Peter Tschentscher spricht im Rathaus

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei seiner Rede in der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: picture alliance/dpa/Ulrich Perrey

Große Olympia-Emotionen im Rathaus: Tschentscher mit Pathos – Tränen bei Thering

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Bisher hatte sich Hamburgs Bürgermeister im Hinblick auf das Olympia-Referendum am 31. Mai auffällig zurückgehalten. Jetzt warb er in der Bürgerschaft mit ungewöhnlich viel Pathos für ein olympisches „Sommermärchen made in Hamburg“ – und teilte scharf gegen die Linke aus. Zuletzt bedankte er sich „ausdrücklich“ – bei der CDU. Deren Fraktionschef Dennis Thering kamen beim Gedanken an Olympia die Tränen.

„Es ist das beste Olympia-Konzept, das in Deutschland bisher entworfen wurde“, sagte Tschentscher voller Inbrunst in seiner Regierungserklärung. Seit dem gescheiterten Referendum 2015 habe sich viel verändert: „Früher mussten sich die Städte den Olympischen Spielen anpassen. Heute ist es umgekehrt.“ Es gehe nicht mehr um Superlative, sondern um Inklusion, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit.

Schon am 31. Mai dürfen die Hamburger darüber entscheiden, ob sich die Stadt um die Olympischen Spiele bewerben soll. Die Briefwahl läuft bereits. Tschentscher warb darum noch einmal mit Nachdruck für ein „Ja”.

Tschentscher nennt Argumente der Linken „irreführend”

Hamburg habe als Stadt am Wasser ein „Alleinstellungsmerkmal“ gegenüber Berlin, München und der Rhein-Ruhr-Region. Hinzu kämen kurze Wege und eine vorbildliche Klimafreundlichkeit. Außerdem will der Senat in Maßnahmen für mehr Inklusion, Stadtgrün und die Sanierung von Sportstätten investieren. Durch bereits zugesagte Gelder vom Bund sollen Infrastrukturprojekte wie die U5 oder die Modernisierung des Hauptbahnhofs einen weiteren Schub bekommen.

So könnte das Olympische Dorf in der Science City in Bahrenfeld aussehen. Hamburg Active City
Olympisches Dorf
So könnte das Olympische Dorf in der Science City in Bahrenfeld aussehen.

Auch die Kritik am Finanzkonzept griff der Bürgermeister auf. Kritische Stimmen seien wichtig, sagte er, manche Einwände aber „nicht berechtigt und irreführend“. Ohne Olympia gebe es zwar keine Kosten, aber eben auch keine Einnahmen, die anders verwendet werden könnten. „Deshalb, liebe Linksfraktion, ist ein zentrales Argument der Olympia-Gegner schlicht falsch.“

Zwar räumte Tschentscher ein, dass sich die Sicherheitskosten noch nicht beziffern ließen. Zugleich verwies er auf zugesagte Unterstützung des Bundes. „Die Frage lautet nicht: Können wir uns Olympia leisten? Die Frage lautet: Können wir es uns leisten, uns nicht für Olympia zu bewerben? Die Antwort lautet: Nein.“

CDU-Chef Thering kommen die Tränen

Überraschend bedankte sich Tschentscher anschließend bei der Opposition – genauer: bei der CDU, die die Bewerbung unterstützt. Wie sehr, zeigte sich direkt danach bei Fraktionschef Dennis Thering. Er erinnerte sich sichtlich bewegt daran, wie er als Achtjähriger die Spiele von Barcelona mit seinem Vater im Fernsehen sah. „Genau das möchte ich für Hamburg“, sagte Thering mit Tränen in den Augen. „Lassen Sie uns gemeinsam Ja zu Olympia sagen.“

CDU-Chef Dennis Thering kamen bei seiner Rede in der Hamburgischen Bürgerschaft die Tränen (Archivbild). picture alliance/dpa/Marcus Brandt
Dennis Thering im Rathaus
CDU-Chef Dennis Thering kamen bei seiner Rede in der Hamburgischen Bürgerschaft die Tränen (Archivbild).

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf setzte auf den Wettbewerbsgedanken: „Den Münchnern gönne ich das nun wirklich nicht”, sagte er. Grünen-Co-Fraktionschefin Sina Imhof hob die Klimaschutzaspekte des Konzepts hervor. „Natürlich wird es Streit geben, natürlich werden wir ringen. Aber das ist noch kein Argument gegen ein großes Projekt“, so Imhof. Bei den Grünen hatte die geplante Bewerbung innerparteilich für intensive Debatten gesorgt.

Linken-Chefin Sudmann: „Gibt keine magische Geldquelle”

Die Linke blieb bei ihrer Ablehnung. Co-Fraktionschefin Heike Sudmann warf Tschentscher vor, Risiken auszublenden. Sich an ein IOC zu wenden, das weiter für Korruption und mangelnde Transparenz stehe, sei kein Mut. „Das ist wie der Mut, sich an einen Investor wie René Benko zu wenden.“ Tschentscher wirke „wie ein Glücksspieler“, der aus dem Elbtower nichts gelernt habe.

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Themen wie soziale Spaltung oder steigende Mieten durch große Touristenströme würden laut Sudmann unter den Tisch fallen. „Sie scheinen eine magische Geldquelle für Olympia beim Bund zu entdecken, die gibt es nicht“, sagte sie.

Auch die AfD sprach sich gegen Olympia aus. Fraktionschef Dirk Nockemann kritisierte „blumige Sonntagsreden“ und eine „regierungsamtlich gedopte Olympiabegeisterung“.

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