Hamburgs neue Oper: Eliten-Tempel oder Haus für alle?

Hamburgs neue Oper am Baakenhöft
So könnte Hamburgs neue Oper am Baakenhöft in der HafenCity einmal aussehen.

Wie eine elegante Seerose soll sich Hamburgs neue Oper am Wasser in die HafenCity einfügen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach bei der Vorstellung des Sieger-Entwurfs am Donnerstag schon von einem „neuen Wahrzeichen”. Wohltäter und Milliardär Klaus-Michael Kühne will der Stadt damit ein imposantes Gebäude schenken – ein Präsent, an dem es durchaus Kritik gibt. Die MOPO erklärt, was genau geplant ist, wie viel die neue Oper kosten soll und ob das Projekt noch scheitern kann.

Warum soll Hamburg eine neue Oper bekommen?

Der in Hamburg geborene Milliardär Klaus-Michael Kühne träumt schon länger vom Bau einer neuen, imposanten Oper in der Stadt, wohl weil ihm die aktuelle am Dammtor nicht zusagt. Also bot Kühne der Stadt an, am Baakenhöft in der HafenCity auf seine Kosten eine neue bauen zu lassen und sie nach der Fertigstellung an die Stadt zu übergeben. Anfang Februar einigten sich beide Seiten vertraglich auf den Bau.

Wie soll die neue Oper aussehen?

Ein 360-Grad-Gebäude soll die neue Oper werden, da sie vollständig umrundet werden kann und zu allen Seiten den Blick auf den Hafen freigibt. Ihre organische Form mit ausladenden Balkonen soll laut Architekt Bjarke Ingels an „Schallwellen aus einem zentralen, pulsierenden Herz der Musik“, Blütenblätter oder Meereswellen erinnern. Die Anordnung der Terrassen – je höher, desto breiter – kann auch an heißen Sommertagen für angenehme Temperaturen sorgen sowie vor Wind und Regen schützen.

Oper
So soll der Saal der neuen Oper von Innen aussehen.

Drumherum entsteht ein Park, der eine Symbiose mit den begrünten Terrassen der Oper eingehen soll. Neben dem Opernsaal für rund 1500 Zuschauer, sind Probenräume, zwei Foyers, ein Café und ein Restaurant geplant. Aus akustischen Gründen werde der Saal laut Kultursenator Carsten Brosda „minimal kleiner“ (1690 Plätze) als die Staatsoper. Auch genügend Parkplätze sollen zur Verfügung stehen, die Entwürfe sehen hierfür eine Tiefgarage vor.

Warum hat die Jury sich für diesen Entwurf entschieden?

Fünf Architektenbüros waren von der „Hamburgischen Staatsoper Projekt GmbH“ dazu eingeladen worden, ihre Entwürfe für eine neue Oper einzureichen. In dieser Woche wurde von einer 16-köpfigen Jury der Sieger einstimmig ermittelt: Das Kopenhagener Architekturbüro Bjarke Ingels Group hat überzeugt. Die Jury sprach in ihrer Begründung von einem „wohlüberlegten Konzept und einem städtebaulich gelungenen Ansatz“, der eine „gelungene Symbiose aus guten Bedingungen für ein Openhaus und spannendem Wahrzeichen für alle Hamburgerinnen und Hamburger“ darstelle.

Was kostet das Ganze?

Klaus-Michael Kühne will 330 Millionen Euro in die Oper investieren – auch das Risiko für Kostensteigerungen trägt laut Vertrag allein die Kühne-Stiftung. „Die Architekten waren alle der Meinung, dass das geht“, sagte Andreas Kleinau, Chef der HafenCity GmbH, am Donnerstag. „Wir alle wissen, dass Architekten manchmal zu optimistisch sind, aber gemeinsam werden wir das schaffen.“

Oper
Eines der beiden Foyers der neuen Oper könnte einmal so aussehen.

Das Filetstück mit Hafenblick bereitet die Stadt zudem für 147,5 Millionen Euro vor. Zusätzlich investiert die Stadt 104 Millionen Euro in dessen Herrichtung, die Promenade und den Park drumherum. Für Personal- und Rechtsberatungskosten investiert die Kulturbehörde 483.000 Euro in das Projekt. Kultursenator Brosda betonte bereits mehrfach, dass der Neubau die Stadt trotz Ausgaben in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro weniger kosten würde als eine Sanierung der Staatsoper.

Warum gibt es Kritik?

Kritik gibt es sowohl am Wettbewerbsverfahren, als auch am Umgang mit der Öffentlichkeit, möglichen Risiken und der Familiengeschichte von Kühne. Die Hamburger Architektenkammer kritisierte, dass die fünf Architekturbüros bereits vorausgewählt wurden. Der Hamburger Denkmalverein vermisst eine öffentliche Diskussion in der Stadt über die Notwendigkeit eines Opernhauses und startete sogar eine Petition.

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Der Bund der Steuerzahler warnte vor „enormen Risiken“, denn Großprojekte seien in dieser Stadt anfällig für Kostenexplosionen und Verzögerungen. Die Hamburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes nannte die Kooperation mit Kühne „geschichtsvergessen und respektlos“. Denn Kühne habe sich nie ausreichend von seinem Vater, Alfred Kühne, distanziert, der in der NS-Zeit Gewinne durch „die Ausplünderung von Jüdinnen und Juden erzielt“ habe.

Kann das Projekt noch scheitern?

Auf Grundlage des Entwurfs sollen nun die vertieften Planungen und Kostenschätzungen erstellt werden. Das letzte Wort hat aber die Kühne-Stiftung: Ende des ersten Quartals 2028 wird sie entscheiden, ob das Projekt tatsächlich umgesetzt wird.