Hamburgs Pfadfinder in Not: Protestcamp vor der Schulbehörde
Lagerfeuer, Singen, Ausflüge ins Grüne: Immer mehr Kinder und Jugendliche in Hamburg wollen zu den Pfadfindern. Die Mitgliederzahlen steigen. Doch das bedeutet auch: Die Räumlichkeiten werden knapp! In zwei Bezirken ist die Not so groß, dass die Jugendarbeit kaum noch stattfinden kann. Mit einem Protestcamp vor der Schulbehörde haben die Pfadfinder jetzt auf die Situation aufmerksam gemacht.
Der Park an der Adolph-Schönfelder-Straße ist eine grüne Oase im Herzen von Barmbek. Am Wochenende wurden hier 30 schwarze Zelte aufgebaut. Jugendliche in blauer Pfadfinder-Kluft versammelten sich dazwischen, um Plakate zu malen und Reden zu schreiben – alles für die Kundgebung am Sonntagmittag.
Raum-Not bei den Pfadfindern in Hamburg: Protestcamp vor der Schulbehörde
Um 12 Uhr war es dann soweit. Rund 300 Jugendliche kamen trotz des schönen Wetters und des verlängerten Pfingstwochenendes, bei dem viele Familien die Stadt verlassen, um vor der Tür der Schulbehörde für neue Räume zu demonstrieren.
Es ist die Fortsetzung eines Protests, der schon länger läuft: Seit September kämpfen Pfadfinder aus Eimsbüttel vom Stamm Saliskiaron nach dem Verlust ihres Pfadfinderheims am Siemersplatz für eine Unterbringung im Kutscherhaus im Amsinckpark. Doch der Bezirk will das Gebäude abreißen, obwohl der Pfadfinderbund Nord angeboten hat, das historische Bauwerk zu restaurieren und dafür die Unterstützung des Denkmalvereins bekam. Aktuell haben die Pfadfinder aus Eimsbüttel keine eigenen Räume für ihre Treffen.
Ihnen angeschlossen haben sich nun auch die Pfadfinder aus Wandsbek. Ihr Heim „Tieloh“, ein altes Trafohaus an der U-Bahn Habichtstraße, hat eigentlich nur eine Kapazität für 25 Gruppen. Aktuell treffen sich dort allerdings 37 Gruppen, was dazu führt, dass alles aus den Nähten platzt. Der Stamm Depheiro hat sich deshalb dazu entschlossen, auszuziehen. Für 50 Kinder und Jugendliche suchen sie nun ein neues Heim in Wandsbek.
Besonders in Eimsbüttel und Wandsbek ist es schwierig
„Wir wollen Jugendarbeit machen und nicht unsere Zeit in Ausschüssen verlieren“, sagt Luisa Bremer, erste Vorsitzende des Pfadfinder*innenbunds Nord (PBN) unter Verweis auf insgesamt schon 16 Besuche in verschiedenen Bezirksausschüssen, die zu keinem Ergebnis geführt hätten. „Anvisierte Lösungen scheiterten an zu langen Fahrtwegen für die teils noch kleinen Kinder oder zu hohen Mietforderungen der Eigentümer.“
In den vergangenen zehn Jahren sei der Verband um 400 junge Mitglieder gewachsen – ohne dass langfristige Räume dazugekommen seien. Im Gegenteil: Wegen der hohen Mieten gingen Räume sogar verloren. „Unsere ehrenamtliche Arbeit muss durch die Stadt durch die Bereitstellung von passenden Räumen gefördert werden – und dieser Verantwortung kommt die Stadt aktuell nicht ausreichend nach“, sagt auch Gruppenleiterin Iska Treibel, die den Protest vor der Schulbehörde am Wochenende mitveranstaltete.
Ein Sprecher der Behörde erklärte im Vorfeld der Demo: „Unser Amt für Familie steht in stetem Austausch mit dem Pfadfinder:innenverband Nord (PBN) und unterstützt diesen auch.“ So erhalte der PBN allein in diesem Jahr 384.900 Euro an Fördergeldern. Die Forderung nach einer kostenfreien Bereitstellung von zwei neuen Standorten sei der Behörde „insgesamt bekannt“ und man helfe bei der Suche nach Alternativen. Da die Behörde „über keine eigenen Immobilien“ verfüge, wird an die Bezirksämter verwiesen.
Pfadfinder-Heim in Hamburg: Ein Holzhaus auf der grünen Wiese?
Die wiederum sprechen von „schwierigen Prämissen“. Bislang habe der Bezirk Eimsbüttel kein Angebot machen können, das zu den Vorstellungen der Pfadfinder passen würde, so ein Sprecher. Und aus Wandsbek heißt es ähnlich: „Eine finale Lösung gibt es derzeit noch nicht.“
Nach einem Gespräch zwischen den Pfadfindern und dem Amt für Familie könnte sich nun aber doch eine Lösung abzeichnen: „Es ist jetzt geplant, dass der Stamm auf Grünflächen ein neues Zuhause finden soll“, erklärte der Sprecher der Schulbehörde im Anschluss.
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Die Idee ist offenbar die Errichtung eines Holzhauses auf einer städtischen Fläche, die noch gefunden werden muss. Kostenpunkt nach einer Schätzung des PBN: etwa 400.000 Euro. Aus Sicht des PBN ist das „kostengünstige Jugendarbeit“, so Iska Treibel bei der Demo am Wochenende. Und: „Wir brauchen jetzt eine Zusage für die Finanzierung, damit wir damit in die Bezirke gehen können.“ Das nächste Gespräch soll Anfang Juni mit dem neuen Bezirksamtsleiter Christian Zierau stattfinden.