Inhaber Nikola Tunici (l.) mit dem Geschäftsführer und seinem Cousin Felix Tunici (36) in der Kegelhalle.

Geschäftsführer Nikola Tunici (l.) mit dem Restaurant-Chef und seinem Cousin Felix Tunici (36). Ihre Kegelanlage wird bald abgerissen. Foto: Florian Quandt

In Hamburg: Größte Kegelbahn der Welt wird abgerissen

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Hier poltert und rumpelt es Tag für Tag, doch bald ist es damit vorbei. Nikola Tunici (36) betreibt in Barmbek-Süd die größte Kegelanlage der Welt, wie er sagt. Doch bald werden hier Bagger anrollen und die 28 Bahnen dem Erdboden gleichmachen. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Eine Gruppe Jungs steht zusammen, um sie herum ertönt die Popmusik der vergangenen Jahre. Lila-rotes Licht tanzt über ihre Gesichter, die Reflexion der riesigen Discokugel, die an der Decke der Halle hängt. An den Wänden sind große Bilder von Hamburg zu sehen: der Michel, der Hafen. Drei Kabinen weiter die Weihnachtsfeier einer Hamburger Energie-Firma. Anstoßen auf ein Jahr, das sich dem Ende neigt.

Kegelbahn in Hamburg: Abriss trotz hoher Auslastung

Ein unausweichliches Ende steht auch dem gesamten Komplex bevor, in dem sich diese Szene abspielt. Es ist das „Tunici Restaurant“ inklusive Kegelbahn in Barmbek-Süd, an der Adolph-Schönfelder-Straße. Draußen nieselt es, drinnen sitzen Menschen an den Tischen des Restaurants zusammen oder stehen an den Kegelbahnen, vorne die Kugeln, hinten die neun Kegel, die möglichst alle umfallen sollen. Und mittendrin: Nikola Tunici (36), Geschäftsführer des Restaurants, das mit neun weiteren im Familienbesitz ist.

„Ich bin leidenschaftlicher Kegler“, erzählt Tunici. Mehrfach im Monat kegelt er mit seinem Kegelclub „Putz Wech“. Lustige Clubnamen sind Ehrensache beim Kegeln, da heißt ein Verein auch mal „Stramm Vorbei“ oder „Fall Um“. Die Kegelanlage des Restaurants läuft gut, im Winter hat Tunici eine Auslastung von 80 bis 100 Prozent, sagt er. Obwohl die Kegelanlage gut abwirft, ist am 14. März Schluss mit „alle Neune!“ 

Eine Stunde Bahnmiete kostet zwischen 35 und 45 Euro. Florian Quandt
Die Kegelbahn im Discolicht.
Eine Stunde Bahnmiete kostet zwischen 35 und 45 Euro.

„Mein Onkel, dem die Anlage gehört, hat sich dazu entschieden, zu verkaufen“, erzählt er der MOPO. Restaurant und Kegelbahnen werden plattgemacht. Stattdessen sollen hier Wohnungen entstehen. Für Tunici eine traurige Nachricht: „So eine Oldschool-Anlage, wie wir sie hier haben, werde ich wohl nie wiederbekommen“, sagt er.

Dennoch steht er hinter der Entscheidung seines Onkels. Der sei alt geworden und habe nicht mehr die Kapazitäten, sich um das Geschäft zu kümmern. Außerdem gäbe es kaum noch Techniker, die Anlagen reparieren können, so Tunici, der sich aktuell selbst um die Instandhaltung kümmert. Der 36-Jährige ist gelernter Klempner. Früher wollte er Feuerwehrmann werden, dann stieg er in das Familiengeschäft mit ein. 2012 übernahm die Familie die Kegelanlage vom früheren Betreiber. 2013 renovierte Tunici den Teil im ersten Stock mit den Wandbildern und der Discokugel. In Jenfeld gibt es ein weiteres „Tunici Restaurant“ mit Kegelanlage, allerdings nur mit vier Bahnen.

Tunici: „Größte Kegelanlage der Welt“

Das „Tunici Restaurant“ in Barmbek-Süd hat 28 Kegelbahnen und ist damit, laut Nikola Tunici „die größte Kegelanlage der Welt“. Dazu hat er einige Recherchen angestellt, sogar einen Bahnbesitzer in Australien kontaktiert. Die Behauptung zu bestätigen, ist schwer. Nicht mal für Deutschland gibt es ein offizielles Verzeichnis, in dem alle Bahnen und ihre Größe aufgelistet sind. „Wir sind nicht in der Lage, alle Bahnen zu erfassen, da viele privatwirtschaftlich betrieben sind, und an Gastronomien dranhängen“, erzählt Michael Hohlfeld (65) vom Deutschen Kegler- und Bowlingbund e.V. (DKB). Traditionelle Anlagen haben zwischen vier und sechs Bahnen. 28 Bahnen, könnte tatsächlich ein Rekord sein, sagt Hohfeld. „Ich bin sehr froh, dass es noch solche Anlagen gibt. Überall da, wo Kegelbahnen sind, findet Leben statt.“

Die Kegelbahnen im Erdgeschoss hat die Familie Tunici klassisch gelassen. Florian Quandt
Blick aus einer Kabine: Schlichte Kegelbahnen in weißem Licht.
Die Kegelbahnen im Erdgeschoss hat die Familie Tunici klassisch gelassen.

Dennoch sind die Mitgliederzahlen des Verbandes rückläufig. Anfang des Jahrtausends waren noch 85.000 Menschen Mitglied beim DKB. Jetzt sind es noch rund 59.000. Dabei kegelte zu Hochzeiten des Sports fast jeder zehnte Deutsche. Inzwischen schieben die Deutschen lieber Bowlingkugeln, jenes Spiel mit den Griffmulden in der Kugel, das in Amerika erfunden wurde, und bei dem nicht neun Kegel, sondern zehn „Spikes“ umgeworfen werden müssen. Kippen alle zehn um, ruft man nicht mehr „Alle Neune!“, sondern: „Strike!“

Kegeln: Funde aus dem alten Ägypten

Die Geschichte des Kegelns geht zurück bis ins alte Ägypten. In einem Grab von etwa 3500 v. Chr. nahe der Stadt Luxor am östlichen Nilufer wurden eine Kugel und mehrere Kegel gefunden. Deutschland entdeckte den Spaß an den umfallenden Kegeln im Mittelalter, als sich erste Wettkampfformen herausbildeten. Das Kegeln fand zu der Zeit noch meist unter freiem Himmel statt und war häufig mit Geldwetten verbunden, was den Herrschern vieler europäischer Länder nicht gefiel. Zwischendurch verboten sie sogar den Sport.

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Auch Johann Wolfgang von Goethe verpönte in „Faust“ das Kegeln: „Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben ist mir ein gar verhaßter Klang.“ In den Aufzeichnungen von Johann Peter Eckermann „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ von 1848 steht, Goethe habe gesagt: „Unser deutsches Kegelbahn-Vergnügen erscheint mir dagegen roh und ordinär und hat sehr viel vom Philister (Spießbürgertum)“.

Niko Tunici hingegen liebt seinen Sport. Obwohl ihm die Schließung der Bahn nahegeht, will er positiv in die Zukunft schauen. Schließlich hat Tunici bereits eine neue Gaststätte in Aussicht, wie er verrät. Er sei mit der Ratsherren-Brauerei im Gespräch, auch mit der Möglichkeit auf eine neue Kegelbahn. Dass diese allerdings so groß sein wird, wie die derzeitige, ist unwahrscheinlich.

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