Hamburgs Kunstgeheimnisse entdecken: Perfekte Tour bei Schietwetter

mightbewrong
Früher Chefetage, heute temporärer Ausstellungsraum mit orange-lilafarbenen Wänden in der 15. Etage des Triiio-Hochhauses.

Christian Efremidis kennt sie alle. Die oft versteckt gelegenen Ateliers und Galerien in Hamburg, aber auch die Künstler und Künstlerinnen selbst. Wir sind mit dem Kunstenthusiasten und Sammler zu einem inspirierenden Stadtspaziergang gestartet.

Bilder mit Weitblick

Normalerweise haben nur Angestellte, die im Triiio arbeiten, Zutritt zum denkmalgeschützten Hochhaus aus den 1960er Jahren. Bis zum Frühjahr 2026 kann aber jeder kommen, der sich vorher angemeldet hat. Dann führt Christian Efremidis durch die von ihm kuratierte Ausstellung „mightbewrong“. „Ich wollte Kunstwerke an ungewöhnlichen Orten zeigen. Dieser hier, die Büroetage im 15. Stock, wo früher der Vorstand der Reederei Hamburg Süd konferierte und wichtige Entscheidungen traf, ist so ein Ort“.

Mit Panoramablick über Hamburg sind mit Unterstützung der Kanzlei YPOG größtenteils Werke von Absolventen der Hochschule für bildende Kunst (HfbK), darunter Andrey Klassen, Maike Abetz, Philip Grözinger, Nanhee Kim, Inna Levinson und Stefan Wiens, zu sehen. „Erstmal musste ich die Sponsoren davon überzeugen, dass die Bilder an farbigen Wänden hängen müssen“, sagt Christian. Er ließ die Räume in Violett und Orange streichen. Schon haben die ausgestellten Werke eine ganz andere Wirkung. „Ich mag Farbe. Und diese Töne passen perfekt zu den 60er Jahren, in denen auch das Haus gebaut wurde.“ „Mightbewrong“ heißt die Ausstellung. Könnte falsch sein. Oder aber auch ganz genau richtig. (Anmeldung, auch zu geführten Spaziergängen, unter ce@mightbewrong.com)

Triiio, Willy-Brandt-Str. 59, Neustadt, Ausstellungsbesuch nach Anmeldung

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Kein Raum für die Ewigkeit

The Space
Sarice Brudet und Christian Efremidis vor Bildern von Helen Hu im „The Space“.

Nächste Station: The Space. Auf dem Weg dorthin schauen wir bei Ralf Krüger vorbei. In seiner Galerie „Feinkunst Krüger“ läuft bis zum 20. Dezember die Ausstellung „Don‘t Wake Daddy“. Seit 2006 zeigt Krüger alljährlich Werke amerikanischer Pop-Surrealisten aus den 50er Jahren bis heute. „Niedrigschwellige Kunst, die sich an Comics oder Science-Fiction-Serien orientiert“, sagt der Galerist. Nur ein paar Fußminuten weiter, schon stehen wir in einer großen Halle im Springer-Quartier. „The Space“ hat die Stadt Hamburg als temporären Kunstraum zur Verfügung gestellt. Die Künstlerin Sarice Brudet hat die OFF-Location als Teil des städtischen Programms „Frei-Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ aufgebaut.

Hier ist viel Platz für großformatige Gemälde wie die von Helen Hu, die der Bund für das Konsulat in Wien gekauft hat, oder für Skulpturen wie die Mensch-Fabelwesen von Anna Bochkova. Ihre verletzlichen Figuren sind aus Ton, Holz und vor allem aus Watte geformt. Das Füllmaterial billiger Jacken hat Anna Bochkova, als Kind aufgewachsen in einem russischen Plattenbau, warm gehalten. Eine von vielen Geschichten hinter den gezeigten Ausstellungsstücken, die Sarice Brudet gern erzählt. Sarice ist selbst Künstlerin und hat „The Space“ mit aufgebaut. „Jeder ist hier willkommen“, sagt sie. Familien mit Kindern, die einfach mal gucken möchten, genauso wie Kunstexperten und Sammler. Ein guter Anlass für einen Besuch ist die Finissage der aktuellen Ausstellung am Sonntag, 14. 12. ab 15 Uhr. Dort können auch Jahresgaben in kleineren Formaten gekauft werden.

Feinkunst Krüger, Kohlhöfen 8, Neustadt, Do/Fr 12 bis 19 Uhr, Sa 12 bis 18 Uhr

The Space, Kaiser-Wilhelm-Straße 14, Neustadt, Mi bis Sa 12 bis 18.30 Uhr

HfbK, Lerchenfeld 2, Uhlenhorst, Atelierbesuch nach Absprache oder zu besonderen Veranstaltungen

Besuch im Atelier

Zangman
Meisterklasse-Studentin Zangman in ihrem Atelier an der Hochschule für bildende Künste (HfbK).

Kurz in die U-Bahn, dann stehen wir vor der Hochschule für bildende Künste (HfbK) und besuchen mit Christian das Atelier von Nick, Inae und Zangman. Der junge Künstler und die beiden Künstlerinnen studieren noch, haben aber schon international ausgestellt und zeigen uns, woran sie aktuell arbeiten.

Atelierbesuch
Zangman, Nick und Inae in ihrem Atelier an der HfbK.

Auf Nicks Bildern scheinen organische Formen wie Gesichter oder Augen zu zerfließen. Zangmans Arbeiten halten wirbelnde Momente der Bewegung fest, im Strudel sind Gesichter und Personen zu erkennen, während die ihre Umgebung in Auflösung und Aufruhr zu sein scheint. Ganz anders dagegen Inaes minimalistische und klare, an Pflanzen erinnernde Formen. „Wir drei ergänzen uns perfekt und inspirieren uns gegenseitig“, sagt Nick.

Christian Efremidis kennt sie alle. Die oft versteckt gelegenen Ateliers und Galerien in Hamburg, aber auch die Künstler und Künstlerinnen selbst. Wir sind mit dem Kunstenthusiasten und Sammler zu einem inspirierenden Stadtspaziergang gestartet.