Hamburgs düstere Kolonial-Vergangenheit: So geht es mit dem Bismarck-Denkmal weiter
Ob das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark oder das Askari-Relief in Jenfeld – überall zeigen sich Spuren aus Hamburgs kolonialer Vergangenheit. Wie mit dem düsteren Erbe umgehen? Der Senat hat jetzt ein Konzept dafür beschlossen – und darin steht auch, wie es mit der umstrittenen Monumental-Skulptur des alten Reichskanzlers weitergehen soll.
Die Hansestadt war zu Kolonialzeiten zwar ein Umschlagplatz für Importe wie Tee, Zucker oder Baumwolle, was vielen Kaufleuten und auch der Stadt zu großem Reichtum verhalf. Doch die Importe waren verbunden mit Menschenhandel, Ausbeutung und Gewaltherrschaft in den kolonialisierten Gebieten.
Neues Konzept vom Senat zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit
Das vom Senat am Dienstag beschlossene Konzept beschreibt, in welchen Bereichen und mit welchen Mitteln dieses düstere Erbe aufgearbeitet werden soll. Erstmals werden dazu alle bestehenden Maßnahmen und Aktivitäten von Senat, Behörden, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren gebündelt.
„Dabei geht es auch darum, unsere eigenen blinden Flecken in der Aufarbeitungsgeschichte zu erkennen“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). „Das kann nur gelingen, wenn wir denjenigen zuhören, die Nachfahren von ehemals kolonisierten Menschen sind und die bis heute die Folgen kolonialer Herrschaft auf besondere Weise spüren.“
Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark: So geht es weiter
Seit Jahren wird zum Beispiel um eine künstlerische Ergänzung des Denkmals von Otto von Bismarck (1815-1898) gerungen. Der ehemalige Reichskanzler gilt als Begründer des deutschen Kolonialreichs. Ein Ideenwettbewerb zur Ergänzung des Denkmals scheiterte, weil keine der Vorschläge die Jury überzeugen konnte. Nun soll die kritische Auseinandersetzung weitergehen.
Noch in diesem Jahr soll nun ein kommentierender Text am Denkmal angebracht werden, um über dessen Geschichte und Entstehung zu informieren. Darüber hinaus sind Vermittlungsformate wie Führungen, virtuelle Kartierungen sowie virtuelle Lehr- und Lernmaterialien geplant.
Kolonialismus in Hamburg: Reliefs und geraubte Kunst
Das „Askari Relief” in Jenfeld befindet sich auf einem denkmalgeschützten Kasernenkarree und zeigt Porträts von Kolonialmilitärs, die in Deutsch-Ostafrika gekämpft haben. Um die kritische Auseinandersetzung mit dem Relief zu fördern, werden hier seit 2023 unter anderem Workshops und Führungen veranstaltet. Diese Arbeit soll 2024 ebenfalls weiter vertieft werden.
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Zusätzlich sind die Bezirke aufgefordert, Vorschläge zur Umbenennung oder Kommentierung von Straßennamen zu machen, die einen kolonialen Bezug haben. Neben Orten, die heute noch an Hamburgs düstere Vergangenheit erinnern, geht es in dem Konzept auch um eine vertiefte wissenschaftliche Aufarbeitung des Kolonialismus. Eine prägende Rolle hat hier das Museum am Rothenbaum (MARKK), zum Beispiel bei der Rückgabe der geraubten Benin-Bronzen nach Nigeria.
Grundlage für das vom Senat beschlossene Erinnerungskonzept ist ein Eckpunktepapier des Hamburger Beirats zur Dekolonialisierung Hamburgs. Voraussichtlich ab 2025 soll eine neue zivilgesellschaftliche Koordinierungsstelle die Maßnahmen im Austausch mit der Stadt begleiten.