Hamburgs moderne „Hexe“: Zum Zauberkurs nach Winterhude

Daniela Dick in der „Hexerey“.
Daniela Dick in der „Hexerey“.

Hexe Lilly, Bibi Blocksberg – fast jeder kennt die fiktiven Hexen. Doch auch im echten Leben gibt es Menschen, die sich als Hexen sehen. Spiritualität und Magie sind im Trend. Für Daniela Dick ist es jedoch Lebensrealität. Und ihr Geschäft. Mitten in Winterhude führt sie die „Hexerey“, einen Laden voller spiritueller „Werkzeuge“. Die MOPO hat nachgefragt: Was steckt dahinter?

Einmal seien Kinder in den Hexen-Laden gekommen, um zu fragen, ob es Lord Voldemort aus „Harry Potter“ tatsächlich gäbe. „Nein, den gibt es nicht. Und ich bin eine Hexe, ich muss es wissen“, erzählt Daniela Dick, die Geschäftsführerin der „Hexerey“. Zwischen Kristallen, Pendeln und einer Vielzahl an Kräutern steht die Frau hinter dem urigen Holztresen, und sagt, sie sei eine Hexe. Zumindest erklärt sie das Kindern. Bei Erwachsenen bevorzugt sie die Bezeichnung „Fachkraft für naturspirituelle Beratung“. Ihr Geld verdient sie in der „Hexerey“, dem Winterhuder Magieladen in der Dorotheenstraße 184. Neben dem Einzelhandel werden dort auch Seminare, Beratungen und eine Hexenausbildung angeboten.

Hexen und der Teufelspakt

Hexen waren lange vermeintlich kein Fantasieprodukt: Im Mittelalter kostete der Glaube an Hexerei und die Hexenverfolgung in Mitteleuropa rund 60.000 Menschen das Leben, zwei Drittel davon Frauen. Erst ab dem 18. Jahrhundert waren Hexerei und Schadenzauber nicht mehr strafbar. In Hamburg wurden mindestens 40 Frauen als Hexen verurteilt und verbrannt; der letzte bekannte Prozess fand 1642 statt. Grundlage der Urteile war das hamburgische Stadtrecht, so steht es im Digitalen Geschichtsbuch Hamburg.

„Moderne Hexen“ wirken auf Social Media wie ein Trend – das sogenannte „WitchTok“ ist in aller Munde. Tausende Videos zu Spiritualität und Esoterik fluten das Internet mit Anleitungen zu Zauber-Ritualen, Tarotkarten, Zukunftsvorhersehungen und zum Leben als Hexe.

Hexen mit Hashtag

Häufig würden solche Phänomene in Krisenzeiten entstehen, wie der Pandemie zum Beispiel, erklärt die Historikerin Dr. Katrin Moeller von der Uni Halle-Wittenberg. Es gebe einen großen Unterschied zwischen den Hexen von damals und heute, so Moeller. Als Hexe gesehen zu werden, war damals ein Verbrechen. Heute sei das Bild der Hexe positiver, sagt die Forscherin: „Es geht mehr um Esoterik und Selbstwirksamkeit und es gibt keine Kriminalisierung mehr.“

„Ich habe mich früher schon anders gefühlt“, erzählt Dick. Trotz ihres Doktortitels in Biologie ließ sie sich von einer erfahrenen „Althexe“ ausbilden – zur Hexe, beziehungsweise zur „Fachkraft für naturspirituelle Beratung“. Heute führt sie die „Hexerey“.

Für sie ist das Hexentum eine persönliche spirituelle Richtung ohne festgelegte Doktrinen. Es gebe verschiedene Strömungen, sagt sie – und es sei weniger Bibi Blocksberg, sondern mehr „der individuelle Weg zum wahren inneren Ich“

Ausbildung zur Hexe – ein teures Unterfangen

Laut Dick kann jede:r eine Hexe werden. Die Ausbildung dauert ein Jahr und einen Tag, sie orientiert sich am „zyklischen Jahreskreis“ und umfasst Seminare, Workshops, Jahreskreisfeste und Rituale – Kostenpunkt: 2500 Euro.

Ihr Motto: „Geist über Materie“. Es geht um Selbstreflexion und Naturverbundenheit. Magie sei weniger funkelnde Zaubersprüche, sondern die Arbeit mit eigenen Energieströmungen. Der Glaube an eine höhere Macht und das Beeinflussen von Glück und Pech – das alles gehöre dazu, so Dick.

Magie als Geschäftsmodell

Viele Besucher suchen laut Dick „Antworten und Sicherheit“. Neben Handel und Ausbildung bietet die „Hexerey“ auch Beratungen an – sogenannte „Aura-Analysen“, bei denen seelische und spirituelle Ungleichgewichte erkannt und behandelt werden.

Der Laden „Hexerey“ befindet sich in der Dorotheenstraße 184A.
Der Laden „Hexerey“ befindet sich in der Dorotheenstraße 184A.

Das Konzept einer Sitzung wirkt wie eine Therapiesitzung, fern jeglicher Schulmedizin. Und auch das hat seinen Preis: 70 Euro für 45 Minuten. Dauert das Gespräch länger, wird ein Aufpreis von 6 Euro pro 5 Minuten verlangt.

Der Streit der Hexen – es knistert!

Für die „modernen Hexen“ aus dem Internet hat Dick nicht viel übrig: Vieles sei nur Ästhetik, Geldmacherei und purer Unsinn, sagt sie. Und steht dabei in dem Winterhuder Geschäft, mit dem auch sie ihr Geld verdient. Es wirkt wie ein Widerspruch. Für sie ist wichtig, alte Traditionen und Bräuche zu bewahren und in die heutige Zeit zu übertragen – fernab von TikTok-Trends.

Hexe Lilly, Bibi Blocksberg – fast jeder kennt die fiktiven Hexen. Doch auch im echten Leben gibt es Menschen, die sich als Hexen sehen. Spiritualität und Magie sind im Trend. Für Daniela Dick ist es jedoch Lebensrealität. Und ihr Geschäft. Mitten in Winterhude führt sie die „Hexerey“, einen Laden voller spiritueller „Werkzeuge“. Die MOPO hat nachgefragt: Was steckt dahinter?