Gutes Wetter zum Grillen – aber ungewöhnlicher Trend bei Steak und Co.
Seit Wochen super Wetter, eigentlich ideal, um den Grill rauszuholen und in den Park zu gehen oder Freunde einzuladen. Aber offenbar haben in diesem Sommer viele Leute kein Bock auf Grillen. „Diese Grillsaison war bisher die schlechteste in den letzten sechs Jahren“, sagt Hanna Kehl, Konsumforscherin des größten deutschen Marktforschungsinstituts GfK, zur MOPO. Doch woran liegt es, dass die Lust auf Thüringer, Steak und Buletten vom Grill derzeit so abkühlt?
Die Lust am Kochen ist sicherlich nicht der Grund. Wer hat schon Freude daran, in der 26-Grad-warmen Küche auch noch Herd oder Ofen anzuschmeißen? Dann doch lieber draußen im Park oder auf Balkon und Terrasse. Doch die grillwütigen Hamburger haben in diesem Jahr einfach nicht so zugegriffen beim Grillfleisch.
Die GfK (heißt heute Growth from Knowledge) sieht als Ursache für die Grillflaute die Sorge der Kunden vor den hohen Energiepreisen – und auch die gestiegenen Lebensmittelpreise. „Das beeinflusst die Konsumenten zunehmend“, erklärt Werner Lauß, Experte für Fleisch und Wurstwaren bei GfK. Typisches Grillfleisch wurde in den Läden zu 15 Prozent weniger eingekauft, beim ohnehin teureren Fisch (Dorade, Lachs, Thunfisch, Forelle) sind es sogar 22 Prozent.
Kein Wunder, denn Fleisch ist in den Läden zuletzt um 25 bis 30 Prozent im Preis gestiegen, wie der Konsummonitor des Handelsverbandes HDE zeigt. Kunden verzichten auch zunehmend auf den Einkauf von hochpreisige Spezialitäten und von Alkohol und sogar Gemüse.
Lauß: „Beim Fleisch ist vor allem höherpreisiges Rind- und Lammfleisch betroffen. Günstigere Alternativen wie Grillgeflügel und Bratwürste können sich besser behaupten. Auch Grillsaucen wurden weniger gekauft.“
Zum Teil könnte die mangelnde Grilllust allerdings auch daran liegen, dass man endlich wieder in Restaurants und Kneipen gehen kann nach der langen Corona-Zeit. Und dafür wird in Hamburg weniger privat gegrillt, was während der Corona-Zeit sehr beliebt war.
Ein weiterer Aspekt ist, dass immer mehr Menschen auf den Konsum von Fleisch verzichten oder ihn zumindest reduzieren wollen. Dazu passt, dass pflanzliche Grillalternativen ihren Boom aus 2020 sogar verbessern konnten. Besonders Fleischersatzprodukte konnten ihren Absatz trotz der aktuellen Entwicklungen um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Sie machen allerdings nach wie vor nur einen äußerst geringen Teil des Grillguts aus.