Graues Wetter, Dauerstau und hohe Mieten: Warum sind die Hamburger so glücklich?

Frau am Hafen
In Hamburg leben die glücklichsten Menschen in Deutschland.

Teure Mieten, schlechtes Wetter, überall Baustellen und eine recht hohe Arbeitslosigkeit – und trotzdem gilt Hamburg laut des aktuellen „Glücksatlas“ als die glücklichste Region und Großstadt Deutschlands. Wie kann das sein? Fragt man die Forscher nach den Gründen, werden harte Fakten aufgezählt, die das Leben in Hamburg positiv beeinflussen – aber auch eine besondere Hamburg-Mentalität scheint das Glück hier positiv zu beeinflussen.

Hamburg hat im Jahr 2024 alle anderen Bundesländer übertroffen und mit beeindruckenden 7,38 Punkten den 1. Platz im Zufriedenheitsranking belegt, womit es sowohl Bayern als auch den langjährigen Spitzenreiter Schleswig-Holstein hinter sich ließ. Das nördlichste Bundesland der Republik war aus der jährlichen Studie des „SKL Glücksatlas“ zuletzt elf Mal in Folge als Sieger hervorgegangen.

Lebenszufriedenheit größer als vor der Pandemie

Auffallend in Hamburg ist, dass die Lebenszufriedenheit sogar größer ist als vor der Corona-Pandemie und sich der Abstand zum gesamtdeutschen Durchschnitt weiter vergrößert hat. Selbst unter Berücksichtigung statistischer Unsicherheiten seien die Hamburger laut Studie damit signifikant glücklicher als der Rest des Landes: „Die Hamburger waren schon immer zufriedener als der bundesdeutsche Durchschnitt“, heißt es in der Begründung durch den Glücksatlas.

Besonders positiv wird die gute Gesundheitsversorgung in Hamburg bewertet, erkennbar an der hohen Ärztedichte und der guten Krankenhausversorgung: Auf einen Arzt kommen durchschnittlich nur 127 Einwohner, während es im bundesweiten Durchschnitt fast 200 sind. „Hamburg versorgt dabei auch das Umland mit und bietet mit Einrichtungen wie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und den Asklepios-Kliniken wichtige Arbeitgeber im Gesundheitssektor“, heißt es in der Untersuchung.

Und dann ist da noch die Wirtschaft. Während viele Teile Deutschlands in einer Rezession stecken, wächst Hamburg, allein in 2024 wird mit einem Plus von zwei Prozent gerechnet. Das führt zu steigenden Einkommen, zugleich kann die Stadt viel in Bildung, Soziales und Infrastruktur investieren. So ist laut der Studie die Zufriedenheit mit Schulen und der Verwaltung in Hamburg besonders hoch ausgeprägt.

Niedrige Familien- und Einkommenszufriedenheit

Dennoch ist es laut der Studienautoren eher ungewöhnlich, dass eine Großstadt beim Glück vorne liegt. Das Leben in wohlhabenden Ländern wie Deutschland wird auf dem Land tendenziell glücklicher bewertet als in stressigen Großstädten. Und tatsächlich: Bei der Lebensqualität landet Hamburg nur im Mittelfeld.

Besonders unzufrieden seien die Hamburger in Bezug auf ihre familiäre Situation, denn in Hamburg wohnen viele Menschen allein. Dazu gehören Singles, Studierende, aber auch Witwen und Witwer, sowie tendenziell weniger Familien mit Kindern. Die niedrige Familienzufriedenheit wird unterstrichen von der niedrigen Geburtenrate in Hamburg, die mit 1,32 Kindern pro Frau unter dem deutschen Durchschnitt von 1,46 Kindern liegt.

Auch bei der Einkommenszufriedenheit schneidet Hamburg im bundesweiten Vergleich trotz der eigentlich hohen Gehälter schwach ab. Die Erklärung: Hamburg ist auch eine eine der teuersten Städte Deutschlands, worunter besonders Familien aufgrund hoher Lebenshaltungskosten und Mieten leiden.

Norddeutsche Mentalität: Gute Stimmung der Hamburger

Doch die Hamburger scheinen besondere Eigenschaften zu haben, die die typischen Nachteile einer Großstadt abschwächen und sich auf das subjektive Wohlbefinden auswirken. Für Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg liegt dies auch in einer spezifischen Hamburger Mentalität begründet: „Es ist die Frage, sehe ich ein halbvolles Glas als halbvoll oder halbleer“, erklärt Raffelhüschen. Und da scheinen die Hamburger offenbar eher ein halbvolles Glas zu sehen. Das sieht man ja schon beim Wetter, das gerne mit einer Prise humorvollem Sarkasmus kommentiert wird.

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Ökonom Max Höfer, einer der Forscher hinter dem Glücksatlas, sieht noch einen weiteren Grund für das Hamburger Glück, der mit dem recht verbreiteten Lokalpatriotismus in Hamburg zusammenhängt. Demnach besteht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl in der Stadt, eine gemeinsame Identität. Die wird verstärkt durch eine hohe Zufriedenheit mit der Verwaltung, hohen Investitionen in die Zukunft der Stadt, aktuell wären das etwa die Milliarden für neue Schulen, die U5 oder völlig neue Stadtteile, die gebaut werden. „Die Hamburger haben ein eigenes Stadtempfinden“, sagt Höfer. Ein bisschen scheint also dran zu sein am Gerede von der „schönsten Stadt der Welt“.