Hamburger Jung soll abgeschoben werden – Handwerker kämpfen für ihren Kollegen
Dieses Team hält fest zusammen: Die Mitarbeiter des Hamburger Handwerksbetriebs Nordwærme haben einen Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher geschrieben, um die drohende Abschiebung eines beliebten Kollegen zu verhindern. Selbst der Geschäftsführer sagt: „Fouad ist mehr Hamburger Jung als ich.“
Sie stünden „fassungslos vor einer bürokratischen Entscheidung (…), die einen unserer besten Männer aus unserer Stadt reißen will“, schreiben die Mitarbeiter in ihrem Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der der MOPO vorliegt.
Hamburger Handwerksbetrieb kämpft gegen die Abschiebung eines beliebten Kollegen
Was das Team überhaupt nicht versteht: Kollege Fouad wurde vor 49 Jahren in Hamburg geboren, ging hier zur Schule, machte seine Ausbildung, bekam zwei Kinder. „Er hat als Kind mit seinem Vater in Övelgönne Fische direkt vom Kutter gekauft, als es das noch gab!“, erzählt Nordwærme-Geschäftsführer David Burckhardt, der sich große Sorgen macht, einen zuverlässigen und engagierten Mitarbeiter zu verlieren.
„Er trennt sogar seinen Müll!“, betont Burckhardt ironisch unter Verweis auf die Ausländerbehörde, die in einem Schreiben vom 1. April – man könnte es für einen Aprilscherz halten – festhält, dass Fouad „kein Zertifikat ,Leben in Deutschland‘, kein Sprachzertifikat bzw. Abschlusszeugnis nachweisen könne“. Gefordert wird ein Zertifikat für das Sprachniveau A2 – also Anfänger!
Für David Burckhardt und seine Belegschaft ist das „haarsträubender Unsinn“. „Fouads Muttersprache ist Deutsch!“, sagt der Geschäftsführer. „Er ist bei uns fest angestellt. In Vollzeit und unbefristet. Er macht mit unserem Einsatz für die Wärmewende eine wichtige Arbeit für die Stadt.“
Belegschaft schreibt Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher
Das Problem: Fouad ist zwar ein waschechter Hamburger Jung, besitzt aber nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Als seine Eltern und seine Geschwister 1996 eingebürgert wurden, war er gerade 18 geworden und musste deshalb unabhängig von der Familie einen eigenen Antrag stellen. Das tat er auch. Nur, weil er zu dem Zeitpunkt Berufsschüler ohne eigenes Einkommen war, erhielt er statt der Nationalität lediglich eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis.
Was er nicht wusste: Diese erlischt, sobald er seinen Wohnsitz für längere Zeit ins Ausland verlegt. 2015 ging Fouad für sieben Jahre nach Marokko, die Heimat seiner Eltern. Als er zurückkam, machte er sich keine Gedanken über Dinge wie seinen Aufenthaltsstatus. Schließlich ist er schon immer an der Elbe zu Hause und nirgendwo anders.
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Die Ausländerbehörde vergaß ihn allerdings nicht – und setzte ihm nun eine Frist zur Ausreise: 30. Juni. Durch seinen zwischenzeitlichen Aufenthalt in Marokko sei „das Band der Integration mit der Bundesrepublik Deutschland durchtrennt“. Bei Nichteinhaltung der Ausreisefrist drohe die Abschiebung, teilte die Behörde mit.
„Die Behörden stürzen sich auf diejenigen, die Arbeit haben“
„Die Behörden stürzen sich immer auf diejenigen, die Arbeit haben und deshalb greifbar sind“, schimpft Geschäftsführer David Burckhardt. An den Bürgermeister schrieb er mit seinem Team: „Fouad ist ein feiner Kollege und ein Mensch, der für jeden stets ein Wort der Ermutigung und Aufmunterung parat hält.“
Die Nordwærme-Mannschaft fordert Peter Tschentscher direkt auf: „Bitte lassen Sie nicht zu, dass eine lebensfremde Bürokratie zu einer existenzbedrohenden Härte werden kann und ein Hamburger Leben zerstört.“