Hamburg schließt Unterkünfte für Geflüchtete? Das stimmt nur halb

Außenansicht eines Gebäudes am Überseering mit Unterkünften für Geflüchtete. (Archivbild)
Außenansicht eines Gebäudes am Überseering mit Unterkünften für Geflüchtete. (Archivbild)

Anfang der Woche hieß es, Hamburg baue in diesem Jahr mehr als 10.000 Plätze für Geflüchtete ab, mehrere Standorte würden schließen. Auch die MOPO berichtete. Weitere Recherchen zeigen jedoch: Das stimmt nur so halb. Zwei Großstandorte, die immer wieder für Probleme sorgen, sollen erhalten bleiben. Andererseits werden mehrere Tausend Plätze abgebaut, vor allem eine besonders teure Unterbringungsform wird stark zurückgefahren.

Tatsächlich laufen 2026 die bestehenden Verträge und planmäßige Laufzeiten für mehrere Unterkünfte aus. Die Sozialbehörde betont gegenüber der MOPO jedoch, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen seien – denn der Bedarf bestehe weiterhin. „Angesichts des weiterhin hohen Unterbringungsbedarfs sowie der anhaltend hohen Auslastung des Gesamtsystems der öffentlichen Unterbringung prüfen die zuständigen Behörden sowie F&W intensiv fortlaufend alle Möglichkeiten, Unterbringungskapazitäten neu zu errichten bzw. zu erhalten.“

Hamburg: Sozialbehörde will Unterkünfte verlängern

Das zeigt sich etwa an zwei großen Standorten: Schwarzenbergplatz (512 Plätze), dessen Vertrag eigentlich im April endet, soll weiterlaufen – er sei „unverzichtbar, um den Unterbringungsbedarf im Gesamtsystem zu decken“, so der Behördensprecher. Zudem werde geprüft, ob der Zwischenstandort Überseering (1100 Plätze) über September hinaus verlängert wird.

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Abgebaut wurden bis Anfang Februar bereits 1136 Plätze – darunter auch die Plätze der Schutzunterkunft für von Gewalt betroffene geflüchtete Frauen, was die Linke scharf kritisiert. Im Laufe dieses Jahres sollen weitere 1113 Plätze an sieben Standorten außer Betrieb gehen. 622 davon betreffen Hostel- und Hotelplätze. Parallel sollen 2026 jedoch knapp 800 Plätze in regulären Erstaufnahme-Unterkünften entstehen, die in der Bilanz gegengerechnet werden müssen.

Kosten für Geflüchtete: Das ist der Kurs der Behörde

Finanzpolitisch ist der Kurs attraktiv: Hotelunterbringung ist mit einer Pauschale von 81 Euro pro Platz und Tag extrem teuer. Fallen mehr als 600 solcher Plätze weg, entfallen auch ihre laufenden Kosten von rund 18 Millionen Euro im Jahr. Plätze in regulärer Unterbringung kosten weniger als die Hälfte. „Ziel der aktuellen Kapazitätssteuerung ist vorrangig der Abbau besonders kostenintensiver und nur temporär verfügbarer Standorte“, erklärt so auch die Behörde. Kapazitäten im Regelsystem sollen dagegen aufgebaut werden. Je nach Lage könne es aber nötig werden, temporäre Unterbringung länger aufrechtzuerhalten. Die Spielräume in Hamburg seien aber begrenzt; es fehlten langfristig verfügbare Immobilien.

Ende 2025 waren in Hamburg rund 5200 Geflüchtete in Hotels untergebracht, etwa 90 Prozent von ihnen kommen aus der Ukraine.