Hamburger Café vor dem Aus: Wirtin stinksauer – „das lasse ich nicht mit mir machen!“
Einen Treffpunkt in ihrem Stadtteil zu haben – das war jahrelang der Wunsch vieler Groß Borsteler. Im Februar eröffnete dann das langerwartete Kulturcafé im Stavenhagenhaus in der Frustbergstraße – musste aber bereits Anfang März aufgrund einer Nachbarschaftsklage wieder schließen. Seitdem war es still geworden, im Hintergrund liefen viele Gespräche. Jetzt gibt es allerdings eine bittere Nachricht, die Gastronomin Alexandra Lübeck fassungslos macht.
„Mir ist es noch nie so schwergefallen, etwas zu moderieren, wie heute“, mit diesen Worten begrüßte Ulrike Zeising, Vorsitzende des Kommunalverein Groß Borstel, die Vereinsmitglieder zum Sommerfest am Mittwochabend. Denn die Feierlichkeiten wurden von einer traurigen Nachricht überschattet: Das Café im Stavenhagenhaus steht endgültig vor dem Aus.
Stavenhagenhaus: Kulturcafé eröffnete im Februar 2024
Dabei hatten sich, als das Kulturcafé Anfang Februar eröffnete, zunächst viele gefreut. Doch nur fünf Wochen später war schon wieder Schluss. Gastronomin Alexandra Lübeck, die auch das Café „Barmbeker Herzstück“ betreibt, musste die Türen wieder schließen. Grund dafür war der Beschluss in einem Eilverfahren des Hamburger Verwaltungsgerichts. Geklagt hatten die Nachbarn.
Unter den zwei Kläger-Ehepaaren befand sich auch ein bekanntes Gesicht: CDU-Politiker Berndt Röder, der bis 2010 Präsident der Hamburgischen Bürgerschaft war. Er trat allerdings zurück, als die MOPO damals aufdeckte, dass er im Februar 2010 exklusiv seine Wohnstraße von Eis befreien ließ. Anwaltlich vertreten wird er vom Ex-Bezirkschef von Hamburg-Nord, Mathias Frommann (SPD).
Darum geht es bei der Klage im Stavenhagenhaus
Gemeinsam warfen sie dem aktuellen Bezirkschef Michael Werner-Boelz (Grüne) vor, den Cafébetrieb eigenmächtig vorangetrieben zu haben. In einem Wohngebiet, so argumentierte Frommann, sei eben keine Gastronomie erlaubt. „Mein Mandant und andere Nachbarn wollten mit dem Bezirksamt im Vorfeld darüber verhandeln, unter welchen Bedingungen sie eine Gaststätte für möglich erachtet hätten. Da hat die Behörde aber nur auf eine öffentliche Veranstaltung verwiesen“, sagte er der MOPO im März und bezeichnete die Kommunikation als spärlich.
Dann schien es zunächst, als habe es Bewegung zwischen den verhärteten Fronten gegeben: Der Bezirk ging mit einem Gesprächsangebot auf die Kläger zu. „Viel zu spät“, hieß es bissig in der politischen Opposition.
Gespräche rund ums Stavenhagenhaus liefen ins Leere
Doch die Gespräche liefen nach MOPO-Informationen ins Leere. Der Kompromissvorschlag der Kläger: Ein Cafébetrieb jeden Tag bis 19 Uhr – aber nur drinnen und überhaupt nicht auf der Terrasse. „Das war für mich keine Option“, erklärt Lübeck. Die Klage vor dem Verwaltungsgericht läuft währenddessen weiter, das könnte je nach Verfahrensdauer zwischen fünf und zehn Jahren dauern.
Was passiert also in der Zwischenzeit? „Am vergangenen Freitag bekam ich vom Rechtsamts des Bezirks Hamburg-Nord ein Schreiben mit der Bitte, meinen im Januar unterschriebenen Pachtvertrag aufzulösen. Dazu kam das Angebot einer Summe für die entstandenen Personalkosten“, erzählt die Gastronomin. „Einen neuen Pachtvertrag würde es nicht geben, denn im Moment sähen sie dort nicht die Möglichkeit für eine Gastronomie.“
Gastronomin wehrt sich: „Werde nicht einfach eine Auflösung unterschreiben”
Das wollen sie und ihr Anwalt aber nicht so hinnehmen. „Ich werde nicht einfach eine Auflösung unterschreiben. Wir fordern einen Schadensersatz. Denn immerhin wäre der Pachtvertrag über fünf Jahre gelaufen“, sagt sie. „Ich hab hier so viel Geld reingesteckt, das lasse ich nicht mit mir machen!“ In der nächsten Woche hat sie dafür einen Termin. „Das ist wirklich so absurd – immerhin war der Bezirk derjenige, der anfangs auf mich zukam und fragte, ob ich mich hier bewerben wolle.“
Bezirkschef Werner-Boelz bestätigt auf MOPO-Anfrage, dass die Vergleichsbemühungen von den Klägern als gescheitert erklärt wurden. Trotzdem würden weiterhin verschiedene Wege geprüft, um eine Öffnung des Hauses umzusetzen. „Dabei geht es auch darum, die derzeit missliche Situation, dass Diele und Gartensaal nicht genutzt werden können sowie eine Selbstversorgung inklusive mitgebrachten Gläsern zeitnah beendet werden kann.“
„Ohne Gastronomie ist dieses Haus tot“, fasst Zeising die Situation zusammen. Im Verein kann man die Nachricht gar nicht fassen: Ein Mitglied schlug vor, am Ende der Hamburger Sommerferien eine Demo zu organisieren und möglichst viele Menschen im Stadtteil zu mobilisieren. Zustimmendes Gemurmel. Bis dahin versuchten die Gäste an diesem Abend trotzdem, das Sommerfest irgendwie zu genießen – mangels Gastronomie mit selbst mitgebrachten Getränken und Gläsern.