Hamburg

Hamburger Vater spricht über Leihmutterschaft: „Jens Spahn ist egoistisch“

Mann hält ein Kind vor grünen Palmenblättern im Freien.
Marcus K. (39) und sein kleiner Sohn. Der Hamburger und sein Mann sind ebenfalls mithilfe einer amerikanischen Leihmutter Eltern geworden.

Dass Jens Spahn und sein Mann sich über den kleinen Sohn Georg freuen, kann Marcus K. (39) gut verstehen: Auch er und sein Mann sind mithilfe einer amerikanischen Leihmutter Väter geworden. Aber dass Spahn sich weigert, sein politisches Gewicht für die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland einzusetzen, dafür fehlt dem Hamburger jedes Verständnis.

Jens Spahn ist zurückgetreten, oder eher: Er wurde von einer Welle der Empörung aus dem Amt gespült. „Das hat dem Thema Leihmutterschaft eine nie dagewesene Aufmerksamkeit verschafft“, sagt Marcus K: „Unser Verein zur Legalisierung der Leihmutterschaft wird überhäuft mit Anfragen. Das ermöglicht uns, aufzuklären, und Vorurteile, die in vielen Kommentarspalten auftauchen, zu entkräften.“

Von Jens Spahn ist der Hamburger Vater enttäuscht: „Wenn sich seine Haltung zur Leihmutterschaft geändert hat, hätte er sich aktiv für die Legalisierung einsetzen sollen, statt aktiv dagegenzuarbeiten wie auf dem CDU-Parteitag. Jetzt wird sein Rücktritt als Niederlage angesehen.“

Für Marcus K. und seinen Mann war der Weg zu ihrem kleinen Sohn aufwendig und teuer: „Wir versuchten es zunächst in Kanada, wo die sogenannte altruistische Leihmutterschaft möglich ist. Dabei bewirbt man sich und die Leihmutter sucht die Väter aus.“

Leihmutterschaft: Ein Vater ist immer der leibliche

Bei der „altruistischen Leihmutterschaft“ bekommt die Frau die Kosten ihrer Schwangerschaft erstattet, aber keine weitere Bezahlung. Das könnten auch Freundinnen oder Verwandte des homosexuellen Paares sein – aber selbst diesen Weg hat die CDU erst im Februar 2026 auf ihrem Bundesparteitag ausdrücklich versperrt. Da war das Spahn-Baby in den USA bereits auf dem Weg.

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Auch Marcus K. und sein Partner gingen schließlich den Weg über die USA: „Im April 2023 kam unser kleiner Sohn zur Welt.“ Einer der Väter ist immer auch der biologische Vater, während die Eizelle von einer Spenderin stammt. Leihmütter sind mit den Kindern genetisch nicht verwandt.

Leihmütter in den USA: Das kostet ein Vermögen

Wie viel genau der Traum vom Kind ihn und seinen Mann gekostet hat, möchte K. nicht sagen, nur so viel: Inzwischen müssen Menschen mit Kinderwunsch rund 200.000 Dollar einplanen. „Allein für die Leihmutter liegt die Kompensation in den USA zwischen 40.000 und 80.000 Dollar“, rechnet der Hamburger vor. „Dazu kommen rund 60.000 Dollar für die Kinderwunschklinik, plus medizinische Kosten, Anwälte und Agenturen.“ 

Ein zweites Kind hätten er und sein Mann gerne, aber: „Bei so einer Summe müssen wir gut überlegen, weil das auch die Zukunft unseres Sohnes betrifft, wenn wir uns nichts anderes mehr leisten können.“

Noch 2015 hatte Jens Spahn sich in einem Interview mit GQ über die „Idee eines gemieteten Mutterbauchs“ mokiert, nun hat der CDU-Fraktionschef selbst eine ausländische Leihmutter beauftragt. Ebenso ist Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung und eines der prominentesten CDU-Gesichter, vor wenigen Monaten Vater geworden, ebenfalls mithilfe einer Leihmutter. Freilich in Amerika, in Deutschland geht’s ja nicht.

Spahn und Streeck: „Die sagen nicht mal Danke“

Was den Hamburger Vater sauer macht: Die beiden homosexuellen CDU-Schwergewichte gehen einen Weg, den andere queere Familien teuer und nervenaufreibend freigekämpft hätten: „Die ersten Pärchen mussten viel Geld hinlegen und das bis zum EuGH hocheskalieren.“ Viele Eltern hätten danach weiter um die Anerkennung ihrer Kinder kämpfen müssen. „Und die beiden sagen nicht einmal Danke in Form von: Ich setze mich jetzt politisch dafür ein. Das ist purer Egoismus.“