Hamburg

Hamburgs „liegende Dose“: Das steckt hinter dem kuriosen Gebäude

Verlassener Bunker der Holborn-Raffinerie in Harburg hinter einem Zaun.
Der „Dosenbunker“ am Rande der Holborn-Raffinerie von außen

Was hat es mit dem speziellen Gebäude in Heimfeld auf sich? Die MOPO erklärt den „Salzgitter“-Typ.

Über eine 142 Kilometer lange Pipeline wird die Holborn-Raffinerie an der Moorburger Straße von Wilhelmshaven aus mit Rohöl versorgt. Ein hochmoderner Betrieb, der vor allem Kraftstoffe und Heizstoffe produziert. Doch rechts am Eingang steht ein geheimnisvolles Bauwerk, welches aus der Zeit gefallen scheint. Was hat es mit dem seltenen Bunkertyp „Salzgitter“ auf sich?

Britische Bomber griffen bei Nacht vor allem Hamburger Wohngebiete an, und die US Air Force warf ihre Bomben tagsüber auf Industrieanlagen im Hafen ab. 1944 nahmen die US-Bomber vermehrt Anlagen der Treibstoffindustrie im Deutschen Reich ins Visier. Zwar lief in diesem Jahr die Produktion von Panzern oder Kampfflugzeugen auf Hochtouren, doch der Sprit wurde zunehmend knapp. Die Taktik der Alliierten ging also auf.

Bunkertyp „Salzgitter“ in Heimfeld wurde 1944 erbaut

Nach Beginn der Offensive entwarf Edmund Geilenberg, der Direktor der Reichswerke Salzgitter, einen oberirdischen Rundbunker, der Arbeitern vor allem in Raffinerieanlagen die Möglichkeit gab, bei einem Angriff Schutz zu finden. 1944 wurde Geilenberg auch Generalkommissar für Sofortmaßnahmen zur Sicherung der Treibstoffindustrie. Am 20. Juni 1944 erfolgte der erste große Bomberangriff auf die heutige Holborn-Raffinerie an der Moorburger Straße.

Schon im August desselben Jahres kam es zum zweiten großen Angriff. Die Raffinerie wurde fast völlig zerstört. Im selben Monat ist vermutlich der Salzgitter-Bunker gebaut worden. Auf einer etwa drei Meter dicken Fundamentplatte wurden Stahlstreifen eingebaut und mit Brettern als Schalung versehen. Anschließend ist eine rund 2,5 Meter dicke Betondecke gegossen worden.

Bunker seit 2013 unter Denkmalschutz

Dieser „Salzgitter“-Bunkertyp wurde im Deutschen Reich nur etwa 200-mal gebaut. Zehn davon entstanden im Hamburger Hafen.

Doch schon Ende 1944 ist kein „Salzgitter“-Bunker mehr errichtet worden. Das Reichsluftfahrtministerium hatte entschieden, dass der Baustoffaufwand im Verhältnis zur Anzahl der Schutzplätze zu hoch sei. Der Bunker in Heimfeld steht seit 2013 unter Denkmalschutz, ist aber nicht öffentlich zugänglich.

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