Hamburger Experte über Ebola: „Das Virus überschwemmt den ganzen Körper“

Prof. Dr. Stephan Günther vom Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin in Hamburg
Experte für Ebola-Viren: Prof. Dr. Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Immer mehr Infizierte, immer mehr Leichen. In Zentralafrika breitet sich das Ebola-Virus aus. Von der Demokratischen Republik Kongo hat es die Grenze nach Uganda übersprungen. Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung wächst. Die MOPO sprach mit dem Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), Prof. Dr. Stephan Günther, über die Folgen für die Welt.

MOPO: Vor zwölf Jahren sorgte ein Ebola-Verdacht für Aufregung in Hamburg. Ein Schiff wurde unter Quarantäne gestellt, ein Junge im Schutzanzug durch die Stadt geführt. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Virus nach Hamburg kommt?

Prof. Dr. Stephan Günther: Das ist sehr unwahrscheinlich. Bei dem bisher größten Ebola-Ausbruch 2014 bis 2016 kam es auch nicht zu einer weltweiten Ausbreitung. Zwar gab es einzelne Fälle auch in Europa oder Nordamerika. Doch durch eine schnelle Isolation konnten die kontrolliert werden. Die afrikanischen Länder sind mittlerweile sehr gut vorbereitet auf solche Ausbrüche und haben viel Erfahrung.

Wie genau erfolgt die Übertragung?

Anders als bei Corona braucht es bei Ebola einen engen Körperkontakt zu einem Erkrankten, um sich zu infizieren. Die Ansteckung erfolgt durch den direkten Kontakt mit Speichel oder Urin.

Stephan Guenther
Im Ebola-Einsatz: Professor Günther 2014 in Nigeria.

Was ist, wenn mich ein Infizierter anhustet?

Wenn Sie direkt vor der Person stehen und den Speichel ins Gesicht bekommen, sind Sie gefährdet. Sobald Sie etwas entfernter stehen, nicht. Die Übertragung erfolgt nicht durch feine Aerosole, über eine größere Distanz hinweg wie bei Corona.

Warum dann die rasche Ausbreitung in Zentralafrika?

Das hat unter anderem auch etwas mit regionalen Bräuchen zu tun. Die meisten Ansteckungen gibt es bei der Pflege oder bei Begräbnissen. In der Demokratischen Republik Kongo ist ein enger Abschied vom Verstorbenen üblich. Auch Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sind gefährdet. Sobald sie aber Schutzbrille, Maske und Handschuhe tragen, sind sie ganz gut geschützt.

Warum ist es so schwierig, diesen Ausbruch zu stoppen? Warum gibt es immer noch keine Behandlungsmöglichkeit und keinen Impfstoff?

Das hat etwas mit dem Virus selbst zu tun. Es gibt inzwischen sechs verschiedene Ebola-Virus-Arten. Die aktuelle Bundibugyo-Art ist relativ selten, es gab erst zwei Ausbrüche. In der DR Kongo ist das Zaïre-Ebola-Virus am häufigsten. Für diese Art gibt es eine Impfung und eine Antikörper-Therapie. Sie funktioniert aber nicht beim Bundibugyo-Virus. Auch für Bundibugyo wird an Impfstoffen und Therapien gearbeitet. Sie sind aber noch nicht zugelassen, weil es wegen des seltenen Vorkommens bisher nur an Tieren und noch nicht am Menschen getestet werden konnte.

Und warum ist die Diagnostik so schwierig?

Aus dem gleichen Grund: Die Test-Systeme in der DR Kongo sind für das Zaïre-Ebola-Virus ausgelegt. Die Proben mussten daher erst in die Hauptstadt gebracht werden, wo es gute Labore gibt. Das kostet Zeit. Wir vom BNI haben unsere Unterstützung angeboten. So wie viele andere Institute auch.

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Warum ist Ebola so tödlich?

Das Besondere an dem Virus ist, dass es nicht nur ein Organ befällt, sondern den ganzen Körper überschwemmt. Dadurch wird das Immunsystem extrem gefordert. Es reagiert unheimlich stark, aber nicht effizient. Die Folge ist, dass Blutungen entstehen, Gefäße undicht werden und Organe geschädigt werden. So kommt es zu Nieren- oder Leberversagen. Es ist vermutlich nicht das Virus selbst, das tötet, sondern die enorme Reaktion des Körpers.

Immer mehr Infizierte, immer mehr Leichen. In Zentralafrika breitet sich das Ebola-Virus aus. Von der Demokratischen Republik Kongo hat es die Grenze nach Uganda übersprungen. Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung wächst. Die MOPO sprach mit dem Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), Prof. Dr. Stephan Günther, über die Folgen für die Welt.