• Geständnis: Nachdem Gordan L. (37) die Tat eingeräumt und sich bei dem Opfer entschuldigt hatte, wurde unter Auflagen das Verfahren eingestellt. Das polizeiliche Disziplinarverfahren dauert noch an. 

Hamburger Polizist schlägt Frau : Das sind die Folgen für den Angeklagten

Neustadt –

Vom Polizisten zum Angeklagten. Über zwei Jahre ist der Vorfall bereits her. Am 14.10.2018 hat der Polizeibeamte Gordan L. (37) während eines Einsatzes auf der Großen Freiheit einer Frau ins Gesicht geschlagen. Seine Begründung: Sie habe den Angeklagten mehrmals angefasst und schließlich auch seine Hand gegriffen – alles auf Video festgehalten. Nach anderthalb Jahren wird das Verfahren nun am Hamburger Amtsgericht unter Auflagen eingestellt. Für Gordan L. hat der Fall dennoch andauernde Folgen.

„Ich habe mir das Video mehrmals und sehr genau angeschaut”, so Richterin Türmer. Darauf sei deutlich zu sehen, wie er mit Nicole S. sprechen würde, diese ihn mehrmals am Oberkörper anfasse, woraufhin Gordan L. – mit verstärkten Polizei-Handschuhen bekleidet – Nicole S. (32) ins Gesicht schlüge. Die Folgen: Eine geprellte und aufgeplatzte Lippe. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass diese Reaktion vollkommen überzogen gewesen sei und der angemessene Polizeizwang überschritten wurde. Sie fordert ein Geständnis und eine Entschuldigung für eine mögliche Strafmilderung.

Hamburg: Polizist schlägt Frau ins Gesicht

„Die Frage ist, ob mein Mandant die Verletzungen herbeiführen wollte, was klar verneint werden kann. Er wollte die Situation schlichtweg unter Kontrolle bringen“, führt Rechtsanwalt Granzin die Verteidigung aus. Neben ihm im schwarzen Anzug und weißem Hemd: Gordan L., der zustimmend nickt.

Gordan L., der seit 2000 bei der Polizei ist, steht auf und gesteht, dass er nervös sei: „Ich war zwar schon oft vor Gericht, aber noch nie auf dieser Seite.“

Der ehemalige Polizei-Gruppenleiter schildert, dass er und seine Kollegen um vier Uhr morgens zur Großen Freiheit für eine Sachverhaltsklärung gerufen wurden. Eine Uhrzeit, zu der laut L. Loveparade-ähnliche Menschenmassen und ein Alkoholpegel-Maximum herrschen würden. Vor Ort erwarteten sie zwei Türsteher, die zwei Männer auf dem Boden fixierten.

Angst vor Entwaffnung: Hamburger Polizist schlägt Frau

Der wenige Platz, der kaum Ausweichmöglichkeiten bot und die laute Musik aus Aussenlautsprechern „haben die Situation noch angespannter gemacht“ wie der 37-Jährige sagt. Die alkoholisierte Nicole S. habe ihn plötzlich von der Seite auf Spanisch angeschrien und sich zwischen die Beamten gedrängt. „Solche Situationen sind in so dichtem Gedränge besonders gefährlich, wir sind da lebende Waffenständer“, so L. und ergänzt, dass man gerade da leicht entwaffnet werden könne.

Opfer fasst Polizisten mehrmals an, dieser schlägt zu

Mehrmals habe S. ihn am Arm angefasst, auf Unterlassungsbitten – auch auf Englisch – sei sie nicht eingegangen, woraufhin er sie am Oberkörper von sich weg stieß, was die Frau noch wütender gemacht habe. Was genau sie wollte, habe L. wegen der Sprachbarriere nicht verstanden.

Als er seine Hand zur Abwehr vor ihr Gesicht hielt, habe sie diese „mit beiden Händen festgehalten und zu sich gezogen, woraufhin er mit einem Abwehrschlag reagiert habe, um sich aus dem Griff zu befreien,“, sagt L. Später habe sich laut Gordan L. herausgestellt, dass einer der fixierten Männer der Freund von S. gewesen sei.

Polizist gesteht: Schlag war nicht verhältnismäßig

„Für mich klingt das nicht nach einem Geständnis, sondern nach nach einer Rechtfertigung für den Schlag“, erwidert die Richterin, das sieht auch die Staatsanwaltschaft so. Für diese sei es wichtig, dass Gordon L. gesteht, um eine wahre Einsicht erkennen zu können. Schließlich gibt L. klar zu verstehen, dass sein Vorgehen und der Schlag falsch gewesen seien, „da ich in der Folge die Frau verletzt habe. Es ist meine Pflicht, Menschen nicht unverhältnismäßig zu verletzen und das ist mir in dem Moment nicht gelungen“, so L.

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Das Geständnis milderte die Strafe auf 500 Euro Schmerzensgeld und eine Geldbuße von 2000 Euro. Damit wird das Verfahren eingestellt. Auch erklärte L. sich bereit, sich bei Nicole S. zu entschuldigen.

Die 32-Jährige, die mit ihrem kleinen Kind und ihrem Ehemann aus Bremen angereist war, wird nicht nochmal aussagen. „Auch Frau S. ist froh, dass der Fall jetzt ein Ende findet und ist bereit mit ihnen zu sprechen“, so die Richterin.

Frau geschlagen; Folgen für Hamburger Polizist 

„Sehr geehrte Frau S. Es tut mir sehr leid, dass ich Sie geschlagen und ihnen wehgetan habe. Es tut mir besonders leid, dass ich Sie als Polizeibeamter dieser Stadt enttäuscht habe“, so L., der Nicole S. reumütig anschaut. Sie hat die Entschuldigung angenommen.

Über seine gerichtlichen Auflagen hinaus hat Gordan L. seine Stelle als Polizei-Gruppenleiter verloren, er hat im Dienst nur noch telefonischen Kontakt zu Bürgern und ein andauerndes Disziplinarverfahren.

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