Grippewelle: Viele kranke Kinder – so schlimm trifft es die Kitas in Hamburg
Husten, Fieber, laufende Nasen: In vielen Hamburger Familien sind Krankheiten derzeit Dauerthema. Grippewelle und RS-Virus treffen vor allem Kinder – und sorgen auch in Kitas für angespannte Situationen. Eltern berichten, dass einzelne Einrichtungen sie gebeten hätten, ihre Kinder bei sichtbaren Symptomen möglichst zu Hause zu behalten. Schnell steht deshalb die Frage im Raum: Ist die Krankheitslage in diesem Winter besonders schlimm?
Kinderärzte beobachten tatsächlich einen deutlichen Anstieg von Infekten – sprechen aber nicht von einer Ausnahmesituation. Eine Kinderarztpraxis in Bergedorf registriere zwar seit Anfang Januar einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen mit Grippesymptomen bei Kindern und Jugendlichen. Das sei aber für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich – das wäre im vergangenen Jahr zum selben Zeitpunkt ähnlich der Fall gewesen, so eine Arzthelferin zur MOPO. Besonders häufig seien dabei klassische Atemwegserkrankungen, wie sie im Winter typisch sind.
Auch Hamburgs größter Kita-Träger, die Elbkinder, bestätigt zwar viele Krankmeldungen, sieht aber keinen Ausreißer nach oben. „Der aktuelle Krankenstand der Elbkinder zeigt sich als typisch hoch für die Jahreszeit. Wir hören insbesondere von Atemwegserkrankungen, grippalen und Magen-Darm-Infekten“, erklärt Unternehmenssprecherin Anna Fuy der MOPO. Entsprechend würden die Kitas versuchen, den Betrieb so gut wie möglich aufrechtzuerhalten – gleichzeitig aber an Eltern appellieren, erkrankte Kinder nicht in die Betreuung zu schicken.
Krankenstand beim Personal macht Hamburger Kitas zu schaffen
Doch auch die Betreuer selbst sind von der Grippewelle betroffen. „Unsere Kitas versuchen, den Betreuungsalltag so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Unsere großen Teams können in Krankheitswellen mit einer gewissen Flexibilität reagieren, Angebote vertagen, bei unseren 84 Springerkräften anfragen oder auch Mehrstunden leisten. Dennoch reichen die Kapazitäten nicht immer und es kommt zu krankheitsbedingten Einschränkungen der Betreuung in den Randzeiten“, so Anna Fuy.

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Ein Blick auf den gesamten Norden zeigt: Die Situation ist kein lokales Phänomen. Die Zahl der registrierten Ansteckungen mit Influenza-Viren hat sich in der Woche ab dem 26. Januar weiter erhöht. Dies meldet das Robert Koch-Institut (RKI) in Bezug auf Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.
Grippewelle bei Erwachsenen besonders hoch
In allen drei Bundesländern beschleunigte sich das Infektionsgeschehen bei Atemwegserkrankungen in der fünften Kalenderwoche demnach klar. In Mecklenburg-Vorpommern (+56 Prozent zur Vorwoche) erreichte die Zahl der in einer Woche registrierten Neuinfektionen mit 2087 einen Drei-Jahres-Höchststand. Mehr neue Ansteckungen waren zuletzt in der 50. Kalenderwoche des Jahres 2022 verzeichnet worden.
Besonders bei Erwachsenen fiele die Grippewelle in Mecklenburg-Vorpommern stärker aus als in den Vorjahren, berichtet die Krankenkasse AOK Nordost. Die Zahl der Grippe-Krankmeldungen ihrer Versicherten mit Wohnsitz dort habe sich im Gegensatz zur ersten Januar-Woche um das Fünffache erhöht (292). In Hamburg (548 Neuinfektionen) und Schleswig-Holstein (690) bewegt sich die Zahl der Neuinfektionen insgesamt auf einem niedrigeren Niveau. Aber auch hier nahm das vom RKI registrierte Infektionsgeschehen (HH: +65 Prozent; SH: +68 Prozent) im Gegensatz zur Vorwoche stark zu.
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Parallel dazu ist auch die Zahl der RS-Virus-Fälle deutlich gestiegen. Akute Atemwegserkrankungen betreffen dabei nicht nur Kinder, sondern ebenso Erwachsene. Das RKI geht aktuell von rund 8800 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Deutschland aus – unabhängig davon, ob ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Hochgerechnet entspricht das etwa 7,4 Millionen akuten Atemwegserkrankungen bundesweit. Auch hier ordnen die Fachleute die Lage als hoch, aber für diese Jahreszeit typisch ein. (rei/dpa)
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