„Hätte geschworen, mir passiert das nicht“: Internetgangster betrügen Hamburgerin

Kleinanzeigen
Wer bei „Kleinanzeigen“ Waren verkauft, muss aktuell ganz gehörig auf der Hut sein. Betrüger haben sich eine neue Masche ausgedacht.

Die Geschenke zu Weihnachten haben nicht so ganz Ihren Geschmack getroffen? Wenn Sie jetzt auf die Idee kommen, alles, was ihnen nicht gefällt, bei „Kleinanzeigen“ (ehemals „Ebay-Kleinanzeigen“) zu Geld zu machen, dann seien Sie bloß vorsichtig! Wer dort Artikel verkauft, muss aktuell gehörig auf der Hut sein. Sonst kann es passieren, dass Betrüger Ihr Bankkonto leerräumen. Worauf Sie achten müssen – lesen Sie selbst.

Die 52-jährige Wiebke S. (Name geändert) aus Eimsbüttel ärgert sich. Erstens wegen des vielen Geldes, das futsch ist. Vor allem aber darüber, dass sie sich hat reinlegen lassen. „Ich habe immer die Augen verdreht, wenn ich hörte, dass andere von Internetbetrügern reingelegt worden sind. Ich hätte geschworen, mir passiert so etwas nicht.“ Wiebke S. kann die Tränen kaum unterdrücken. Es sind Tränen der Wut. „Das ganze Jahr 2023 war für mich ganz positiv“, sagt sie, „und am vorletzten Tag dann so etwas!“

Der Haspa hat Wiebke S. es zu verdanken, dass der Schaden nicht noch viel größer ist

Ein Trost bleibt ihr immerhin: Dank der Sicherheitsmechanismen der Kreditkartenfirma ist der Schaden mit rund 460 Euro noch vergleichsweise gering. Abgesehen hatten es die Betrüger – das weiß Wiebke S. inzwischen – auf 6000 Euro.

Was ist geschehen? Alles fing ganz harmlos mit einem Hunde-Brustgeschirr aus Leder an, aus dem Ronald, der Vierbeiner von Wiebke S., inzwischen herausgewachsen ist. Nachdem die Eimsbüttlerin die Ware bei „Kleinanzeigen“ zum Kauf angeboten hatte, meldete sich auffallend schnell, nämlich schon nach ein, zwei Minuten, ein Interessent. Per Chat teilte ihr ein gewisser Nils P. mit, die Ware für 95 Euro kaufen zu wollen. „Ich habe ihm geantwortet, dass ich damit einverstanden sei. Ich habe ihm auch gleich meine E-Mail-Adresse genannt, damit er das Geld per Paypal senden kann.“

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Eigentlich ein harmloser Deal bei „Kleinanzeigen“: Wiebke S. will eine Hunde-Brustgeschirr verkaufen. Schon nach ein, zwei Minuten meldet sich ein vermeintlicher Interessent.

Was Wiebke S. nicht ahnte: Dass es dem vermeintlichen Käufer von Anfang an nur um die E-Mail-Adresse ging. An dem Hundegeschirr hatte er überhaupt kein Interesse.

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Statt Geld erhielt Wiebke S. wenig später eine E-Mail von „Kleinanzeigen“ – genauer gesagt: eine E-Mail, die so aussah, als sei „Kleinanzeigen“ der Absender. Tatsächlich aber handelte es sich um eine Phishing-Mail der Betrüger. Logo, Farbe, Layout – alles täuschend echt.

Über eine Phishing-Mail wurde Wiebke S. dazu verleitet, ihre Kreditkartendaten herzugeben

In dieser Mail teilte der angebliche „Kleinanzeigen-Zustelldienst“ Wiebke S. mit: „Ihr Artikel wurde gekauft und bezahlt, jetzt müssen Sie die Transaktion bestätigen. Gehen Sie dazu auf die Seite für die Informationserfassung, indem sie auf die Schaltfläche unten klicken.“

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So sah die Phishing-E-Mail der Betrüger aus. Wiebke S. wurde aufgefordert, auf die grüne Schaltfläche zu klicken.

Wiebke S. leistete Folge und wurde dadurch auf eine ebenfalls täuschend echt aussehende Kopie der „Kleinanzeigen“-Plattform weitergeleitet, wo sie „zum Zwecke der Verifizierung“ ihre Kreditkartendaten angeben sollte – inklusive der dreistelligen Kartenprüfziffer auf der Rückseite. Damit schnappte die Falle zu.

Dass sie bestohlen wurde, erfuhr Wiebke S. am Silvesternachmittag, als die Kreditkartenfirma Kontakt mit ihr aufnahm und sie darüber in Kenntnis setzte, dass Unbekannte ihre Kreditkarte belastet hatten – erst mit 234 Euro und dann nochmal mit 228 Euro. Der Versuch, an weitere rund 5500 Euro zu kommen, scheiterte, weil Mitarbeiter des Kreditkartenunternehmens den Braten rochen und alle weiteren Transaktionen stoppten.

Betrüger machen sich ausgerechnet die „Sicher bezahlen“-Funktion zu Nutze

Wiebke S. hat Strafanzeige erstattet. Sie weiß inzwischen, dass die Betrüger das ergaunerte Geld dazu verwendet haben, bei einer kanadischen Bank Kryptowährung zu kaufen. Die Firma Banxa Holdings, ein Zahlungsdienstleister für digitale Vermögenswerte, teilte ihr mit, die Transaktion sei bereits abgeschlossen und könne nicht rückgängig gemacht werden. Das Geld ist wohl endgültig weg.

Nach MOPO-Informationen gibt es zu der beschriebenen „Kleinanzeigen“-Betrugsmasche noch eine Variante: Dabei machen sich die Betrüger ausgerechnet die „Sicher bezahlen“-Funktion zu Nutze, die Kleinanzeigen 2020 einführte, um Betrug zu unterbinden. Um den Verkäufer in Sicherheit zu wiegen, geben die Täter dabei an, den Preis des erworbenen Artikels per „Sicher bezahlen“-Funktion begleichen zu wollen und behaupten, dass sie dafür die E-Mail-Adresse des Inserierenden benötigen – eine dreiste Lüge. Der Rest läuft dann ab wie oben beschrieben.

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Ein Sprecher des „Kleinanzeigen“-Portals erklärte gegenüber RTL, der wesentliche Vorteil der „Sicher bezahlen“-Funktion sei, dass User eben keine sensiblen Daten wie Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Bankverbindungen austauschen müssten. Der direkte Empfang einer Zahlung per Kreditkarte sei außerdem gar nicht möglich, weshalb es sich bei entsprechenden Anfragen ausnahmslos um Betrugsversuche handele.

Worauf „Kleinanzeigen“-User dringend achten sollten: Dass sie niemals ihre Kreditkarten-Daten preisgeben. Und bei E-Mails ist es ratsam, einen Blick auf die Mailadresse zu werfen. Hätte Wiebke S. das getan, bevor sie anfing, ihre Kreditkartendaten weiterzugeben, wäre ihr die Fälschung mit Sicherheit aufgefallen.

Die Geschenke zu Weihnachten haben nicht so ganz Ihren Geschmack getroffen? Wenn Sie jetzt auf die Idee kommen, alles, was ihnen nicht gefällt, bei „Kleinanzeigen“ (ehemals „Ebay-Kleinanzeigen“) zu Geld zu machen, dann seien Sie bloß vorsichtig! Wer dort Artikel verkauft, muss aktuell gehörig auf der Hut sein. Sonst kann es passieren, dass Betrüger Ihr Bankkonto leerräumen. Worauf Sie achten müssen – lesen Sie selbst.