Hamburgs Brennpunkt-Brücke: Hier kracht es immer wieder

Lkw steckt uter Brücke fest – S-Bahnverkehr in Wellingsbüttel gesperrt
Der Lkw klemmte unter der Brücke an der Rolfinckstraße fest.

Schon wieder hat’s gekracht: Auf der Linie S1 ging zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel nichts mehr – ein Lkw war gegen die S-Bahnbrücke in Wellingsbüttel gefahren. Die Durchfahrtshöhe? Deutlich unter dem gesetzlichen Standard. Selbst Schilder helfen offenbar kaum. Die MOPO hat jetzt erfahren, wie Deutsche Bahn und Verkehrsbehörde Abhilfe schaffen wollen – die Sache hat allerdings einen Haken.

„Zur Zeit S1-Streckensperrung zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel. Grund: Anfahrt einer Brücke“, so verkündete es die S-Bahn am Montag (7. Juli) auf „X“. Wer regelmäßig diese Strecke nutzt, weiß: Es geht um die S-Bahnbrücke an der Rolfinckstraße in Wellingsbüttel. Denn hier kracht es häufig. Zuletzt steckte am 17. Juni ein Kran-Ausleger unter der Brücke fest.

Der Grund: In der Regel sieht die Straßenverkehrsordnung eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern unter solchen Brücken vor. Die S-Bahnbrücke in Wellingsbüttel von 1913 ist mit der angegebenen Durchfahrtshöhe von 3,80 Metern deutlich niedriger.

S-Bahn Wellingsbüttel: Mehr als 50 Mal krachte es schon

Das runde Hinweisschild übersehen manche Lkw-Fahrer offenbar, rammen die Brücke oder bleiben stecken. Etwa 50 Mal kam es seit 2007 nach Angaben der Deutschen Bahn zu Brückenanfahrten in Wellingsbüttel. „Es besteht jedoch eine Dunkelziffer aufgrund von nicht dokumentierten Vorfällen durch Fahrerflucht“, sagt eine Bahnsprecherin.

Wenn ein Unfall geschieht, muss die Deutsche Bahn jedes Mal prüfen lassen, ob die Brücke ernsthaft beschädigt wurde – jedes Mal wird der Zugverkehr zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel dafür eingestellt. Aus solchen „Brückenanfahrten“ ergeben sich im Jahr laut Bahn durchschnittlich 20 Stunden Sperrung auf dieser Strecke – fast zwei Stunden pro Monat.

Künftig wollen Verkehrsbehörde und Bahn mehr Platz unter der Brücke schaffen. „Überwiegend durch eine Straßenabsenkung“, schreibt eine Sprecherin der Verkehrsbehörde auf MOPO-Anfrage. „Der Schienenbereich kann aufgrund der benachbarten S-Bahn-Haltestelle Wellingsbüttel nur um wenige Zentimeter angehoben werden.“

Brücke soll erst 2032/33 erneuert werden

Die Sache hat allerdings einen Haken: Beides soll gemeinsam im Rahmen einer Erneuerung der Brücke geschehen, die ist regulär erst für die Jahre 2032/33 geplant.

Erstmal sind drei andere Bahnbrücken auf der sogenannten Linie der „Alstertalbahn“ dran, die alle 1913 erbaut wurden. Zunächst sollen die Brücken „Borstels Ende“, „Hoheneichen“ und „Sodenkamp“ voraussichtlich im Sommer 2027 bis Mai 2028 erneuert werden. Erst dann folgen die Brücken „Rolfinckstraße“ und „Tornberg“. Die Reihenfolge ergibt sich laut der Bahn aus dem jeweiligen Zustand der Brücken.

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Der CDU im Alstertal geht das zu langsam: „Das ist viel zu lange. Die Planungen sollte man vorziehen, um weitere Schäden an Brücke und Fahrzeugen, sowie lange Wartezeiten für Fahrgäste zu vermeiden“, sagt Wolfgang Kühl, CDU-Regionalsprecher für das Alstertal, der sich gemeinsam mit der CDU-Bezirksabgeordneten Silke Bertram für das Thema einsetzt. „Mit dem neuen Sondervermögen für Infrastruktur der Bundesregierung ist doch bald genug Geld da.“