Hamburger Mieter sauer: Wir wohnen in einer Bruchbude!
Meterlange Risse durchziehen Wohnzimmer und Fassaden, eine durchsichtige Plastikplane soll das Dach ersetzen und provisorisch angebrachte grüne Netze sollen die Bewohner vor fallenden Bauteilen schützen. Anwohner des ausgeblichenen grünen Wohnkomplexes in der Wrangelstraße in Eimsbüttel sprechen von 50 Jahren Sanierungsstau – seit Jahren kämpfen sie gegen die Missstände. Eigentümer „Heimstaden” weist die Vorwürfe der Mieter ab. Auch die Linksfraktion Eimsbüttel hat sich eingeschaltet.
E-Mails laufen ins Leere, Telefonnummern funktionieren nicht – zwischen Mietern und Eigentümer existiert keine Kommunikation, berichten Anwohner. Oliver Rensch wohnt seit etwa 20 Jahren in der Wrengelstraße in einem „rechtsfreien Raum.“ Als ein gebrochenes Wasserrohr sein Bad flutete, verharrte er ewig in der Warteschlange des „Heimstaden-Callcenters“ in Berlin. Die Hauptwasserleitung drehte er selbst ab, auch das Bad sanierte er aus eigener Tasche. Ständig muss er als Mieter Aufgaben des Eigentümers übernehmen.
So rechtfertigt sich das Unternehmen
Heimstaden erklärt gegenüber MOPO: „Die dringenden Sanierungsarbeiten haben bereits begonnen!“ Am 1. März 2025 sollten sie beginnen. Das Unternehmen bat die Mieter für die Verlegung von Versorgungsleitungen für Wasser, Wärme und Strom, ihre Dachböden zu räumen – nicht alle räumten fristgerecht. Die Arbeiten verzögerten sich. Anwohner Rensch bestätigt das. Doch auf einigen Dachböden lagerten Gegenstände von Vormietern, für die sich niemand verantwortlich fühlte. Bei der letzten Verwarnung im März forderte „Heimstaden“, die Kellerräume innerhalb weniger Tage zu räumen – davon war zuvor nie die Rede.
Mittlerweile sind Dachböden und Keller leer. Für Rensch kaschieren die anstehenden Sanierungsarbeiten nur das Hauptproblem: Arbeiten an Dach und Fassade sind erst 2026 geplant. Den „Sanierungsstau“ schreibt „Heimstaden“ den Voreigentümern zu. Das Unternehmen rechtfertigt sich: Die Sanierung sei nicht vorangekommen, weil sie lange auf Genehmigungen vom Bezirk warten mussten. Auch Auswahl und Beauftragung von Dienstleistern hätten Zeit gekostet.
Mieterverein und Mieter-Vernetzung kennen Kommunikations-Probleme
Einer der großen Mietervereine in Hamburg „Mieter helfen Mietern” beobachtet den Gebäudekomplex in der Wrangelstraße seit Jahren wegen zahlreicher Missständen. Warum ein Unternehmen mit über 1000 Beständen in Hamburg Probleme hat, Dienstleister zu finden, wundert den Verein. Auch die schwierige Erreichbarkeit von „Heimstaden“ ist dem Verein bekannt.
Die Vernetzung „StopHeimstaden” schreibt dem Unternehmen „Kommunikationsverweigerung” zu: „Heimstaden“ versuche die Möglichkeiten eines Austausches zu minimieren. Auch Fälle von Drohungen und Bluffs sind der Vernetzung bekannt. Sie betreiben Fahrlässigkeit im großen Stil, doch politische Zuständigkeiten und rechtliche Konsequenzen fehlen.
„All das wirkt wie eine Strategie, die auf Verdrängung und Profit abzielt.“
Im Januar 2023 stellte Mikey Kleinert (die Linke) wegen gravierenden Mängeln im und am Gebäude – trotz des Eigentümerwechsel von „Akelius“ zu „Heimstaden“ 2022 – eine Anfrage an das Bezirksamt Eimsbüttel. Kleinert fragt gezielt nach den Maßnahmen der Behörde. Er vermutet: Wenn „Heimstaden“ den Gebäudekomplex weiter verfallen lässt, wird das die größte Unbewohntheit Hamburgs – dem Bezirksamt fehle Personal dagegen vorzugehen. Partei-Kollege Marvin Brinkmann ergänzt: „All das wirkt wie eine Strategie, die auf Verdrängung und Profit abzielt.“ „Heimstaden“ betont jedoch: Ein Abriss des Gebäudes stand nie zur Debatte, sie haben immer an der Sanierung festgehalten.
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„Wenn wir in den Garten gehen, gucken wir erst immer nach oben wegen Steinschlag und wenn wir reingehen, dann immer ganz schnell, bevor ein Balkon herunter fällt”, erzählt Rensch. Ausziehen will er trotzdem nicht. Er will den Kampf gegen „Heimstaden“ zu Ende führen. „Schlimmer geht eh nicht mehr”, sagt er und zuckt mit den Schultern.