Tod der Hamburger Zwillinge: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Autofahrer
Der tödliche Unfall der Hamburger Zwillinge Quang und Minh Nguyen erschütterte im Juli 2025 ganz Deutschland: Die 23-Jährigen waren damals in Frankfurt zusammen auf einem E-Scooter unterwegs, als sie von einem Autofahrer überrollt wurden. Ein Freund der beiden, ebenfalls auf einem E-Scooter, geriet auf die Motorhaube des Fahrzeugs, überlebte schwer verletzt. Gegen den inzwischen 24-jährigen Fahrer, der anschließend vom Unfallort geflüchtet sein soll, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt jetzt Anklage wegen fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes erhoben.
Dem Autofahrer wird vorgeworfen, aus Fahrlässigkeit und wegen überhöhter Geschwindigkeit den tödlichen E-Scooter-Unfall verursacht zu haben. Zuvor soll er Lachgas konsumiert haben.
Hamburger Zwillinge sterben bei tödlichem Unfall in Frankfurt
Die Staatsanwaltschaft rekonstruiert den Unfall wie folgt: Am 6. Juli 2025 um 2.33 Uhr soll der Angeklagte die Kontrolle über sein Auto verloren und auf den Radweg gefahren sein, wo zu diesem Zeitpunkt die Zwillinge, sowie ihr 27-jähriger Freund auf dem E-Scooter unterwegs waren. Der 24-jährige Angeklagte aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) soll die Zwillinge mit seinem Toyota „unvermittelt überfahren haben“. Die Brüder flogen durch die Luft, schlugen auf den Asphalt auf. Ein Zwilling starb sofort, der andere später im Krankenhaus. Dem Fahrer werden fahrlässige Tötung in zwei Fällen zur Last gelegt.
Nach dem tödlichen Zusammenprall soll der 24-Jährige nicht gestoppt haben, sondern mit gleicher Geschwindigkeit weitergefahren sein, heißt es in der Anklage. Dabei rammte er auch noch den 27-jährigen Freund der Zwillinge, Trung Hieu, der auf die Motorhaube des Fahrzeugs geriet. Obwohl der Fahrer erkannt habe, dass ein Mann auf seiner Motorhaube liege, sei er weitergefahren, so die Staatsanwaltschaft. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit sei der Kopf des 27-Jährigen so fest gegen die Windschutzscheibe gedrückt, dass er diese durchschlagen habe.
Etwa 70 Meter weit soll Trung Hieu auf der Motorhaube transportiert worden sein, bis er schließlich auf die Fahrbahn gefallen und auf Straßenbahnschienen liegen geblieben sein soll. Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, wurde mehrfach operiert, lag zeitweise im Koma und verlor seinen rechten Unterschenkel.
Staatsanwaltschaft wirft Fahrer versuchten Mord vor
Auch in diesem Fall soll der Fahrer vom Unfallort geflüchtet sein, laut Staatsanwaltschaft „um seine Beteiligung an den beiden Zusammenstößen mit den E-Scootern zu verschleiern und unerkannt zu bleiben“. Später soll er den stark beschädigten Toyota an einem abgelegenen Ort abgestellt und das Kennzeichen entfernt haben.
Zunächst wurde bei der zweiten Kollision wegen versuchten Totschlags ermittelt, inzwischen wirft ihm die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vor. Diese Kollision sei nur passiert, um nach der ersten Kollision mit den Zwillingen unerkannt zu entkommen – Verdeckung einer Straftat gilt als Mordmerkmal.
Einige Stunden später stellte sich der Fahrer der Polizei. Seit dem 15. Juli sitzt er in U-Haft. Das Landgericht Frankfurt muss jetzt entscheiden, ob es die Anklage zulässt und einen Prozess eröffnet.
Zwillinge machten in Hamburg Ausbildung zu Zahnarzthelfern
Die verstorbenen Zwillinge Quang und Minh Nguyen waren aus Vietnam eingewandert und lebten seit 2023 in Finkenwerder, absolvierten bei den Kieferorthopäden Altona ihre Ausbildung zu Zahnarzthelfern. Zusammen mit ihrem Freund Trung Hieu und Quangs Verlobter aus Hamburg waren sie im Juli 2025 in Frankfurt, um den US-Rapper Kendrick Lamar live zu sehen. Einen Tag später besuchten sie eine Spätvorstellung im Kino. Auf dem Heimweg verloren die beiden ihr Leben.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.