Hamburg

Hafenerweiterung: Ein Hamburger Stadtteil kämpft um sein Überleben

Farbige Holzskulpturen auf einer Wiese vor Backsteinhäusern bei bewölktem Himmel.
Zahlreiche Künstler haben sich in Moorburg niedergelassen.

Die Zukunft des ältesten Stadtteils im Süden von Hamburg ist ungewiss. Einwohner kämpfen dafür, dass historische Fachwerkhäuser, Moore und Biotope ab 2035 nicht der Hafenerweiterung weichen müssen

Eingekeilt von A7 und Containerterminals gehört Moorburg zu den fast vergessenen Stadtteilen am südlichen Hafenrand. Dabei hat der Ort eine lange und lebendige Geschichte. Künstler und Kunsthandwerker haben das Potenzial entdeckt und sorgen für neues Leben am Deich, obwohl ungewiss ist, ob das Dorf in einigen Jahren noch existiert.

Moorburg: Hier gibt es Kunst und Keramik

Moorburg ist schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Wer sich hierher verirrt, kommt meist mit dem Rad oder mit dem Auto. Vor 100 Jahren kamen die Hamburger per Schiff. Sie liebten das Dorf an der Elbe mit seinen Gaststätten und Spazierwegen. Ausflugslokale gibt es keine mehr, dafür umso mehr Künstlerateliers. Gleich drei Keramikerinnen arbeiten auf dem Hof am Moorburger Elbdeich 263, darunter Nana König mit filigranen Porzellankreationen. Beim Fachhandel „Keramik-Kraft“ können sich Hobbytöpfer und -töpferinnen, eindecken (www.moorburger.art.de).


Wegweiser am Aussichtspunkt in Harburg mit Hinweisen zu Zentrum, Fischmarkt und Harburger Bergen.
Gut ausgeschilderte Radwege führen von Moorburg über Finkenwerder bis ins Alte Land oder in die City.

Radeln am Deich

Spazierwege führen durch Streuobstwiesen an die Elbe. Die Wege werden gern von Radfahrern und Skatern genutzt und enden an Aussichtspunkten und Foto-Hotspots: Hier kommen Fußgänger besonders dicht an die Hafenkräne heran.

Kirche und Flut

Containerkräne in Moorburg
Von Moorburg aus kommt man ganz dicht an die Hafenkräne heran - vor allem bei Fotografen ein beliebtes Motiv.

Viele Fachwerkhäuser sind im Dorfkern erhalten geblieben. Mehrere Hundert Menschen leben hier, obwohl die Stadt einen Großteil der Grundstücke erworben hat. Seit 1982 gehört Moorburg zum Hafenerweiterungsgebiet. Ob der Stadtteil ab 2035 dem Hafen weichen muss, ist noch unklar. Die Bezirksversammlung Harburg hat sich gerade erneut einstimmig für den Erhalt von Moorburg ausgesprochen. Ein Hoffnungsschimmer ist auch das neue Feuerwehrhaus, das die Stadt Hamburg jetzt bauen lässt. Das könnte als positives Signal für den Verbleib der Bewohner gewertet werden. Die Bürgerinitiative „Moorburg forever“ kämpft gemeinsam mit den Hamburger Umweltverbänden BUND und Nabu für den Erhalt des Dorfes Moorburg und für den Schutz der dortigen Moor- und Biotopflächen.

Statue im Friedhof vor Backsteinkirche mit grünem Turm und rotem Dach.
Die Kirche St. Maria-Magdalena stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat viele Fluten überstanden.

Ältester Stadtteil

Rund um die Kirche St. Maria-Magdalena scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ruhig und friedlich ist es hier. Die erste Kapelle wurde im ältesten Stadtteil südlich der Elbe vor über 700 Jahren gebaut, die jetzige Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert. Eine Flutmarke zeigt, dass das Wasser 1962 auf Kirchturmhöhe stand.

Grüner Wasserstoff

Auf dem Gelände des 2021 stillgelegten Kohlekraftwerks entsteht der „Hamburg Green Hydrogen Hub“ (HGHH). Ab 2027 soll hier „grüner Wasserstoff“ produziert werden. Weltweit ist der HGHH eines der ersten Projekte mit dem Ziel, eine gesamte Hafenwirtschaft zu dekarbonisieren. Rund 10.000 Tonnen „grüner Wasserstoff“ sollen jährlich in Moorburg produziert werden – offizielle Verträge mit festen Abnehmern gibt es allerdings noch nicht. 

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