Hamburger „Skandal-Haus“ zwangsversteigert: So radikal planen die neuen Eigentümer

Die Grindelallee 80 in Rotherbaum steht schon seit über fünf Jahren leer – und rottet vor sich hin.
Die Grindelallee 80 in Rotherbaum steht schon seit mehr als fünf Jahren leer – und rottet vor sich hin.

Nach jahrelangem Leerstand wurde das „Skandal-Haus“ getaufte Gebäude an der Grindelallee 80 am Dienstag zwangsversteigert. Neuer Eigentümer ist die Hamburger Projektgesellschaft „Min to Huus“. Jetzt gibt es ganz konkrete Pläne für das vor sich hin rottende Gründerzeithaus. Die MOPO erklärt, was dort entstehen soll und wie teuer die Mieten werden könnten.

Am Dienstag fiel im vollbesetzten Raum des Hamburger Amtsgerichtes der Zuschlag: Für fünf Millionen Euro ging die Grindelallee Nummer 80 an den Vertreter der „Min to Huus“. Dahinter steckt ein Bauprojektentwickler aus Rotherbaum, der unter anderem Wohnungen an der Dorotheenstraße und an der Bramfelder Chaussee gebaut hat.

Grindelallee 80: So kam es zu dem jahrelangen Verfall

„Als neuer Eigentümer können wir uns jetzt zum ersten Mal ein richtiges Bild von der Immobilie machen und beurteilen, wie die bauliche Situation ist“, erklärt deren Anwalt Moritz Lembcke von der Kanzlei Osgard im Gespräch mit der MOPO.

Der Voreigentümer Sven B. hatte die Immobilie vor mehr als zehn Jahren gekauft. Kurze Zeit später klagten die Mieter über Wasserschäden und Schimmel, auch die Wärmeversorgung war immer wieder unterbrochen. 2019 ließ der Bezirk Eimsbüttel das Gebäude aufgrund von Sicherheitsmängeln zwangsräumen. Seitdem stehen die Wohnungen leer.

Der Bezirk verhängte daraufhin Zwangsgelder in Höhe von 130.000 Euro gegen B. – ohne Erfolg. Dazu sammelten sich Kosten für Gehwegreinigung, Abfallentsorgung und Wasserversorgung. Die Deutsche Bank verlangt zudem ein Darlehen in Höhe von circa 3,5 Millionen Euro zurück. Da auch das im Sande verlief, kam es am Dienstag zur Zwangsversteigerung. B. erschien allerdings nicht beim vorher angesetzten Termin mit dem Gutachter an der Grindelallee, sodass der Wert der Immobilie nur grob von außen geschätzt werden konnte.

Das sind die Pläne des neuen Eigentümers der Immobilie

„Der Plan ist, dort endlich wieder Wohnraum zu schaffen“, so Lembcke. Ein Abriss hält er aufgrund des Gebäudezustandes für unumgänglich. „B. hat das Objekt seit seinem Kauf systematisch verkommen lassen, das ist ein Totalschaden. In den Jahren des Leerstandes wird das nicht besser geworden sein.“ Dazu werde das Unternehmen Kontakt mit den vertriebenen Mieterinnen und Mietern aufbauen, um deren noch immer gültige Verträge künftig wieder zu erfüllen – wenn sie es noch möchten.

Entstehen soll in der Grindelallee 80 ein Mix aus bezahlbaren, aber auch teureren Wohnungen. „Das ist aufgrund der aktuellen Marktsituation nicht anders möglich“, argumentiert Lembcke. „Wir gehen davon aus, dass wir um die 20 Euro pro Quadratmeter nehmen müssen – ohne dass da ein größerer Gewinn erzielt würde. Das hat auch nichts mit Immobilienhaien zu tun.“

Mitglieder einer Studierenden-Gruppe besetzten in der Nacht zum Montag die Grindelallee Nummer 80.
Mitglieder einer Studierenden-Gruppe besetzten in der Nacht zum Montag die Grindelallee Nummer 80.

Studenten, die das Haus in der Nacht von Sonntag zu Montag besetzten, fordern aufgrund der Nähe zur Uni die Errichtung eines Wohnheims. Doch Lembcke ist da skeptisch. „Günstige Wohnungen sind auf jeden Fall nicht ohne erhebliche Zugeständnisse der Stadt Hamburg möglich.“ Zudem bräuchte es dafür eine Förderung der städtischen Investitions- und Förderbank (IfB).