HafenCity-Vorzeigebau verzögert sich – über Kosten wird geschwiegen
Der neue Vorzeigebau für die künftige Zentrale der HafenCity Hamburg GmbH (HCH) sollte eigentlich in diesem Jahr fertig werden – doch jetzt dauern die Arbeiten deutlich länger. Offensichtlich konnte bisher keine Firma für den ambitionierten Hochbau gefunden werden, der komplett CO2-neutral sein soll. Nachdem es anfänglich schon Ärger wegen einer Überschreitung der Grenzwerte für Lärm gab, verzögert sich das Projekt nun um Jahre. Die MOPO hat nachgefragt, welche Gründe das hat und warum auf der Baustelle trotzdem schon gewerkelt wird.
Auf 7200 Quadratmetern soll im Quartier Am Sandtorpark/Grasbrook ein sogenanntes Null-Emissionshaus entstehen. Heißt: Von der Errichtung über den Betrieb bis zu Rückbau und Entsorgung soll das Haus CO2-neutral sein. Die HafenCity GmbH will anschließend ihren Hauptsitz hierher verlegen.
Baubeginn war bereits 2022. Kurz darauf gab es jedoch Ärger mit den Nachbarn, weil die Tiefbauarbeiten mit großen Pfahlbohrmaschinen großen Lärm verursacht hatten. Die Stadtentwicklungsbehörde verhängte einen Baustopp. Nachdem ein neues Lärmschutzkonzept stand, durfte weiter gebohrt werden – allerdings nur zweieinhalb Stunden pro Tag.
HafenCity: Null-Emissionshaus wird neu ausgeschrieben
Das alles verlangsamte die Arbeiten. Jetzt wurde außerdem bekannt: Die HCH rechnet erst für Ende 2026 mit einer Fertigstellung des Gebäudes. Bisher fanden zwar Tiefbauarbeiten statt, für den Hochbau konnte aber noch keine passende Baufirma gefunden werden.
„Die Ausschreibung zum Holzbau im Sommer 2023 auf Basis der funktionalen Leistungsbeschreibung ergab kein zuschlagfähiges Angebot“, heißt es in einer aktuellen Senatsantwort auf Anfrage der Linken.
Das Vergabeverfahren sei daher aufgehoben worden. „Eine Neuausschreibung erfolgt zu August 2024 auf Basis eines detaillierten Leistungsverzeichnisses der finalisierten Ausführungsplanung“, so der Senat weiter. Ab August können also erneut Baufirmen Angebote abgeben.
Linke: „Projekt steht unter keinem guten Stern“
Diese Vorgehensweise sei „nicht unüblich“ bei Pionierprojekten, sagt eine Sprecherin der HCH auf MOPO-Anfrage. Warum es bisher kein Angebot gab, bei dem das Unternehmen zugeschlagen hat? „Die Planungen kombinieren mehrere Lösungswege zum CO2-armen Bauen“, so die Sprecherin. „Unterdessen haben sich die Rahmenbedingungen des Bauens zum Beispiel aufgrund von Lieferengpässen, explodierenden Baukosten und steigenden Zinsen signifikant verändert.”
Heißt: Alles wird teurer. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 45,4 Millionen Euro rechnete die HafenCity GmbH im Jahr 2022 noch. Das geht ebenfalls aus einer Senatsantwort hervor. Was das Projekt inzwischen kostet? Dazu hält sich der Senat bedeckt. In der aktuellen Antwort heißt es, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen seien.
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„Das Projekt steht unter keinem guten Stern“, kritisiert Heike Sudmann, Stadtentwicklungsexpertin der Linken. „Der Neubau ist eh überflüssig, da die HCH bereits vorhandene Büroflächen in der HafenCity gut nutzen könnte. Das wäre wirklich nachhaltig. Jetzt zeigt dieses Öko-Vorzeigeprojekt mehr Risiken als Chancen auf, das ist schlecht.“