Hamburgs älteste Mauern liegen unter einer Eisdiele
Das Leben in Hamburg spielt sich nicht nur auf Straßen, Wegen und Plätzen ab. Auch unter der Erde ist einiges zu entdecken. Die ältesten Mauern der Stadt, gefallene Sterne oder das Grab eines berühmten Musikers zum Beispiel. Wir sind in die Unterwelt hinabgestiegen und haben die sehenswertesten Orte besucht.
Tausendjährige Mauern
Der Einstieg zu den ältesten Steinmauern der Stadt führt durch eine Eisdiele am Speersort 10 in der Innenstadt. Tief unter dem heutigen Straßenniveau liegt das kürzlich wiedereröffnete Museum „Die Bischofsburg“. Die Reste des ringförmigen Turmfundaments lassen sich beim Kaffeetrinken und Eisessen betrachten. Schautafeln informieren über die mittelalterliche Geschichte Hamburgs.
Der Eintritt (Di bis Sa 11 bis 18 Uhr) ist frei.
Gefallene Sterne
Züge fuhren in diesem U-Bahn-Tunnel aus den 60er Jahren nie. Seit 1994 ist der Geisterbahnsteig am Hauptbahnhof Nord (parallel zur U-Bahn-Linie U2, Richtung Schlump-Niendorf) Schauplatz der Installation „Firmament“. Das Kunstwerk wurde vor Kurzem restauriert und neu beleuchtet. Was die gefallenen Eisensterne der Bildhauer Stephan Huber und Raimund Kummer zu bedeuten haben, kann jeder selbst entscheiden.
Unterirdischer Friedhof
Die Krypta unter dem Michel gehört zu den größten unterirdischen Friedhöfen Europas. 2000 zumeist wohlhabende Hamburger wurden in der Kirche unter der Kirche bis zum Jahr 1817 begraben, darunter auch der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach, dessen Grab noch heute zu sehen ist.
Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: sechs Euro.
Kaiserliche Umkleidekabine
Hamburgs Sielsystem gehörte im 19. Jahrhundert zu den modernsten der Welt. Das wollte auch Kaiser Wilhelm II. in Augenschein nehmen und plante einen Abstieg in die Kanalisation. Eigens für ihn wurde 1904 das Sielhäuschen am Baumwall als Umkleidezimmer gebaut. Ob der Kaiser es je benutzt hat, ist nicht überliefert. Besichtigungen sind nur am Tag des offenen Denkmals möglich.
Stillgelegte Hafenbahn
Der 1876 eröffnete Hafenbahntunnel verband über 100 Jahre lang den Bahnhof Altona mit dem Fischereihafen und hieß deshalb im Volksmund schnell „Schellfischtunnel“. Der Verein „Hamburger Unterwelten“ bietet Führungen durch den 961 Meter langen Tunnel an (hamburgerunterwelten.de)
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Untergrund-Literatur
In der Unterführung zwischen Jungfernstieg und Rathausmarkt lädt seit einigen Monaten die neu eröffnete Rathauspassage mit ihren Cafes und Geschäften zum Bummeln, Frühstücken oder zur Mittagspause ein. Und natürlich zum Stöbern in antiquarischen und gebrauchten Werken in der Buchhandlung „Kehrwieder“ mit dem 25 Meter langen Bücherregal, vermutlich dem längsten der Stadt.
Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr.
Zum Feiern in die Tiefe
Wer im Mojo Club unter den Tanzenden Türmen auf der Reeperbahn feiern möchte, muss erstmal in die Unterwelt hinabsteigen. Seit der Wiedereröffnung des Clubs 2013 führen 46 Stufen durch tonnenschwere Tore im Bürgersteig in die Tiefe.
U-Bahn ganz in Blau
Ja, es gibt auch schöne U-Bahnhöfe in der Stadt. Die Haltestelle HafenCity gehört dazu – genauso wie die zweite U4-Station in der Hafencity „Überseequartier“ die mit ihren blauen Kacheln an eine Unterwasserwelt erinnern soll. Akustisch verstärkt wird dieser Eindruck durch ein sanftes Meeresrauschen.