Hamburg

Hamburger Hausärzte über Reformpläne empört: „Katastrophe!“

Dr. Jana Husemann, Vorsitzende des Hamburger Hausärzteverbandes

Die Reformbeschlüsse der Bundesregierung zu Krankmeldungen lösen heftige Kritik bei Hamburger Ärzten aus. Gegenüber der MOPO sprechen zwei von einer Katastrophe, die auf Patienten und Ärzte zukommt.

Wenn es nach den Reformbeschlüssen der Bundesregierung geht, heißt es künftig: Am ersten Tag zum Arzt, Krankschreibung holen! Friedrich Merz dürfte es dabei vor allem um die Senkung der durchschnittlichen Krankheitstage in Deutschland gehen. Rund 15 im Jahr, ist der aktuelle Stand. Für Merz? Zu viele! „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, fragte er im Januar auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn. Doch auf seine Reformbeschlüsse folgt jetzt heftige Kritik.

Kai-Uwe Helmers (58) ist in seiner Praxis, als er mit der MOPO telefoniert. Es mache ihn wütend, dieser Reformbeschluss, sagt er, bevor überhaupt eine Frage fällt. Helmers ist, wie viele seiner Kolleg*innen, aufgebracht. Eine Krankschreibung bereits für den ersten Tag bedeute für Praxen noch mehr Arbeit. „Wenn Menschen krank sind, können sie häufig nicht direkt kommen. Dafür ist die telefonische AU gut“, sagt Helmers. „Wenn jemand erkältet ist, ist am ersten Tag in der Regel medizinisch wenig zu tun, außer festzustellen, dass es dem Patienten schlecht geht. Wenn die Krankheit nicht nachlässt oder schlimmer wird, muss ich intervenierend eingreifen.“

Hausarzt Kai-Uwe Helmers (Archivfoto)

Arzt: Reformbeschlüsse werden das Leben der Kranken erschweren

Seit 2003 ist Helmers niedergelassener Arzt in Altona. Die Reformbeschlüsse, so fürchtet er, werden weder für Patient:innen noch für die Ärzt:innen von Vorteil sein. „Es wird das Leben der Kranken erschweren, auf jeden Fall“, sagt er. „Es wird zu mehr Arbeit, mehr Aufwand und mehr Bürokratie führen. Schlussendlich wird weniger Zeit für die Versorgung da sein“, so seine Prognose.

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Viele Patienten hätten bereits ihren Unmut mitgeteilt. „Es löst absolutes Kopfschütteln aus. Alle sind sprachlos. Ich habe auch nicht eine ärztliche Stimme gehört, die nicht entsetzt und empört ist“, berichtet er. 

In dem Reformpapier heißt es: „Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft und die unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach § 278 StGB stärker bestraft. Wir führen eine verpflichtende Vorlage der AU-Bescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung sowie im Rahmen der Umsetzung des Primärarztgesetzes eine ‚Termingarantie Fachärzte‘ ein.“

„Wenn es wirklich so kommt, wird es eine Katastrophe“

Im Jahr 2024 lag der Krankenstand in Deutschland laut des statistischen Bundesamtes bei 14,8 krank gemeldeten Tagen. „Wir sind da im Mittelfeld im internationalen Vergleich und gar nicht weit oben“, sagt Dr. Jana Husemann (44), Vorsitzende des Hamburger Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Sie ist niedergelassene Ärztin in einer Gemeinschaftspraxis auf St. Pauli. „Wenn es wirklich so kommt, wird es eine Katastrophe“, sagt sie über die Reformbeschlüsse.

„Es zeigt ein Misstrauen, das gegenüber den Bürgern hier herrscht.“ Aus ihrer Erfahrung seien es nur Einzelfälle, die die telefonische Krankschreibung missbrauchen. „Da ist eigentlich ein ganz hohes Verantwortungsbewusstsein. Und dieser Anstieg der AUs, der ist dadurch zu erklären, dass es hier eine digitale Erfassung gibt. Und 2025 ist das ja auch schon wieder leicht zurückgegangen“, so Husemann.

Sie geht davon aus, dass diese Reformbeschlüsse die Wähler von den regierenden Parteien weiter wegtreiben werden. „Wenn man dem Bürger nur noch mit Misstrauen begegnet, finde ich das eine gefährliche Entwicklung.“

Wenn es nach den Reformbeschlüssen der Bundesregierung geht, heißt es künftig: Am ersten Tag zum Arzt, Krankschreibung holen! Friedrich Merz dürfte es dabei vor allem um die Senkung der durchschnittlichen Krankheitstage in Deutschland gehen. Rund 15 im Jahr, ist der aktuelle Stand. Für Merz? Zu viele! „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, fragte er im Januar auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn. Doch auf seine Reformbeschlüsse folgt jetzt heftige Kritik.

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