Hamburger AfD-Mann bei Rechtsextremen-Treff in Russland gesichtet

Robert Rischs Reise zu einem Treffen von Neofaschisten nach St. Petersburg hat Folgen für den AfD-Mann.
Robert Rischs Reise zu einem Treffen von Neofaschisten nach St. Petersburg hat Folgen für den AfD-Mann.

Robert Risch, AfD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft und in der Bezirksversammlung Altona, hat am Wochenende offenbar am Treffen einer Vereinigung ultrarechter Parteien und Neonazi-Gruppierungen aus der ganzen Welt in Sankt Petersburg teilgenommen. Das hat das Hamburger Bündnis gegen Rechts bekannt gegeben. Und: Neben Risch nahm eine weitere einst prominente Hamburger AfD-Frau an dem Treffen teil.

Bei der „Gründungskonferenz der Internationalen Liga der Antiglobalisten“ ist Risch auf Fotos als Vertreter für „Germany“ zu sehen – wobei offenbar versucht worden war, das Gesicht des Hamburgers auf den offiziellen Bildern unkenntlich zu machen. Kontakte der AfD nach Russland und Sympathie für Putin sind für viele AfD-Wähler kein großes Problem, aber allzu plakativ möchte man auch nicht mit dem Regime des Diktators in Verbindung gebracht werden.

Andere an dem Kongress teilnehmende Organisationen veröffentlichten jedoch unverpixelte Bilder. Die wertete der US-Auslandssender „Radio Liberty“ aus – und identifizierte darauf mithilfe des RTL-Journalisten Sergej Maier den Hamburger AfD-Mann, am Tisch sitzend hinter einem Schild mit der Aufschrift „Germany“. Risch ist Diplomingenieur und Softwareentwickler und war mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender der AfD in Altona, bevor er 2025 in die Bürgerschaft einzog.

Olga Petersen, AfD
Olga Petersen in der Hamburgischen Bürgerschaft (Archiv)

Auch die frühere Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Olga Petersen ist auf Bildern der Veranstaltung in St. Petersburg zu sehen. Petersen war im vergangenen Jahr erst aus der Fraktion und dann aus der Partei geflogen, weil ihre Begeisterung für Putin selbst der AfD zu extrem wurde. Sie lebt inzwischen in Russland.

Generalkonsulin der Ukraine reagiert scharf

Die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg, Iryna Tybinka, reagiert mit scharfen Worten: „Wenn ein Hamburger Abgeordneter während des hybriden Kriegs Russlands gegen ganz Europa mit dem Aggressor kollaboriert, fragt man sich unwillkürlich, ob es nicht zu spät ist, vor dem russischen Stiefel auf deutschem Boden zu warnen, wenn einige dieser Stiefel bereits jetzt in der Bürgerschaft stehen.“

Blonde Frau am Mikrofon
Iryna Tybinka, Generalkonsulin der Ukraine in Hamburg

Partei und Fraktion kündigen „nötigenfalls Konsequenzen“ an

Der Hamburger AfD ist der Ausflug ihres verkehrspolitischen Sprechers zu dem Treffen in Russland offenbar peinlich: „Die Teilnahme ist weder mit der Fraktion noch mit der Partei abgesprochen worden“, heißt es auf MOPO-Nachfrage von der Pressestelle: „Sowohl Fraktion als auch Partei werden den Fall untersuchen und nötigenfalls Konsequenzen ziehen.“

Die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft fordert die AfD auf, Risch umgehend aus ihren Fraktionen in der Bürgerschaft und der Bezirksversammlung Altona auszuschließen. Zudem müsse Risch selbst die Konsequenzen ziehen und seine Mandate niederlegen. Dennis Gladiator, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion: „Robert Risch hat nicht nur politisch versagt, sondern unser Land verraten. Er ist alles andere als ein Patriot. Die Teilnahme an einem internationalen Kongress neofaschistischer Kräfte in Russland ist abstoßend und in der Sache gefährlich für die Sicherheit Deutschlands.“

Auch Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts fordert den Parteiausschluss: „Für Robert Risch muss nun das Gleiche wie für Olga Petersen folgen, wenn er an einem internationalen Kongress faschistischer und extrem rechter Organisationen in Russland teilnimmt, während dessen Präsident Putin den brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine zeitgleich intensiviert.“

Kämpfer gegen die liberalen Werte des Westens

Laut „Radio Liberty“ wurde das Treffen von dem milliardenschweren Oligarchen Konstantin Malofejew und dem Philosophen und Putin-Vertrauten Alexander Dugin organisiert. Malofejew und der als faschistisch eingeschätzte Scharfmacher Dugin träumen von einem Großrussland und gelten als Treiber des russischen Überfalls auf die Ukraine. Beide, so „Radio Liberty“, werben international für den Kampf gegen die liberalen Werte des Westens.

Das könnte Sie auch interessieren: Brandmauer adé: CDU will mithilfe der AfD Vorsitz in Harburg „erputschen“

Deniz Celik von der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft sieht die Hamburger AfD als „Teil eines internationalen extrem rechten Netzwerks“: „Vor diesem Hintergrund bleibt es schleierhaft, weshalb der Verfassungsschutz in Hamburg die AfD nicht als Verdachtsfall einstuft.“