Volksparkstadion, was natürlich auch geil ist, weil es einfach viel größer ist. Mein erstes Stadionkonzert – wenn ich dran denke, dann werde ich jetzt schon ein bisschen nervös. Das ist einfach eine andere Hausnummer. Ich habe auch keine Anti-Haltung gegenüber dem HSV. Ganz im Gegenteil, ich freue mich, wenn wir hier in der Stadt viele Mannschaften haben, die im Oberhaus spielen.

Johannes Oerding auf der Tribüne im Millerntorstadion - der Musiker ist Fan des FC St. Pauli. picture alliance / nordphoto GmbH | nordphoto GmbH/ Witke
Johannes Oerding
Johannes Oerding auf der Tribüne im Millerntorstadion – der Musiker ist Fan des FC St. Pauli.

Das ist sehr diplomatisch ausgedrückt.

Am Ende geht es um die Musik. Aber ich sage mal so: In welchem Trikot ich da auf die Bühne komme, das verrate ich noch nicht.

Sie sind sehr gut vernetzt in der Musikszene. Dürfen sich die Fans auch auf Gastauftritte freuen?

Das kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten.

2024 haben Sie sich ein Jahr Auszeit genommen, sind viel gereist, um den Kopf freizubekommen. Jetzt geben Sie gleich wieder Vollgas. Könnten Sie sich so eine Auszeit in Zukunft noch einmal vorstellen?

Absolut. Ich spiele Konzerte, mache ein Album – alles geht sehr schnell, und allein um diese vielen emotionalen Momente zu verarbeiten, habe ich mir vorgenommen, immer mal ein paar Monate komplett abzuschalten. Ich glaube, dass dieses Handbremse-Anziehen manchmal guttut. Jetzt geht’s aber erst mal mit Power los.

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Eine Frage noch: Haben Sie Vorsätze fürs neue Jahr?

Ach, immer die gleichen seit zehn Jahren: Mal richtig Spanisch lernen. Ich schleppe mich mit meinem Schulspanisch jedes Mal durch den Urlaub und denke mir, ich sollte es mal richtig lernen. Außerdem sollte ich öfter zum Chiropraktiker gehen und mich richtig einrenken lassen. Und vielleicht öfter Hautpflegeprodukte benutzen, wir Männer sind da zu sporadisch.

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