Gute Noten für Hamburgs Schüler! Doch am Ranking gibt es einen Haken

Auch in den Naturwissenschaften (hier Chemieunterricht) machten Hamburger Schüler ein paar Plätze gut.
Auch in den Naturwissenschaften (hier Chemieunterricht) machten Hamburger Schüler ein paar Plätze gut.

Wie gut sind Hamburgs Schüler in Mathe und Naturwissenschaften? Am Donnerstag wurden die Ergebnisse des Bildungstrends 2024 veröffentlicht. Die Antwort: Hamburg schneidet im Bundesvergleich gut ab, verbessert sich sogar in der Platzierung. Der Hintergrund ist allerdings besorgniserregend.

Gute Nachrichten für die Schulen: Im Bildungstrend 2024 klettert Hamburg im Ländervergleich nach oben. Geprüft wurden Neuntklässler in den Fächern Mathe, Chemie, Physik und Biologie. In Mathe haben sich Hamburgs Schüler von Platz 11 auf Platz 4 verbessert. Bei den Naturwissenschaften liegen sie laut Schulbehörde im Schnitt jetzt auf Platz 9 – zuvor auf Platz 15.

Hamburg: Das steckt hinter dem Erfolg beim Bildungstrend

Doch der Jubel ist verhalten, denn der Blick auf die anderen Bundesländer zeigt: Hamburgs Schüler sind nicht besser geworden, sondern die der anderen Bundesländer schlechter. Über alle Länder hinweg fielen die Kompetenzwerte seit 2018 in Mathematik und Biologie auf einer 500er-Skala um 24 Punkte, in Physik und Chemie um 23 Punkte. Rund ein Drittel, nämlich bundesweit 34,1 Prozent der Schüler, verfehlen in Mathe die Mindeststandards.

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Hamburg gelang es, das Niveau zu halten und sich dem Abwärtstrend zu widersetzen. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) ist zufrieden: „Hamburgs Schülerinnen und Schüler gehören jetzt auch in Mathematik bundesweit zur Spitzengruppe. Der deutschlandweite Trend ist aber besorgniserregend. Und auch für Hamburg gilt: Wir wollen weiter daran arbeiten, die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen zu verbessern.“

Schulbehörde: Das hat Hamburgs Schülern geholfen

Den Erfolg führt die Behörde auf eine Mathematikoffensive von 2015 zurück. Seit 2018 gibt es in den Klassen 5 bis 8 eine zusätzliche Mathe-Stunde pro Woche und nur noch ausgebildete Mathe-Lehrer. Außerdem hat eine Expertenrunde Vorschläge gemacht, wie der Unterricht besser werden kann. Viele dieser Ideen sind inzwischen in neue Lehrpläne eingeflossen. Frühförderung und klare Ziele – das scheint sich auszuzahlen.

Schulsenatorin Ksenja Bekeris (SPD) ist zufrieden damit, wie Hamburg abgeschnitten hat. (Archivbild)
Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) ist zufrieden damit, wie Hamburg abgeschnitten hat. (Archivbild)

In den Naturwissenschaften sieht Bekeris aber weiter Handlungsbedarf: „Auch hier haben wir inzwischen Maßnahmen und Programme entwickelt, die in den nächsten Jahren flächendeckend umgesetzt ihre Wirkung entfalten sollen.“ Besonders wichtig sei die sprachliche Entwicklung, denn sie sei „eine essenzielle Grundlage zum Verständnis von mathematisch-naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und Fragestellungen.“

Bildungstrend: Das macht Forschern Sorge

Sorgen bereitet den Forschern der Studie aber noch etwas anderes: der Motivationsverlust vieler Jugendlicher. Das Interesse an Mathe und Naturwissenschaften sinkt, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ebenfalls. Immer mehr Jugendliche – besonders Mädchen – berichten über emotionale Probleme, Unaufmerksamkeit und Überforderung mit Konflikten. Auch die Verbundenheit mit der Schule nimmt ab. Forscher sehen Ursachen in Corona-Folgen, globalen Krisen und dem Einfluss sozialer Medien.

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Zudem zeigt sich ein bekanntes Problem: Beim Bildungserfolg bleibt der soziale Hintergrund entscheidend. Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte schneiden im Schnitt schlechter ab – vor allem wegen schwierigerer sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen. Der bundesweite Abwärtstrend betrifft jedoch alle Schüler.

Und jetzt? Gerade für die Motivationsprobleme nehmen die Macher der Studie neben den Schulen auch die Familien und das Umfeld der Schüler sowie die Ausbilder der künftigen Lehrer in die Pflicht. Alle Beteiligten müssen zusammenarbeiten, um die Lern- und Entwicklungsziele für Kinder und Jugendliche in Deutschland zu sichern.

Am IQB-Bildungstrend 2024 beteiligten sich bundesweit 48.279 Neuntklässler aus 1556 Schulen, in Hamburg waren es 3142 Schülerinnen und Schüler an 113 Schulen. Die Untersuchung wurde vom „Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ im Auftrag der Kultusministerkonferenz durchgeführt.