Hamburg im Visier Putins: Dem Hafen drohen russische Sabotageaktionen
Am 24. Februar jährt sich der Beginn des russischen Angriffskrieges zum dritten Mal. Und weil Deutschland fest an der Seite der Ukraine steht, befindet sich auch unser Land „längst im Visier von Russland und seinen autokratischen Verbündeten“, sagt Kapitän zur See Kurt Leonards, der Standortälteste der Bundeswehr in Hamburg. Moskau führe „hybride Aktionen gegen die westliche Allianz durch, deren Intensität kontinuierlich zunimmt“, so der Offizier. Das Spektrum reiche von Cyberangriffen über politische Einflussnahme bis hin zu militärischen Drohgebärden – und auch die Stadt Hamburg werde längst ins Visier genommen.
In der Rede, die er am Freitag beim Neujahrsempfang der Bundeswehr in der Helmut-Schmidt-Universität in Jenfeld hielt, erinnerte Leonards an die Worte von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der erst kürzlich darauf hingewiesen hatte, dass es bereits heute eine große Anzahl von Cyberangriffen auf den Hamburger Hafen gebe. Sollten sich die Spannungen zwischen Russland und der NATO verschärfen, sei auch mit härteren Sabotageakten zu rechnen.
„Abschreckung durch Resilienz: Deutschland muss kriegstüchtig werden“
Leonards sagte in seiner Rede, dass sich Deutschland in einem Zustand befinde, der nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht wirklich Krieg sei. Die Sicherheitsexperten seien sich einig, dass Russland bis Ende des Jahrzehnts personell und materiell in der Lage sein werde, einen Angriff gegen die NATO durchzuführen. Leonards: „Was das für uns bedeutet? Wir müssen jetzt alles dafür tun, um Russland von einem Angriff auf NATO-Territorium abzuschrecken. Das gilt nicht nur für den Bereich der militärischen, sondern auch der zivilen Verteidigung.“ Leonards weiter: „Das ist unsere gemeinsame Aufgabe, und daran arbeitet die Bundeswehr im Rahmen des sogenannten ,Operationsplans Deutschland‘ mit zahlreichen Akteuren aus Politik, Behörden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.“
Das Ziel sei klar: „Abschreckung durch Resilienz.“ Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden. Nach der erfolgreichen Übung „Red Storm Alpha“, die 2024 im Hafen durchgeführt wurde, wird es im September eine weitere zivil-militärische Übung in Hamburg geben, so Leonards. „Red Storm Bravo“ werde sie heißen.
Am 15. Juni gibt’s einen sogenannten „Veteranentag“ auf dem Rathausmarkt
Leonards lobte die hohe Wertschätzung, die die Bundeswehr in Hamburg erfahre und kündigte an, dass am 15. Juni auf dem Rathausmarkt ein sogenannter Veteranentag veranstaltet werde, bei dem Studenten der Helmut-Schmidt-Universität in den Rang eines Leutnants befördert werden. So etwas hat es jahrzehntelang in Hamburg nicht gegeben.
Auf die schwierige sicherheitspolitische Lage in Europa wies auch der zweite Redner beim Neujahrsempfang hin, Generalarzt Dr. Thomas Harbaum, der Chef des Bundeswehrkrankenhauses. Er sagte, dass sich Deutschland ein Beispiel an Finnland nehmen solle, dessen Menschen – glaubt man aktuellen Rankings – die glücklichsten auf der ganzen Welt sind, wohlgemerkt trotz einer 1300 Kilometer langen Grenze mit Russland. Harbaum: „Ist es vielleicht so, dass die Finnen gerade wegen der unmittelbar gefühlten Gefahr zusammenstehen, merken, dass es nur gemeinsam möglich ist, echte Stärke zu vermitteln? Kein Klagen, erst recht keine Opferrolle, sondern aktives Aufstehen gegen die Bedrohung aus Russland.“
Chef des Bundeswehrkrankenhauses sagt: „Deutschland muss von Finnland lernen“
Deutschland – im Welt-Glücks-Ranking übrigens abgerutscht von Platz 16 auf Platz 24 – könne von Finnland viel lernen, so Harbaum: „Krisen wie die durch das aktuelle russische Hegemoniestreben werden nicht im Ich gelöst, sondern im Wir. Stark werden wir dann, wenn wir uns als Individuen solidarisch als Teil unserer Gesellschaft verstehen. Wenn Vertrauen die Basis unseres Handelns ist, wir verbindlich füreinander einstehen und so die Lust entsteht, Verantwortung zu übernehmen. Stark werden wir dann, wenn wir uns auf unsere Werte konzentrieren. Allen voran unsere Freiheit. Diese Freiheit ist aktuell bedroht. Die Finnen haben das bereits erkannt. Wir sind noch etwas zögerlich, obwohl diese Bedrohung real ist.“ Soweit der Ärztliche Direktor des Bundeswehrkrankenhauses.
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Rund 300 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft nahmen am Neujahrsempfang der Bundeswehr teil. Unter den Gästen befanden sich unter anderem Aydan Özoguz (SPD), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, die Staatsräte Christoph Holstein (SPD) und Thomas Schuster sowie die Bundestagsabgeordneten Christoph de Vries (CDU), Linda Heitmann (Grüne), Ria Schröder (FDP) und Franziska Hoppermann (CDU).