Hamburgs Klimaziele wackeln: Autoverkehr ein „kritischer Punkt“

Tschentscher
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) haben am Dienstag im Rathaus die Klima-Zwischenbilanz vorgestellt.

Alle zwei Jahre muss der Senat in einem Zwischenbericht aufzeigen, wie weit Hamburg mit der Umsetzung seiner Klimaziele bislang gekommen ist. Am Dienstag stellten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) die aktuellen Fortschritte und Hürden vor – sie sehen die Stadt auf einem guten Weg. Klar ist aber jetzt schon: Nach dem Klima-Entscheid im vergangenen Jahr muss die Stadt vor allem in einem Sektor deutlich schneller werden.

„Wir hatten im Jahr 2023 eine CO₂-Reduzierung gegenüber 1990 von gut 43 Prozent“, sagte Bürgermeister Tschentscher am Dienstag im Rathaus zufrieden. Grundlage des Hamburger Klimaplans ist das Ziel, bis 2030 die CO₂-Emissionen der Stadt um 70 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. In den verbleibenden vier Jahren hat die Stadt also eine große Aufgabe vor sich.

Die zu erreichenden Ziele sind dabei in vier verschiedene Sektoren unterteilt: private Haushalte, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen, Industrie und Verkehr. Es gebe Sektoren, in denen es einfacher sei, voranzukommen und welche, da sei es „sehr problematisch“, sagte Tschentscher.

Tschentscher: „Gasheizung hat keine Perspektive“

Die Industrie konnte mit fast 49 Prozent am meisten Emissionen im Vergleich zu 1990 sparen. Hier setzt der Senat in den kommenden Jahren vor allem auf den Aufbau der Wasserstoffinfrastrukturund die Förderung der Dekarbonisierung. Ein Teil dieser Einsparungen sei laut Bürgermeister Tschentscher allerdings auch darauf zurückzuführen, dass weniger produziert werde, etwa bei Stahl und Kupfer.

Moorburg
Das ehemalige Kohlekraftwerk Moorburg soll mit Mitteln aus dem Bund zur Wasserstoff-Hochburg werden (Archivbild).

Im Sektor Gewerbe/Handel/Dienstleistungen gibt es eine Reduzierung um rund 48 Prozent. Hier setzt der Senat auf die energetische Sanierung von Gebäuden, Photovoltaik und Beratungsangebote für Unternehmen, wie sie ihre Klimabilanz verbessern können.

Die privaten Haushalte haben im Vergleich zu 1990 ihre Emissionen um rund 39 Prozent senken können. Dies wird unter anderem auf die Reduzierung des Energieverbrauchs und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zurückgeführt. Der Senat setzt daher weiterhin auf den Ausbau und die Förderung von Wärmepumpen und Fernwärme. „Die Gasheizung hat keine Perspektive, deshalb ist es vorausschauender, jetzt zu überlegen, ob Fernwärme oder eine Wärmepumpe wirtschaftlichere Alternativen sind“, so Tschentscher.

Klima-Zwischenbericht: Es hapert beim Verkehr

Im Sektor Verkehr gibt es laut Fegebank den „deutlichsten Nachholbedarf“, denn hier sind die Einsparungen mit rund 38 Prozent bisher am geringsten. Umweltsenatorin Katharina Fegebank sieht vor allem die „Elektrifizierung“ als wichtigen Schritt an, um hier schneller voranzukommen und die Verantwortung dafür vor allem beim Bund.

Ladesäule
Eine Ladesäule der Hamburger Energiewerke

Auch Bürgermeister Tschentscher betonte: „Wir können den Job nicht allein machen.“ Beim Ausbau von Radwegen und dem U-Bahnnetz komme man zwar gut voran, aber es brauche mehr Anreize zum Kauf und Fahren von elektrischen Fahrzeugen – das müsse vom Bund kommen. Auch die Umstellung der Transportwege vom Lkw auf die Schiene liege nicht in der Hand des Stadtstaats.

Klimaplan: Kann Hamburg seine Ziele noch erreichen?

Ob Hamburg das Ziel von 70 Prozent weniger Emissionen im Jahr 2030 – im Vergleich zu 1990 – wirklich erreichen kann? So genau wollte sich Tschentscher in dieser Frage nicht festlegen. „Je nach Sektor abhängig: Ja und Nein“, sagte er. Vor allem der Verkehr sei ein „kritischer Punkt“. Man müsse aber „nicht Jahr für Jahr denken“, betonte Tschentscher.

Allein mit der Abschaltung der Kohlekraftwerke könne ein großer Schritt getan werden, den man sich aber eben über Jahre hinweg technologisch erarbeiten müsse. Ähnlich sieht es auch Umweltsenatorin Fegebank: „Wenn der Hebel da ist und die Anreize da sind, kann es am Ende sehr schnell gehen.“

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Im Anschluss steht der Stadt der nächste Brocken bevor, der im vergangenen Herbst mit dem Klima-Entscheid beschlossen wurde – Klimaneutralität bis 2040. Hier versuchte Tschentscher Optimismus zu verbreiten: Der Zukunftsentscheid sei zwar „eine zusätzliche Aufgabe“, aber „Panikstimmung“ sei nicht angebracht.