Hamburg kann den Diebsteich-Plan nicht einhalten – und was passiert mit Altona 93?
Es ist eins der größten Infrastrukturpojekte in Hamburg: die Verlegung des Fernbahnhofs Altona zum Diebsteich, ein millionenschweres Projekt. Die Bauarbeiten dazu laufen bereits seit einigen Jahren, doch kann das angepeilte Eröffnungsdatum eingehalten werden? Fest steht jetzt jedenfalls: Für das gegenüber vom Bahnhof geplante Regionalligastadion für Altona 93 sowie eine Musikhalle gibt es schlechte Nachrichten.
„Der Bahnhof setzt im Hamburger Westen ein modernes und repräsentatives Zeichen für moderne Stadtentwicklung und klimafreundlichen Schienenverkehr“, das waren die Worte von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zum Spatenstich des neuen Fernbahnhofs Diebsteich im Juli 2021. Wer mit den S-Bahn-Linien S3 oder S5 unterwegs ist, kann seitdem bei einer Fahrt nach Langenfelde die Bauarbeiten live mitverfolgen.
Fernbahnhof Diebsteich: Das ist der angepeilte Eröffnungstermin
Und doch kursierten in den vergangenen Monaten immer wieder Gerüchte in der Stadt, nach denen das angepeilte Eröffnungsdatum im Jahr 2027 von der Deutschen Bahn nicht eingehalten werden kann. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht, immerhin musste erst vor Kurzem die Eröffnung der seit zwei Jahren gesperrten S-Bahnstation Diebsteich zum zweiten Mal verschoben werden. Grund war unter anderem ein fehlender Abnahmeprüfer.
Wie aus einer aktuellen Anfrage der CDU-Abgeordneten Anke Frieling hervorgeht, die der MOPO vorliegt, hält die Bahn allerdings weiterhin an der Bahnhofs-Einweihung für 2027 fest. „Die DB plant, den ersten Fernbahnsteig im Jahr 2025 fertigzustellen. Anschließend soll der Bau des zweiten und dritten Fernbahnsteiges erfolgen“, heißt es in der Senatsantwort.
Gegenüber vom Bahnhof sollte das neue Stadion entstehen
Auch das Projekt mit dem sperrigsten Namen der Stadt, dem „Verbindungsbahnentlastungstunnel“ (VET), sollen die Fernbahnhof-Planungen demnach nicht beeinflussen. Der VET ist ein neuer S-Bahn-Tunnel, der unterirdisch zwischen Hauptbahnhof und Altona verlaufen soll und die Verbindungsbahn mit den Stationen Sternschanze und Holstenstraße für Regional- und Fernzüge freimachen soll. Der genaue Verlauf dieses Tunnels wird Ende dieses Jahres vorgestellt.
Dafür hat der VET aber Einfluss auf zwei andere Projekte: Direkt gegenüber vom Fernbahnhof sollen auf dem ehemaligen ThyssenKrupp-Gelände ein Fußballstadion für Altona 93 sowie eine Musikhalle mit 5000 Plätzen, Büroflächen, Kita, Gastronomie und Einzelhandel entstehen. Geplant war, dass der Verein Anfang 2027 ins neue Stadion umzieht.
Musikhalle und Fußballstadion verzögern sich deutlich
Laut der Anfrage machen die „zeitlich intensiven und inhaltlich komplexen Überlegungen zum möglichen Streckenverlauf des VET“ es jetzt allerdings erforderlich, dass das ehemalige ThyssenKrupp-Areal teilweise untergraben wird. Das sorgt dafür, dass beim Stadion und der Musikhalle jetzt umgeplant werden muss. Mit dem neuen Entwurf rechnet der Senat im Herbst 2025 und mit einer Baugenehmigung Mitte 2027. Angepeilte Bauzeit: Zweieinhalb Jahre.
Heißt also: Frühestens Anfang 2030 könnte Altona 93 ins neue Stadion umziehen. Für Frieling eine Katastrophe. „Durch die langandauernden Prüfungen zum Verbindungsbahnentlastungstunnel kommen alle anderen geplanten Hochbauten zum Stillstand“, sagt sie der MOPO. „Das ist besonders tragisch für das Stadion von Altona 93. So lange wird sich ein weiterer erfolgreicher Hamburger Verein mit einem Provisorium behelfen müssen.“
Auch für die Wohnbaugenossenschaft Altoba sind das schlechte Nachrichten: Sie wollte eigentlich ab 2027 um die 300 Wohnungen auf dem Gelände der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Ottensen errichten, wo die Fußballer von Altona 93 heute noch kicken.
Zudem stiegen die Baukosten durch die Verzögerungen deutlich an. Wie viel genau, beantwortet der Senat in der Anfrage allerdings nicht. „Es ist zu erwarten, dass ausgehende Finanzierungen signifikant nachgebessert werden müssen. Auch das wird dauern. Das Projekt Diebsteich läuft zeitlich und finanziell völlig aus dem Ruder“, so Frieling. Bislang geht die Bahn von Baukosten in Höhe von 548 Millionen Euro aus.