Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, links) im Gespräch mit N-Klub-Gründer Lars Meier.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, l.) im Gespräch mit N-Klub-Gründer Lars Meier. Foto: Matthias Stöwer

„Hamburger Mentalität“: Bürgermeister Tschentscher über die SPD, AfD und Olympia

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Am Montagabend füllten sich die Räume des E-Bike-Stores „Westküstenrad“ in Bahrenfeld bis auf den letzten Platz: Beim 58. N-Klub waren Journalist und Moderator Michel Abdollahi sowie Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher zu Gast. Tschentscher sprach über Hamburg als „sozialdemokratisches Reservat“, die AfD und die mögliche Olympia-Bewerbung.

„Was machen die Sozialdemokraten in Hamburg besser?“, fragte Lars Meier, Moderator und Gründer des N-Klubs (das „N“ steht für Nachhaltigkeit), Hamburgs Bürgermeister an diesem Abend. Zuletzt wirkte die SPD bundesweit in einer Dauerkrise, wie etwa das schwache Abschneiden in Baden-Württemberg mit 5,5 Prozent beim Landtag zeigt.

Tschentscher: „Diese Mentalität steckt in Hamburg“

„Wir sind in Hamburg ein sozialdemokratisches Reservat“, antwortete Tschentscher. Die Stadt habe früher nie einen Kaiser oder König gehabt, sondern sei stets eine freie Stadt gewesen. „Diese Mentalität steckt in Hamburg – das macht uns widerstandsfähiger gegen rückwärtsgewandte Ideologien und Rechtspopulismus.“ In der AfD seien tatsächlich „ziemlich radikale Gedanken“ unterwegs. Anfang 2025 erzielte die Partei in Hamburg jedoch mit 7,5 Prozent ein vergleichsweise niedriges Ergebnis.

Auch Journalist und Moderator Michel Abdollahi kam an diesem Abend direkt auf die AfD zu sprechen. Im vergangenen Jahr war er mit seinem Buch „Es ist unser Land. Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen“ auf Tour durch die Bundesrepublik. Besonders eindrücklich erinnerte er sich an die Lesung in Kaiserslautern, wo die AfD zuletzt 19,5 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erzielt hatte.

Michel Abdollahi fordert ein Einsetzen aller für die Demokratie

Ein Mann aus dem Publikum habe ihn dort gefragt, warum er nicht über Migration gesprochen habe – die Stadt sei dadurch ja angeblich unsicher geworden. „Ich habe dann nachgehakt, wo genau es denn unsicher sein soll“, erzählte Abdollahi. „Ich bin ja vom Fach.“ Abdollahi selbst wurde in Teheran geboren und zog 1986 mit seinen Eltern nach Eidelstedt. Auf seine Nachfrage konnte der Mann jedoch keine konkreten Beispiele nennen, die seine Aussage stützten.

Michel Abdollahi hielt beim „N-Klub“ einen Impulsvortrag. Matthias Stöwer
Michel Abdollahi hielt beim „N-Klub“ einen Impulsvortrag.
Michel Abdollahi hielt beim „N-Klub“ einen Impulsvortrag.

Abdollahi wollte wissen, was den Mann wirklich beschäftige. „Er gab zu, dass er sich einsam fühle. Ich habe ihm angeboten, ihn einmal in den Arm zu nehmen“, erzählte er. Die Botschaft: Man müsse auf die Menschen zugehen. „Wir erwarten oft, dass die Politik alles ändert, aber wir müssen selbst aktiv werden. Wenn ihr nichts für die Demokratie tut, könnt ihr euch später nicht beschweren, wenn es schlecht läuft.“ Abdollahi gab den Anwesenden eine kleine Hausaufgabe: Jeden Tag fünf Minuten für die Demokratie einzusetzen. Hamburg sei vielleicht noch eine „Insel der Glückseligen“, doch auch diese werde Schritt für Schritt verlassen.

Olympia in Hamburg: Tschentscher betont demokratischen Gedanken

Bürgermeister Tschentscher betonte, dass man etwa an den großen Demos gegen Rechts in Hamburg gesehen hätte, wie sehr sich die Bewohner für Demokratie einsetzen würden. Auch den anstehenden Volksentscheid über eine mögliche Hamburger Olympia-Bewerbung bezeichnete er als demokratisch. „Ein Volksentscheid ist keine Niederlage oder ein Sieg, sondern eine Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger“, antwortete er auf Lars Meiers Frage, ob er eher mit einem Sieg oder einer Niederlage rechne. Tschentscher setzt sich seit Monaten für Olympia in der Hansestadt ein und ist derzeit auf Tour durch die Bezirke. „Es wäre bedenklich gewesen, wenn wir uns beworben hätten, ohne vorher die Bürgerinnen und Bürger zu befragen.“

Gewannen den Haspa-Nachhaltigkeitspreis: Das Regenbogenhaus St. Pauli. Matthias Stöwer
Gewannen den Haspa-Nachhaltigkeitspreis: Das Regenbogenhaus St. Pauli.
Gewannen den Haspa-Nachhaltigkeitspreis: Das Regenbogenhaus St. Pauli.

Der „N Klub“, den die MOPO seit 2008 medial unterstützt, bringt engagierte Menschen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen. Und innovative Projekte werden auch finanziell unterstützt. So wurde auch wieder der „Haspa Nachhaltigkeitspreis“ verliehen – dieses Mal gingen die 2500 Euro an das Regenbogenhaus St. Pauli. Die Initiative setzt sich für Vielfalt, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und schafft Räume für Begegnung und Unterstützung. 

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